Nach Abgangs-Interview im TV: Vasiljs emotionaler St. Pauli-Abschied

Nikola Vasilj weinend beim Abschied
Nikola Vasilj hat sein Herz an den FC St. Pauli verloren. Zum Abschied fand er großartige Worte.

Er ist eine ehrliche Haut, was nur eine von vielen charakterlichen Vorzügen des Nikola Vasilj ist. Der Bosnier mit der harten Schale hat auch keine Probleme, seinen weichen Kern nach außen zu kehren und schämt sich seiner Tränen in emotionalen Momenten nicht. Das war am Samstag so, als er nach dem 1:3 gegen Wolfsburg noch am TV-Mikrofon mit brüchiger Stimme seinen Weggang vom FC St. Pauli verkündete. Bei Instagram ließ der 30-Jährige nun weitere Worte folgen, die warmherziger und inniger kaum ausfallen könnten.

„Manchmal ist es nicht das Schwerste, Abschied zu nehmen, wenn man gewinnt, sondern die Würde zu bewahren, wenn man fällt“, beginnt Vasilj seinen Beitrag. „Vor fünf Jahren kam ich als Spieler hierher. Ich gehe jetzt als jemand, der einen Teil von sich in diesem Klub, in dieser Stadt, bei all diesen Menschen gelassen hat. Für mich wird St. Pauli immer mehr sein als Fußball.“

St. Pauli wurde zu Nikola Vasiljs Familie

Die Menschen seien zu seiner Familie geworden, „die Leute auf den Tribünen haben gesungen, auch wenn es keinen Grund zum Singen gab. Die Stadt hat mich umarmt, der Verein hat mir Loyalität beigebracht und bedeutet dann am meisten, wenn die Zeiten am härtesten sind“. Vasilj dankte allen bei und rund um St. Pauli, „die an uns geglaubt haben, die uns unterstützt, kritisiert, zu uns gestanden haben und bei uns geblieben sind, als wir durch gute und schlechte Tage gegangen sind. Danke an meine Teamkollegen, das Trainerpersonal und alle, die Teil dieser Reise waren“.

Nikola Vasilj entschuldigt sich bei St. Paulis Fans

Er gehe zwar, aber ein Teil von ihm werde immer bei St. Pauli bleiben. In der Kabine. Auf dem Spielfeld. In jedem Schritt, den er jemals in diesem Trikot gemacht habe. „Ich bin vielleicht kein Spieler dieses Vereins mehr, aber ich werde für immer ein Unterstützer eines Teils der Geschichte sein. Manche Geschichten haben kein Happy End, aber das bedeutet nicht, dass sie es nicht wert waren. Es tut mir leid, dass wir euch nicht dort lassen konnten, wo ihr hingehört.“

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Mit „Danke für alles“ steigt Vasilj aus diesem höchst emotionalen Beitrag aus. „Tschüs … oder vielleicht besser: Wir sehen uns wieder eines Tages! Forza St. Pauli!“

Der bosnische Nationalkeeper wird im Sommer die WM in den USA spielen, hatte an der Qualifikation ebenso seinen Anteil wie am Klassenerhalt des Kiezklubs in der vergangenen Saison. Seine häufig gezeigten starken Leistungen auch in dieser Spielzeit konnten den Abstieg allerdings nicht verhindern. Sein letztes Spiel am Millerntor war nicht nur deshalb eines zum Vergessen, er selbst sah bei zwei Wolfsburger Treffern nicht besonders gut aus. Dass ihn das wurmte, lassen seine Abschiedsworte erahnen.