Kommentar: Die System-Frage ist nicht die entscheidende bei St. Pauli

Alexander Blessin schaut nachdenklich
Alexander Blessin ist mit dem FC St. Pauli noch punktlos in der Bundesliga.

3-5-2 oder doch 3-4-3? Wohl selten wurde rund ums Millerntor arithmetischer diskutiert als nach dem Fehlstart in die Bundesliga-Saison, der die Frage aufgeworfen hat, ob Trainer Alexander Blessin seinen taktischen Plan schnell wieder über Bord werfen und zum erfolgreichen Aufstiegs-System mit gefährlichen Flügelspielern zurückkehren sollte. Tatsächlich aber scheint die Systemfrage gar nicht die dringlichste zu sein bei der Jagd nach den ersten Punkten dieser Spielzeit. St. Pauli hat in Köpenick und Augsburg nicht in erster Linie verloren, weil der Trainer die falsche Taktik wählte.

St. Pauli hat vor allem verloren, weil es an Mut fehlte, an Entschlossenheit, an Selbstbewusstsein. Die Sorge, einen Fehler machen zu können, schien größer zu sein als der Wille, etwas gewinnen zu können. Das Problem daran: Die Sache mit dem Selbstbewusstsein, die ist bekanntlich ein Teufelskreis. Mit jedem Negativerlebnis schrumpft es. Die Stimmung sinkt. Die Gefahr, dass der Zusammenhalt innerhalb der Gruppe schwindet, wächst. Dagegen gilt es anzukämpfen. Aber wie?

St. Pauli muss sich an die Aufstiegs-Momente erinnern

Eine Idee könnte es sein, den Profis zurück ins Gedächtnis zu rufen, was sie so stark gemacht hat. Warum nicht gemeinsam Sequenzen aus der Vorsaison schauen, in der der Kiezklub die Liga dominiert hat? Es sollte dabei keine Rolle spielen, dass der Trainer ein anderer war, dass das System ein anderes war, dass die Liga eine andere war. Es geht um Emotionen, um den Kopf, der die Beine lockern muss. Die Gruppe muss wieder schätzen lernen, welche Kraft sie gemeinsam entwickeln kann.

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Das Gute an der Lage ist: Sie trifft St. Pauli nicht unvorbereitet. Im Gegenteil. Aus heutiger Sicht scheinen die Worte von Präsident Oke Göttlich vom späten Pfingstmontagabend fast schon prophetisch. Ganz am Ende der riesigen Aufstiegs-Party hatte er den Massen zugerufen: „Es werden schwere Zeiten kommen. Lasst uns dann an diese Zeiten denken.“ Es könnte das passende Rezept sein, damit die Brust wieder breiter und das Punktekonto wieder voller wird.