Kommentar zum Fall Behrens: Werte ja – aber nur so lange es sportlich passt

Die Kapitäne FC St. Pauli spielen seit Jahren mit der Regenbogenbinde.
Die Kapitäne FC St. Pauli spielen seit Jahren mit der Regenbogenbinde.

Das mit den Werten im Knallhart-Geschäft Profifußball ist so eine Sache. Die Klubs leben sie nach außen, engagieren sich, kommunizieren sie. Aber wenn es dann hart auf hart kommt und das Leben dieser Werte Einfluss aufs sportliche Geschehen hat, dann sind sie manchmal nicht mehr so richtig wichtig. So geschehen bei St. Paulis kommendem Gegner, dem VfL Wolfsburg.

„Deswegen kann man einem solchen Spieler leichter etwas verzeihen als jemand anderem“, sagte jüngst Wolfsburgs Trainer Ralph Hasenhüttl über seinen Spieler Kevin Behrens, der ein Regenbogen-Trikot nicht unterschreiben wollte, weil es für ihn „schwule Scheiße“ sei. Warum ihm intern schneller verziehen wurde? Weil er so professionell sei. Ach so! Ich darf mich also homophob äußern, wenn ich nur genug Gas auf dem Platz gebe.

St. Pauli reagierte prompt auf Behrens‘ Entgleisung

Was St. Pauli von Behrens’ Entgleisung hielt, zeigte der Kiezklub prompt auf Social Media, als er ein Foto von der Regenbogen-Binde postete mit den Worten „We Love ,schwule Scheiße‘“. Auch am Samstag ist zu erwarten, dass sich St. Paulis Fans entsprechend äußern werden. Auch Anhänger des VfL Wolfsburg taten dies bereits beim Heimspiel gegen Bremen. „Halt’s Maul, Behrens“, stand auf einem Spruchband.

Kevin Behrens guckt zerknirscht beim Aufwärmen während des Heimspiels gegen Werder Bremen.
Kevin Behrens erfuhr selbst von den eigenen Fans Gegenwind für seine homophoben Äußerungen.

Aber Fan-Protest in Ehren: Wenn ich mich gegen Homophobie starkmache, warum lasse ich dann einen mutmaßlich homophoben Spieler weiter in meinem Trikot spielen? Die Äußerungen von Behrens sind ja kein flapsiger Spruch, sondern vermutlich seine Überzeugung.

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Das Beispiel Behrens zeigt, wie schwer sich der Profifußball damit tut, die Werte nicht nur aus Imagezwecken zu propagieren, sondern sie auch wirklich zu leben. Selbst St. Pauli hat das jüngst erfahren, wenngleich in kleinerem Rahmen. Die Reise ins nur 343 Kilometer entfernte Dortmund trat der braun-weiße Tross per Flieger an statt mit Bus oder Bahn. Sinnvoll aus sportlicher Sicht, aber eben auch Angriffsfläche für Kritik. Der Vergleich mit dem Fall Behrens hinkt natürlich gewaltig, aber er zeigt auch, wie schmal der Grat mit den Werten ist, wenn es ums knallharte Business Profifußball geht.

Das mit den Werten im Knallhart-Geschäft Profifußball ist so eine Sache. Die Klubs leben sie nach außen, engagieren sich, kommunizieren sie. Aber wenn es dann hart auf hart kommt und das Leben dieser Werte Einfluss aufs sportliche Geschehen hat, dann sind sie manchmal nicht mehr so richtig wichtig. So geschehen bei St. Paulis kommendem Gegner, dem VfL Wolfsburg.