Kapitän Irvine ruft Abstiegs-Krimi gegen Wolfsburg zu St. Paulis „Pokalfinale“ aus
Kaum war das Spiel in Leipzig beendet und die dritte Niederlage des FC St. Pauli in Serie besiegelt, da schwor St. Pauli-Kapitän Jackson Irvine seine Mannschaft schon auf das nächste, das alles entscheidende, ultimative Duell ein: den Abstiegs-Gipfel der Kellerklubs. Was an den vorangegangenen 33 Spieltagen war, zählt nicht mehr. Was kommt, ist das Saisonfinale im eigenen Stadion gegen den VfL Wolfsburg. Was wird, zeigt sich auf dem Rasen des Millerntor-Stadions und nach Abpfiff. Sieg oder Abstieg! Chance in der Relegation oder Ciao Bundesliga.
Die Rechenspiele, Was-wär-wenn-Szenarien und Spekulationen über Aufstellung und Einstellung anderer Mannschaften haben ein Ende. Es hat sich nichts zum Schlechten verändert an der Ausgangslage der Kiezkicker im Klassenkampf. Zugegeben: auch nicht zum Besseren, worauf die Hamburger durchaus gehofft hatten.
Irvine: St. Paulis Endspiel „die einfachste Sache im Fußball“
Die Situation ist nach der 1:2-Niederlage des Tabellenvorletzten gegen den Tabellendritten und der aus braun-weißer Sicht ärgerlich knappen und unnötig spannenden 0:1-Niederlage der Wolfsburger gegen den FC Bayern nun glasklar. St. Pauli ist weiterhin Vorletzter der Tabelle und die punktgleichen „Wölfe“ stehen aufgrund des besseren Torverhältnisses auf Relegationsplatz 16.
„Es ist ein Endspiel, die einfachste Sache im Fußball: Gewinn das Spiel und du hast eine Chance. Gewinn es nicht und es ist vorbei“, fasst Irvine die Lage aus Sicht der Braun-Weißen zusammen und fordert für die kommenden Tage: „Wir müssen uns auf das Wolfsburg-Spiel vorbereiten wie auf ein Pokalfinale.“
FC St. Pauli braucht einen Sieg für die Relegation
Der Vergleich hinkt natürlich etwas, denn ein Pokalfinale ist das definitiv letzte Spiel des Wettbewerbs, während St. Pauli (oder Wolfsburg) im Falle eines Sieges nicht einen Pott in die Höhe stemmen und dann bis zum Umfallen feiern, sondern als großen Preis zwei weitere Spiele bekommen: die Relegations-Duelle gegen den noch zu ermittelnden Zweitliga-Dritten (21. und 25. Mai). Aber die Botschaft des St. Pauli-Anführers ist dennoch klar: Das letzte Heimspiel hat Final-Charakter, denn im Falle eines Unentschiedens oder einer Niederlage der Gastgeber gibt es keine weitere Chance.
Während der FC Bayern München am 23. Mai im Berliner Olympiastadion gegen den VfB Stuttgart um den DFB-Pokal spielt, kämpfen die Kiezkicker eine Woche zuvor am heimischen Millerntor um so etwas wie den unsichtbaren Cup der guten Hoffnung.
Ausfälle und Magen-Darm-Infekt als Problem
Der Kapitän ist „so klar im Kopf, wie ich es nur sein kann“ und gibt den Kurs vor, will die Sinne schärfen, die Kollegen heißmachen, für maximale Spannung und totalen Fokus bei jedem Einzelnen sorgen. „Wir besitzen eine weitere Chance – und dafür müssen wir komplett da sein“, fordert der Mittelfeldmann. „Wir müssen uns jeden Tag sagen, dass wir dieses verdammte Spiel gewinnen können.“
Mit meiner Anmeldung stimme
ich der Werbevereinbarung zu.
Die Köpfe werden entscheidend sein, der Wille, sich gegen Widerstände zu stemmen – denn die sind enorm. Waren die verletzungsbedingten Ausfälle von Karol Mets und Manolis Saliakas Anfang vergangener Woche schon Tiefschlag genug, breitete sich in den Tagen vor dem Leipzig-Spiel auch noch ein Magen-Darm-Infekt aus.
Irvine: eine der „schwierigsten Situationen“ seiner Karriere
Die Erkrankung setzte Abwehrchef Hauke Wahl, seinen designierten Startelf-Vertreter David Nemeth und auch Adam Dzwigala, der in Hamburg hatte bleiben müssen, außer Gefecht. Louis Oppie konnte zwar auflaufen, war aber nicht im Vollbesitz seiner Kräfte und musste nach einer Stunde ausgewechselt werden. Auch Lars Ritzka war angeschlagen ins Spiel gegangen, nachdem er unter der Woche nur dosiert hatte trainieren können.
Das könnte Sie auch interessieren: St. Pauli-Noten in Leipzig: Aus einem stark verbesserten Team kann keiner herausragen
„Es ist eine der schwierigsten Situationen, die ich je erlebt habe, innerhalb von sieben Tagen so viele Spieler verloren zu haben“, sagt Irvine im Hinblick auf die dramatisch dünne Personaldecke. „Aber wir haben keine Wahl, als zu tun, was zu tun ist, und uns gegen die Umstände zur Wehr zu setzen. Wir müssen einfach weitermachen.“ Damit es weitergeht nach St. Paulis ganz eigenem Pokalfinale.