Leihe oder Kauf? Wie St. Pauli den Irvine-Ausfall auffangen will
Es ist eine Personalie, die über Wohl und Wehe des FC St. Pauli in dieser Saison entscheiden könnte, sportlich, versteht sich, über Klassenerhalt oder Abstieg. Der erneute Ausfall von Kapitän Jackson Irvine, dessen Comeback der Mannschaft vor Jahresfrist dringende benötigte Stabilität und Auftrieb gegeben hatte, ist ein schwerer Rückschlag, der Mitspieler und Fans gleichermaßen getroffen hat. Das vorzeitige Saison-Aus droht. Der Kiezklub setzt alles daran, den Ausfall des Anführers zu kompensieren. Das muss bestmöglich gelingen. Dafür werden alle Optionen geprüft. Eine davon: St. Pauli schlägt noch mal auf dem Transfermarkt zu. Vieles spricht für eine angestrebte Verpflichtung.
Die Tatsache, dass Irvine den Braun-Weißen fehlt und fehlen wird, ist unbestritten, denn wie wichtig der Mittelfeldmann als Spieler und Persönlichkeit auf dem Rasen ist, hat sich im Verlauf der Hinrunde sowohl durch seine Abwesenheit als auch nach seiner Rückkehr gezeigt. Wie lange der australische Nationalspieler ausfallen wird, ist stattdessen noch unklar. „Das wird sich in der nächsten Woche herausstellen“, sagt Trainer Alexander Blessin.
Fuß ist die große Problemzone von St. Pauli-Kapitän Irvine
Es ist jedenfalls kein gutes Zeichen, dass die Verletzung am im April operierten linken Fuß wieder aufgebrochen ist. Der Fuß, bei dem vor einem Dreivierteljahr aufgrund einer knöchernen Stressreaktion eine OP erfolgt war, ist damit als echte Problemzone identifiziert.
Das Best-Case-Szenario für Irvine und St. Pauli ist, dass die nach einer Trainingsbelastung aufgetretenen Beschwerden therapiert werden und in ein bis zwei Wochen wieder abklingen, sodass der 32-Jährige anschließend wieder sukzessive ins Training einsteigen kann. Aktuell erscheint das eher eine Hoffnung zu sein.
Das Worst-Case-Szenario ist eine erneut notwendige OP, die Irvines Aus für die Saison und auch für die WM im Sommer bedeuten würde. Ein erneuter Eingriff ist eine konkrete Möglichkeit und in der Diskussion, wie Blessin im Vorfeld des Auswärtsspiels in Dortmund bestätigte. Angesichts der WM dürfte Irvine hoffen, um einen Eingriff herumzukommen, muss gleichzeitig aber auch langfristig an seine Karriere denken. Wäre ein Durchbeißen mit einem hohem Risiko verbunden? Oder hat nicht der erste Eingriff gezeigt, dass es trotzdem zu Problemen kommen kann? Es stehen schwierige Entscheidungen von großer Tragweite bevor, für alle Seiten.
St. Pauli will mit Transfer auf Irvine-Ausfall reagieren
St. Pauli muss auf diese Unklarheit und den drohenden langen Ausfall Irvines reagieren, umsichtig und weitsichtig. Das gilt noch viel mehr, weil mit Connor Metcalfe (Knie) und Danel Sinani (Wade) zwei Spieler aktuell angeschlagen sind, die Alternativen im zentralen Mittelfeld wären. Zwar sollen beide zum Derby wieder fit sein, aber Garantien gibt es nicht und beide sind deutlich andere Spielertypen als der Käpt’n.
Nach MOPO-Informationen erwägt St. Pauli, mit einem Transfer auf Irvines Ausfall zu reagieren, sondiert den Markt und prüft die Verpflichtung eines zentralen Mittelfeldspielers, sollte ein geeigneter Kandidat zu haben sein, der die Mannschaft sportlich weiterbringt und für den Klub zu finanzieren ist. Dann dürfte St. Pauli zuschlagen.
Es ist nur logisch und professionell, dass sich die sportliche Leitung angesichts der Umstände mit den Möglichkeiten eines externen Ersatzes beschäftigt. Das könnte zum einen eine zeitlich begrenzte Leihe bis Sommer sein, oder aber ein Transfer, der auch darüber hinaus mittel- und langfristig Sinn ergibt.
Profil eines Neuzugangs ist klar definiert vom FC St. Pauli
Das Profil ist klar: laufstark, zweikampfstark, mit einer hohen physischen Präsenz, gerne kopfballstark und natürlich mit Stammspieler-Format ohne lange Eingewöhnungszeit. Klingt nach Wünsch-dir-was, ist aber ein Gesamtpaket, das das Team als Soforthilfe ohne lange Anlaufzeit weiterbringen würde, wenngleich ein Irvine als Spielertyp und Leader nicht eins zu eins zu ersetzen ist. Es gilt, dem möglichst nahezukommen – und die internen Alternativen kommen nicht annähernd in den Bereich.
Bis auf Weiteres wird der Verlust des Kapitäns aus Bordmitteln aufgefangen. Die Variante, Abwehrchef Eric Smith ins defensive Mittelfeld vorzuziehen, ist zwar die hochwertigste, aber keine angestrebte Dauerlösung, wie Blessin auf MOPO-Nachfrage durchblicken ließ. Denn die läuferischen Anforderungen, was sowohl Umfang als auch Intensität und Tempo angeht, kann Smith auf Dauer nur bedingt erfüllen. Den Schweden aus dem Abwehrzentrum vorzuziehen, sei deshalb „eine Option, die wir uns immer offenhalten“, je nach Gegner und Ausrichtung, aber eben nicht der Königsweg für die nächsten Wochen und vielleicht sogar Monate.
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Sollte Irvine operiert werden müssen, wird eine Neuverpflichtung das klare Ziel sein. Aber auch für den Fall, dass Irvine schneller als gedacht wieder schmerzfrei und einsatzbereit ist, könnte es sinnvoll sein, im defensiven Mittelfeld personell nachzulegen mit einem ähnlichen Spielertypen, denn die Knöchelproblematik könnte jederzeit erneut aufbrechen. Das Wintertransferfenster ist noch bis zum 2. Februar geöffnet. St. Pauli dürfte nichts unversucht lassen, um die Mannschaft zu verstärken.