FC St. Pauli

Kommentar zu Irvines Abgang: Dieses Ende einer großen St. Pauli-Liebe ist bitter

Jackson Irvine von FC St. Pauli steht nach dem Abstieg in Hamburg mit Tränen im Gesicht.
Jackson Irvine traurig im St.-Pauli-Trikot: Die große Liebe zwischen dem langjährigen Kapitän und dem Kiezklub endet ohne Hollywood-Finale.

Fünf Jahre lang war Jackson Irvine das Gesicht des FC St. Pauli. Nun endet die große Liebe überraschend kühl. Ein Abschied, der tiefe Risse offenlegt – dem Klub aber auch die Chance auf einen Neuanfang bietet.

Nein, es ist kein Hollywood-Ende. Fünf Jahre dauerte sie an, die Liebe zwischen dem FC St. Pauli und Jackson Irvine. Es war eine Beziehung, die lange so kitschig schön erschien, dass sie vielleicht zu perfekt war, um von noch längerer Dauer zu sein.

Mit Irvines Einlassungen zum Israel-Gaza-Krieg hatte die Beziehung Risse bekommen. Und als es für die Öffentlichkeit so schien, als könne man das Ganze vielleicht doch wieder kitten, flog das nächste, eigentlich nur kleine Streichholz ins nicht erloschene Feuer der Eitelkeiten. Nach St. Paulis Abstieg hatte Irvine in laufende TV-Kameras gesagt, dass sich jeder im Klub hinterfragen müsse. Es war ein Satz, der ausreichte, um die Klub-Oberen explodieren zu lassen, was nahelegt, dass es zuvor hinter den Kulissen längst nicht mehr so harmonisch zuging wie früher.

Wie die große Liebe Risse bekam

Innerhalb des Teams, so ist zu hören, war Irvine zunehmend kritisch beäugt worden. Krisen zersetzen Beziehungen.

Es ist müßig, darüber zu diskutieren, wer die Schuld daran trägt, dass einer der beliebtesten Spieler der Vereinsgeschichte durch die Hintertür verschwindet. St. Pauli verabschiedete Irvine mit einem Video, einer netten Danksagung und einer zehn Sätze umfassenden Pressemitteilung. Er selbst ließ sich darin nicht zitieren, freute sich aber zeitgleich in Osaka, „in die heißeste Fußballnation der Welt zu kommen“.

St. Pauli muss die Leader-Lücke schließen

Für St. Pauli kann Irvines Abgang bedeuten, dass es ohne den alles überstrahlenden, extravaganten Leader leichter wird, neue Hierarchien im Team zu etablieren. Mag sein, dass sich Spieler besser entfalten können. Das aber müssen sie jetzt auch unter Beweis stellen.

David Nemeth, der Irvine als Kapitän ablösen wird, blickt auf vier Jahre bei St. Pauli zurück, in denen ihm sein Körper so oft einen Strich durch die Rechnung machte, dass er nur 41 Pflichtspiele absolvieren konnte. Er wird das Team anders führen müssen als sein Vorgänger und Hilfe von erfahrenen Spielern brauchen, wie Branimir Hrgota, der die Devise ausgab, dass jeder laut sein müsse im Team. Das ist übertrieben, zeigt aber in die richtige Richtung. Denn ohne echte Leader wird es auch am Ende dieser Saison kein Hollywood-Ende am Millerntor geben.

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