„Kein Thema“: Worauf St. Paulis Trainer vor dem Mainz-Duell gar keinen Bock hat
Es steht verdammt viel auf dem Spiel für den FC St. Pauli im letzten Spiel des Jahres bei Schlusslicht Mainz 05: der Stand des Punktekontos, die Position in der Tabelle, der Abstand zum letzten Platz und zum rettenden Ufer, der jüngste Aufwärtstrend und nicht zuletzt ein gutes Gefühl an den Feiertagen und beim Start ins neue Jahr. Ein Sieg wäre historisch, denn die bisherige Bilanz der Kiezkicker bei den Rheinhessen macht wenig Hoffnung. Trainer Alexander Blessin will davon gar nichts wissen. Denn auf die Vergangenheit gibt er wenig. In der Gegenwart hat die Keller-Konkurrenz den Hamburgern in die Karten gespielt. Eine Vorlage, um Boden gutzumachen.
Weitermachen, dranbleiben. Die Braun-Weißen wollen nach dem erlösenden Heimsieg gegen Heidenheim und dem vorangegangenen Remis in Köln weiter in der Erfolgsspur bleiben. Ein Erfolgserlebnis im dritten Spiel nacheinander „wäre sehr wichtig“, weiß auch der Coach. „Es hat extrem gut getan, gegen Heidenheim drei Punkte zu holen und den nächsten Schritt zu gehen. Wir können selbst dafür sorgen, wie wir das Weihnachtsfest verbringen. Wir wollen vor Weihnachten einen weiteren Schritt gehen und uns mit Punkten aus dem Jahr verabschieden.“
Blessin mahnt vor Mainz: „Darf keinen Druckabfall geben“
Der jüngste Dreier habe eine befreiende Wirkung bei seiner Mannschaft gehabt, aber einen Spannungsabfall will Blessin nicht bemerkt haben und fordert von seinen Spielern, am Sonntag (15.30 Uhr) einmal mehr an die absolute Leistungsgrenze zu gehen. „Wir sind weiterhin in einer Situation, aus der wir uns herauskämpfen wollen. Es darf keinen Druckabfall geben“, mahnt der 52-Jährige, der auf den gesperrten Abwehrchef Eric Smith verzichten muss, aber wieder auf den genesenen Stürmer Andréas Hountondji zurückgreifen kann. „Die ersten Schritte sind gemacht, wir müssen aber weiterarbeiten und dürfen keinen Prozentpunkt weniger geben.“
Im unteren Tabellendrittel bleibt es eng zusammen – und das ist eine gute Nachricht für die auf dem Relegationsrang liegenden Kiezkicker, die nach den Spielen am Samstag kaum Boden verloren haben und mit einem Sieg sogar welchen gutmachen können. Die vor St. Pauli (11 Punkte) platzierten Augsburger (14 Punkte, 0:0 gegen Bremen), Wolfsburger (15 Punkte, 3:4 gegen Feiburg) und auch der HSV (16 Punkte, 1:1 gegen Frankfurt), Köln (16 Punkte, 0:1 gegen Berlin) sowie bereits am Freitag Mönchengladbach (16 Punkte, 0:2 gegen Dortmund) haben ihre Partien nicht gewinnen können. Der Vorletzte Heidenheim (11 Punkte) tritt am Sonntagabend gegen Bayern an.
Letzter Sieg von St. Pauli in Mainz vor 31 Jahren
Für einen braun-weißen Dreier in Mainz spricht angesichts der Vergangenheit nicht sonderlich viel. Der letzte und zugleich einzige Sieg von St. Pauli bei den „Nullfünfern“ liegt schon 31 Jahre zurück. Am 5. April 1994 hatten die Kiezkicker im alten Bruchwegstadion mit 1:0 gewonnen, vor der sehr dürftigen Kulisse von 4400 Zuschauenden und das Ganze in Liga zwei. Seitdem ist St. Pauli zehnmal in Mainz angetreten, hat viermal verloren, aber immerhin sechsmal Unentschieden gespielt.
Die elende Sieglosserie von St. Pauli in Mainz lässt Blessin kalt. Er hat keine Lust, sich damit zu beschäftigen. „Das ist kein Thema für mich und auch kein spezieller Motivationsschub, dass wir sagen, wir wollen da den Bann durchbrechen. Wir haben gerade einen anderen Bann gebrochen, das war schwer genug“, betont der Coach und mein den Sieg gegen Heidenheim nach zuvor zehn Spielen ohne Dreier. Überhaupt sei es „schwierig“, mit Zahlen und Statistiken aus einer zum Teil weit zurückliegenden Vergangenheit zu kommen und daraus Relevanz für die Gegenwart abzuleiten. „Davon halte ich nicht so viel.“ Blessin fokussiert sich auf das Hier und Jetzt.
Mainz 05 in der Bundesliga zu Hause noch sieglos
Fakt ist: St. Pauli ist im Aufwärtstrend und tritt bei der heimschwächsten Mannschaft der Saison an. Im eigenen Stadion ist Mainz 05 noch sieglos, hat zweimal Unentschieden gespielt, fünfmal verloren bei 5:11 Toren. Das sollte den Kiezkickern Mut machen. Fakt ist aber auch, dass die Formkurve der Mainzer unter der Regie des neuen Trainers Urs Fischer ebenfalls nach oben zeigt – einem beachtlichen 2:2 bei Bayern München am vergangenen Wochenende folgte ein 2:0-Sieg gegen Samsunspor in der europäischen Conference League am Donnerstagabend.
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Ein Remis wäre für St. Pauli schon ein Erfolg, ein Sieg ein großer Schritt, eine Niederlage aber angesichts der Ergebnisse der Konkurrenz bitter, jedoch keine Katastrophe. Es gibt schlechtere Ausgangslagen.
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