Kommentar: St. Pauli hat das Momentum nicht mehr auf seiner Seite

Marcel Hartel jubelt
Marcel Hartel hat den FC St. Pauli verlassen.

Wissen Sie noch, wann sie letztmals dachten, „fokussieren“ wäre jetzt exakt das Wort, das ausdrückt, was Sie sagen wollen? Nein? Keine Schande! „Fokussieren“ ist einer der Begriffe, die schiere Ewigkeiten im Verborgenen des Vokabelbergs vor sich hin gammelten, bis sie vom Profifußball-Sprech zu nie da gewesenem Leben erweckt wurde. Ein weiteres Beispiel ist das „Momentum“. Ebenjenes, so spricht der eloquente Kicker, müsse man auf die eigene Seite ziehen, um während eines Spiels die Oberhand erlangen und am Ende gewinnen zu können. Zwar ist dieser Tage Saisonpause, das fußballernde Personal befindet sich aktuell geschlossen im verdienten Urlaub. Aber besagtes „Momentum“ ist derzeit trotzdem präsent und mitnichten in Braun und Weiß gekleidet.

Das war bekanntlich vor einem Monat noch komplett anders, als ausgelassen Aufstieg und Meisterschaft gefeiert wurden. Ein paar Tage später aber begann die Abkehr des „Momentums“ mit der Nachricht, dass Marcel Hartel den Kiezklub verlassen wird. Es folgte das zur Genüge berichterstattete Wechsel-Theater von (Ex-)Coach Fabian Hürzeler in Bezug auf Brighton & Hove Albion und die Ankündigung, dass ihm Keeper-Coach Marco Knoop folgen werde.

St. Pauli könnte nun auch noch da Silva Moreira verlieren

Als Dreingabe folgte zuletzt das Gerücht, U17-Weltmeister Eric da Silva Moreira werde es ebenfalls auf die Insel ziehen, nämlich zu Nottingham Forest. Das „Momentum“ hat sich inzwischen derart massiv gegen St. Pauli gewandt, dass schon der Beraterwechsel von Dapo Afolayan im Fanumfeld zu Befürchtungen führt, der nächste Kiezkicker könnte alsbald das Weite suchen.

Nun weiß jeder Mensch, der mal versucht hat, das Runde ins Eckige zu bugsieren: Auch Partien, in denen lange einiges gegen einen läuft, sind deswegen längst nicht verloren. Der Faktor Zeit kommt St. Pauli entgegen, durch den Aufstieg ist die Pause deutlich länger, das erste Training noch drei Wochen weit weg. Bis dahin wird es einen Hürzeler-Nachfolger geben, vermutlich auch noch ein, zwei neue Spieler – oder anders gesagt: Der Erstliga-Rückkehrer wird Gelegenheiten bekommen, das „Momentum“ wieder auf seine Seite zu ziehen.