Kommentar zum Bundesliga-Aktionstag: Together am Arsch vorbei?

Sondertrikot des FC St. Pauli gegen den SC Freiburg
Mit diesem Sondertrikot läuft der FC St. Pauli am Sonntag gegen den SC Freiburg auf.

Mit breiter Brust wollen die Kiezkicker gegen den SC Freiburg aufspielen. Das ist auch deshalb wichtig, damit man die Botschaft besser lesen kann. „Kein Bock auf Nazis“ wird am Sonntag das Trikot zieren, wo sonst der Name des Hauptsponsors prangt. Der FC St. Pauli setzt ein Zeichen – diesmal im Rahmen des ligaweiten Aktionsspieltags gegen Hass und Diskriminierung unter dem Motto „TOGETHER! Stop Hate. Be a Team.“ Konsens-Anglizismen, die keinem Rechtsextremen in einem Stadion das Fußballerlebnis verleiden werden, aber grundsätzlich zu begrüßen sind. Der Slogan der gleichnamigen Initiative auf den St. Pauli-Trikots ist da weitaus konkreter.

Das ist konsequent und reiht sich ein in die lange Liste von Aktionen des Kiezklubs und seiner Fans, die sich gegen Rassismus, Faschismus, Diskriminierung stark machen. Lange, lange vor den 2012 von der DFL eingeführten Aktionsspieltagen. Das Engagement gegen Rechts ist Vereins-Identität. Anders gesagt: Aktionsspieltag ist immer. Am 31. Mai steigt übrigens der von St. Paulis Marathon-Abteilung organisierte „Lauf gegen Rechts“ um die Alster herum, übrigens auch schon seit 2012, ein Jahr vor Gründung der AfD.

St. Pauli ist Vorreiter im Kampf gegen Rechts

Noch länger gibt es die Initiative „Kein Bock auf Nazis“, die von der Punkband ZSK ins Leben gerufen worden ist, 2006. Da feierte Deutschland das WM-Sommermärchen und seine Weltoffenheit, mordete der NSU noch unentdeckt, kickte St. Pauli in Liga drei. „Kein Bock auf Nazis“ war eine Wehret-den-Anfängen-Aktion.

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20 Jahre später? Die Lage im Land ist allgemein bekannt. Dass St. Pauli mit dem „Kein Bock auf Nazis“-Trikot im eigenen Stadion leichtes Spiel hat und den Konsens bedient, ist nicht falsch, aber macht die Aktion deshalb nicht weniger glaubwürdig. Dass Teile der Einnahmen aus dem Verkauf der Sondertrikots und Aktions-Shirts als Spenden der Initiative zukommen, entkräftet den immer mal wieder geäußerten Vorwurf der wohlfeilen Symbolik.

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Die DFL wiederum sollte überlegen, ob es nicht langsam an der Zeit und nötig ist, die Allgemeinplätze zu verlassen und deutlicher zu werden in der Wahl ihrer Slogans. Damit den Rechten in den Stadien und jenen Vereinen, die dieses Klientel mindestens widerspruchslos dulden, der Aktionstag nicht mehr so leicht „together am Arsch vorbei“ geht.