Nach Verletzungs-Schock von Hountondji: So plant St. Pauli jetzt im Angriff
Es war die schlechte Nachricht zum ersten öffentlichen Training des Jahres: St. Paulis Stürmer Andreas Hountondji fällt „bis auf Weiteres“ aus, wie der Klub bekanntgab. Beim Nationalspieler aus Benin wurde ein Haarriss im linken Sprunggelenk festgestellt. Mit vier Toren ist der 23-Jährige der erfolgreichste Stürmer der laufenden Saison. Trainer Alexander Blessin äußerte sich zu möglichen Konsequenzen.
„Wir haben ein paar Erfahrungen mit Haarrissen gemacht, aber es ist eine andere Stelle und wir müssen gucken, wie schnell die Knochenheilung vonstattengeht“, erklärte Blessin, gab sich aber vorsichtig optimistisch: „Er hat jetzt schon keine Schmerzen mehr beim Laufen, das ist auch wieder ein gutes Zeichen.“
Blessin: „Wir halten Augen und Ohren offen“
Schon vor Hountondjis Verletzung war über neue Kräfte für St. Paulis schwächelnde Offensive nachgedacht worden. „Sicher halten wir da die Augen und Ohren offen und gucken, was Sinn macht“, sagte Blessin, ohne Namen zu nennen. Zuletzt war auch über eine Rückholaktion des Vorsaison-Goalgetters Morgan Guilavogui aus Lens spekuliert worden. Nach MOPO-Informationen dürfte es dort aber allenfalls gegen Ende der Transferperiode, also Ende Januar, zu Bewegung kommen. Bei einem anderen Ex-St. Paulianer bewegt sich gerade etwas: Der SC Freiburg bricht die Leihe von Noah Weißhaupt nach Legia Warschau nach MOPO-Informationen vorzeitig ab, eine Rückkehr des Außenstürmers ans Millerntor steht aktuell aber nicht zur Debatte.

Neben Hountondji fehlte am Freitag auch Martijn Kaars auf dem Trainingsplatz, der niederländische Stürmer hatte das letzte Spiel des alten Jahres in Mainz (0:0) wegen muskulärer Probleme verpasst. Diesbezüglich gab Blessin jedoch Entwarnung: „Bei Martijn bin ich guter Dinge, er wird relativ schnell wieder zur Verfügung stehen.“ Eventuell schon am 10. Januar, wenn St. Pauli RB Leipzig am Millerntor empfängt.
Hountondji überzeugte mit körperlicher Präsenz
Oladapo Afolayan, der zuletzt selten zum Zuge kam, absolvierte am die gut einstündige Einheit, wünschte den rund 50 anwesenden Fans ein frohes neues Jahr und verschwand dann mit einer Tüte Spekulatius in den Kabinen. Angesichts des Stürmer-Notstands beim Kiezklub scheint bei ihm zwischen Januar-Abgang und Rückrunden-Comeback weiterhin alles möglich.

Schwer kalkulierbar war auch Hountondji auf dem Platz. In den ersten 15 Saisonspielen pendelte St. Paulis Neuzugang zwischen Weltklasse und geringer Wahrnehmbarkeit. Losgelegt hatte er wie die Feuerwehr. HSV-Verteidiger Jordan Torunarigha wird sich mit Grauen an das 0:2 im Derby erinnern, als Hountondji mit ihm machte, was er wollte, und wie zuvor gegen Dortmund sowie danach gegen Augsburg traf. Besonders die physische Präsenz des vom FC Burnley ausgeliehenen Stürmers war aller Ehren wert.
Nach St. Paulis Traumstart fiel Hountondji ab
Wenn die aber nicht vorhanden ist, nützt dem 23-Jährigen auch sein Tempo nicht viel. Das wurde in der Zeit nach dem Traumstart mehr als deutlich. Hountondji wirkte körperlich nicht mehr auf der Höhe, verlor oder verweigerte die Zweikämpfe, blieb absolut blass. Erst am 12. Spieltag in München zündete er wieder den Turbo, traf prompt, musste aber kurz darauf verletzt raus. Sein Comeback in Mainz geriet sehr unauffällig, danach wurde die neuerliche Verletzung festgestellt, die ihn wohl zumindest im Januar zum Zuschauen zwingt.
Das könnte Sie auch interessieren: Drei Ex-St. Paulianer und die schier endlose Suche nach einem neuen Verein
Hountondji ist selbst sein stärkster Kritiker, er weiß am besten, was gerade funktioniert und was nicht. Und die Quintessenz nötigt einem Respekt ab: Der Nationalspieler des Benin entschied sich, die Teilnahme am Afrika-Cup abzusagen, um wieder auf die Füße zu fallen und an die Leistungen vom Saisonauftakt anknüpfen zu können. Doch dafür braucht er jetzt Geduld – und St. Pauli vielleicht einen kurzfristigen Ersatz.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.