St. Pauli-Torwart Ben Voll wirft im Training einen Ball

Verlässlicher Vasilj-Vertreter: In der Länderspielpause war Torwart Ben Voll St. Paulis Nummer eins auf dem Trainingsplatz Foto: WITTERS

„Kommt zu kurz“: Extra-Lob für Voll im WM-Hype um Vasilj – ein Wink für die Zukunft?

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Er war der gefeierte Mann beim FC St. Pauli in der Länderspielpause und stand auch international im Rampenlicht – nicht zuletzt durch den „Papier-Krieg“ mit Italiens Keeper Gianluigi Donnarumma im Elfmeter-Drama um die WM-Qualifikation, in dem Nikola Vasilj und die Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina triumphierten und ihre erst zweite Teilnahme an einer Weltmeisterschaft überschwänglich feierten. Für St. Paulis Nummer eins erfüllt sich mit der WM-Teilnahme ein Lebenstraum. Einmal mehr im Schatten: Ben Voll. Dabei war der Vertreter in Vasiljs Abwesenheit mal wieder besonders wichtig. Und könnte im Sommer noch viel wichtiger werden.

Wenn die Nummer eins der Braun-Weißen auf internationalem Parkett zwischen den Pfosten steht und Bälle pariert, dann ist für die Mannschaft daheim ein erstklassiger Ersatz wichtig, um ein durchgängig hohes Trainingsniveau zu garantieren – und Voll lieferte auch diesmal verlässlich ab. Dafür gab es keinen tosenden Applaus und keine überschwänglichen Glückwünsche wie für Vasilj bei dessen Rückkehr in die Kabine des Trainingszentrums, klar, aber ein Extra-Lob vom Trainer.

Alexander Blessin lobt St. Paulis Torhüter Ben Voll

„Er macht es hervorragend gut, ist in jeder Trainingseinheit auf hundert Prozent“, sagt Alexander Blessin auf Nachfrage zu den Trainingsleistungen von Voll und insbesondere dessen wichtiger Rolle während Vasiljs Abwesenheit. „Er kommt sicherlich auch des Öfteren zu kurz, aber es ist halt diese undankbare Rolle als Keeper.“

Zu kurz bei der Einsatzzeit, zu kurz bei öffentlicher Wertschätzung, was die logische Folge ist, weshalb der Coach ausführlicher Volls tägliche Arbeit und professionelle Einstellung hervorhebt, von der das Torhüterteam und letztlich die gesamte Mannschaft profitieren. „Ich habe kein Training gesehen in den bisher fast zwei Jahren, wo er mal eine schlechte Performance, eine schlechte Körperhaltung oder sonst irgendwas hatte. Ben ist Profi durch und durch.“

Zwei Einsätze im Pokal: „Ben hätte mehr verdient gehabt“

Mit dem harten Los der Nummer zwei, weil die Nummer eins einfach zu gut ist und deshalb die Nase vorn hat. „Ben hätte sicherlich auch mehr verdient gehabt, er hat das Potential“, sagt Blessin über den 25-Jährigen, der in dieser Saison bislang nur in zwei DFB-Pokalspielen zum Einsatz gekommen ist. Im Zweitrunden-Krimi gegen Hoffenheim war er beim Elfmeterschießen zum Helden avanciert, und durfte – nachdem Vasilj im Achtelfinale in Mönchengladbach (2:1) zwischen den Pfosten stand – im Viertelfinale bei Bayer Leverkusen (0:3) ran. In der Vorsaison hatte Voll den Rot-gesperrten Vasilj im vorletzten Saisonspiel in Frankfurt (2:2) vertreten und dazu beigetragen, dass die Mannschaft mit dem Remis den Klassenerhalt eingetütet hatte.

Drei Partien in zwei Spielzeiten – das ist wenig für einen Keeper seiner Güteklasse, der noch weiteres Potenzial und auch Ambitionen hat. „Von daher bin ich froh, dass er das auch so akzeptiert und sich trotzdem nie hängen lässt und weiterhin Druck ausübt“, betont Blessin. Die Gruppe der Torhüter, zu der auch Simon Spari und Emil Gazdov gehören, habe Spaß und gebe Gas, was alle „beflügelt“, berichtet der Coach. „Ich habe deswegen ein relativ gutes Gefühl was die Trainingsgruppe von den Torhütern anbelangt, dass sie sich selber auf ein Niveau hochschaukeln, das einfach förderlich ist.“ Für alle, letzlich auch Vasilj.

FC St. Pauli: Was passiert im Sommer mit Vasilj und Voll?

Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, dann wird sich an der Keeper-Rangfolge bis Saisonende nichts mehr ändern. Im Sommer wird es dann aber interessant. Vasiljs Vertrag ist nur bis 2027 gültig, wenn St. Pauli in der Bundesliga bleibt, aber nicht bei Abstieg. Voll (kam 2024 von Drittligist Viktoria Köln) ist liga-unabhängig über die laufende Spielzeit hinaus an den Kiezklub gebunden und könnte in die Fußstapfen von Vasilj als Nummer eins treten. Im Falle eines Abstiegs in die Zweite Liga wäre das logisch und auch wahrscheinlich, aber auch eine Beförderung bei Klassenerhalt ist unter Umständen möglich und hängt von mehreren Faktoren bei St. Paulis Torwart-Planung ab (MOPO berichtete). So oder so ist Teamplayer Voll auch in seinem eigenen Interesse bestrebt, sich in jedem Training von seiner besten Seite zu zeigen.

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