Kommentar: Das Haifischbecken Bundesliga wird für St. Pauli noch gefährlicher

Sven Van Der Jeugt im Gespräch mit Alexander Blessin
Auf St. Paulis Chefcoach Alexander Blessin (r., neben Torwarttrainer Sven Van Der Jeug) wartet eine sicherlich knifflige zweite Saison in der Bundesliga.

Um 19.31 Uhr war es am vergangenen Sonntag vorbei, das Zittern der St. Pauli-Fans. De facto ist der Klassenerhalt eingetütet nach einer Saison, die so nur die kühnsten Optimisten in Braun und Weiß erwartet hätten. Etwas ruckelig ging es los. Mannschaft und Trainer mussten sich erst finden und auf das Niveau in der Bundesliga, in der Fehler viel schneller als in der 2. Liga bestraft werden, einstellen. Der erste Punkt, ein 0:0 gegen Leipzig, aber war der Startschuss in eine Spielzeit, in der St. Pauli die eigenen Grenzen nach oben verschoben hat.

Mit diesem Spiel hatte die Mannschaft das Vertrauen in die defensive Stabilität erlangt. Diese sollte sie durch die Saison tragen und ermöglichte eine erstaunliche spielerische Weiterentwicklung, die darin gipfelte, dass man in diesem Frühjahr einen Gegner wie Borussia Mönchengladbach über 90 Minuten beherrschte und mit Meister Bayer Leverkusen auf Augenhöhe war.

HSV und Köln haben größeres Potenzial als der Kiezklub

Wer daraus aber schlussfolgern möchte, dass sich der Kiezklub nun doch neue Ziele setzen könne, dem sei erklärt, dass das schlicht unverschämt wäre. St. Pauli wird auch in der kommenden Saison einer der zwei, drei kleinsten Fische im Haifischbecken Bundesliga sein.

Sollte neben dem HSV auch Köln aufsteigen, hätte man zwei Teams, mit denen man sich finanziell auf Augenhöhe bewegte (Bochum und Kiel), ausgetauscht gegen zwei Klubs, die über ein größeres Potenzial verfügen als der FC St. Pauli, dessen kurzfristige Wachstumschancen eingeschränkt sind. Das wiederum heißt, dass Sportchef Andreas Bornemann bei der Zusammenstellung des Kaders einmal mehr verdammt viel richtig machen muss.

Das könnte Sie auch interessieren: „Dann bin ich zufrieden“: So stellt sich Eric Smith seine Zukunft bei St. Pauli vor

Ein drohender Substanzverlust, weil sich einige Spieler und Trainer Alexander Blessin ins Blickfeld zahlungskräftiger Klubs befördert haben, müsste letztlich nicht nur aufgefangen, sondern überkompensiert werden, damit St. Pauli weiter mitschwimmen und die großen Fische wieder ärgern kann.