Kommentar: Der Weißhaupt-Deal kann ein Statement für St. Pauli sein
Die Gefahr ist nicht vom Tisch zu wischen. Die Gefahr, dass ein Sieg zum Jahresabschluss überbewertet wird, dass dieser die Verantwortlichen blendet, ihnen vorgaukelt, die Situation sei rosarot, sie scheint aber beim FC St. Pauli überschaubar bedrohlich zu sein.
Nach dem auf beeindruckende Art und Weise erkämpften 1:0-Erfolg in Stuttgart verfiel der Kiezklub nicht in eine vorweihnachtliche Partystimmung, die Erklärungen der Protagonisten fielen betont sachlich aus. Jeder kann die Tabelle lesen und darf sich freuen, dass man nach 15 von 34 Spieltagen vier Punkte Vorsprung auf den Relegationsplatz hat, jeder scheint aber auch zu wissen, dass das keineswegs ein beruhigendes Polster ist.
Klassenerhalt als Nährboden für weiteres Wachstum
Das von Sportchef Andreas Bornemann vorgetragene Mantra, dass St. Pauli ein Aufsteiger, aber noch kein Bundesligist sei, es soll die Blicke schärfen, dass dieses erste Jahr seit langer Zeit in Liga eins zum Mitspielen oben berechtigt, es aber nur von Erfolg gekrönt sein kann, wenn sich jeder für den anderen zerreißt, wenn man mehr läuft als der Gegner und auf kämpferische Weise versucht, die qualitativen Nachteile, die in dieser Liga gegenüber mindestens mal 14 Kontrahenten bestehen, auszugleichen.
Sollte St. Pauli das dauerhaft schaffen, dann wäre der Nährboden für weiteres, organisches Wachstum geschaffen. Vor diesem Hintergrund erscheint auch die ausgehandelte Leihe des talentierten Freiburgers Noah Weißhaupt als passender Baustein. Der 23-jährige Linksaußen, der auch vom 1. FC Heidenheim umworben worden war, hat sich für St. Pauli entschieden. Ein Statement. Von beiden Seiten.
Gyökeres und Marmoush waren Win-win-Geschäfte
St. Pauli hat unter Bornemann den Beweis angetreten, dass der Klub jungen Spielern beste Entwicklungsmöglichkeiten bietet. Man frage nach bei Viktor Gyökeres, Omar Marmoush, Leo Østigård oder Aljoscha Kemlein. Diese Spieler waren zwar allesamt nach ihren Leihen nicht zu halten, erhöhten aber nicht nur ihren eigenen Marktwert, sondern auch das Niveau des Kaders. Es waren Win-win-Geschäfte, die die Attraktivität des FC St. Pauli erhöht haben.
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Der Kiezklub, er ist eine gute Adresse geworden – auch für Spieler wie Weißhaupt, die schon mehr als 50-mal in der Bundesliga gespielt haben und einen Marktwert von 3,5 Millionen Euro aufweisen können. Es scheint für Spieler und Klub ein kluger Deal zu sein. Und vielleicht kann man im Sommer festhalten, dass er dazu beigetragen hat, aus einem Aufsteiger einen Bundesligisten zu machen.