Kein WM-Boykott! DFB-Bosse rügen St. Pauli-Präsident Göttlich
Die von St. Pauli-Präsident Oke Göttlich in der MOPO ins Leben gerufene Debatte um einen möglichen WM-Boykott hatte in der vergangenen Woche ordentlich Fahrt aufgenommen. Der Kiezklub-Boss hielt die politische Situation in den USA und den drohenden Konflikt mit Europa für einen Auslöser, das Thema zu besprechen. Schon in den vergangenen Tagen kassierte Göttlich dafür reichlich Gegenwind. Am Freitag tagte das DFB-Präsidium, dem auch Göttlich als Vize angehört. Die Bosse erklärten die Debatte in einer Mitteilung für beendet. Einen Boykott der WM in den USA, Mexiko und Kanada werde es nicht geben. Eine Rüge für den St. Pauli-Funktionär gab es auch noch.
Im Interview mit der MOPO hatte Göttlich für die Auseinandersetzung mit einem WM-Boykott plädiert und sich dafür ausgesprochen, den Fußball mit seiner gesellschaftlichen Verantwortung stärker in die Pflicht zu nehmen. Zur Seite sprang ihm dabei niemand von höchster Stelle. Sämtliche Klub-Bosse reagierten mit Unverständnis. Auch aus der Politik gab es Ablehnung für dieses Thema. „Der Kollege ist noch nicht so lange dabei“, sagte unter anderem auch DFB-Präsident Bernd Neuendorf über Göttlichs Vorstoß, von dem sich Liga-Chef Hans-Joachim Watzke unter der Woche genervt zeigte.
DFB ärgert sich über Göttlich-Vorstoß in der Öffentlichkeit
Den obersten der Fußball-Riege missfiel vor allem die Platzierung des Themas in der Öffentlichkeit, ohne sich zuvor in den Gremien ausgetauscht zu haben. Dafür kassierte Göttlich in der offiziellen DFB-Mitteilung, die am Freitag nach der Präsidiumssitzung verschickt wurde, auch eine Rüge. „Das DFB-Präsidium ist sich einig, dass sportpolitische Debatten intern und nicht öffentlich geführt werden“, heißt es.

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Göttlich selbst, der sich unter der Woche nach dem heftigen Gegenwind zur Wehr gesetzt hatte, betonte immer wieder, die Thematik demokratisch zu sehen und sich einer Mehrheit anschließen zu wollen. Die scheint es nun im Präsidium eindeutig gegeben zu haben.
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Ein Boykott der Endrunde, die am 11. Juni beginnt, „ist derzeit kein Thema“, stellt der DFB klar, der nach eigenen Angaben „in Vorbereitung auf das Turnier mit Vertretern aus Politik, Sicherheit, Wirtschaft und Sport im Austausch“, sei. Man glaube an „die verbindende Kraft des Sport“, heißt es weiter. Eine Reaktion von Göttlich gab es zunächst nicht. Unwahrscheinlich, dass er sich proaktiv noch mal zu der Thematik äußern wird.
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