Kommentar: St. Pauli braucht mehr Kreativität
Sie waren nicht unzufrieden – und das mussten sie ja auch nicht sein. In Mainz hatte der FC St. Pauli keine einzige Chance der Gastgeber zugelassen. Das war die eine Seite der Medaille, die andere, die weniger glänzende, zeigte aber auch, dass ein eigenes Offensivspiel quasi gar nicht existent war.
Nach dem 0:4 gegen Borussia Mönchengladbach, St. Paulis schlechtestem Spiel im ganzen Jahr, hatte Trainer Alexander Blessin den Resetknopf gedrückt. Schluss mit dem Sterben in vermeintlicher Schönheit, die Verteidigung des eigenen Tores wurde fortan zur absoluten Prämisse. Und nach und nach sollte die Maßnahme fruchten. St. Pauli ist wieder konkurrenzfähig.
St. Pauli muss stabil bleiben – und offensiv gefährlicher sein
Im kommenden Jahr aber wird es darum gehen, die nächste Entwicklungsstufe zu erklimmen. Dabei darf es nicht darum gehen, die defensive Stabilität zu opfern. Mit dieser einhergehen darf aber, dass die Mannschaft offensiv einen Plan so umsetzt, dass dieser auch erkennbar wird. In Mainz war es gleichermaßen beeindruckend, wie sich St. Pauli-Spieler in den Kampf um jeden Ball wuchteten, wie es bedenklich war, was aus den hoffnungsvoll erscheinenden Umschaltmomenten wurde. Die Pässe waren viel zu ungenau, die Laufwege wirkten wenig einstudiert, kreative Momente suchte man zudem auch mit der Lupe vergeblich.
Das Mittelfeld des FC St. Pauli vereint vieles: James Sands ist ein nimmermüder Zweikämpfer, Jackson Irvine bringt neben seiner physischen Stärke auch das nötige Maß an Emotionalität mit, Joel Fujita ist der ballsicherste Spieler des Kiezklubs. Der kreativste Kicker der Braun-Weißen musste allerdings der Systemumstellung geopfert werden: Für Danel Sinani ist aktuell kein Platz auf dem Platz.
Das könnte Sie auch interessieren: „Einer meiner besten Freunde“: Was Irvine zu den Smith-Gerüchten sagt
Blessin aber wird sich fragen, wie er es schaffen kann, seine Offensivkräfte besser in Szene zu setzen. Eine erneute Systemanpassung dürfte aktuell eher nicht das Mittel der Wahl sein, personelles Nachjustieren schon wahrscheinlicher sein, denn St. Pauli wird wohl mehr Optionen als die aktuell vorhandenen brauchen, um auch am Saisonende zufrieden zu sein.