St. Pauli-Kapitän Jackson Irvine im Zweikampf mit Bayerns Jonathah Tah

St. Pauli-Kapitän Jackson Irvine im Zweikampf mit Bayerns Jonathah Tah Foto: IMAGO/Eibner

Kampf-Zentrum mit Irvine: Hat St. Pauli jetzt endlich seine Startelf gefunden?

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So bitter und auch brutal die Niederlage beim weiterhin unbesiegten Rekordmeister auch war: Für den FC St. Pauli war die 1:3-Niederlage beim FC Bayern München ein „großer Schritt nach vorne“, wie Trainer Alexander Blessin betonte. Die hochintensive und kämpferische Leistung, mit der die Kiezkicker dem hohen Favoriten bis in die Nachspielzeit Probleme bereitet hatten, soll der Maßstab für die kommenden Spiele sein. Das dürfte auch für die erste Elf gelten. Ist das kampfstarke Mittelfeld-Trio mit Rückkehrer und Kapitän Jackson Irvine gesetzt? Was Trainer Blessin und die Mitspieler sagen.

Neun Niederlagen in Serie sind heftig und drücken aufs braun-weiße Gemüt. Nicht verwunderlich. Aber es gibt inmitten der schwarzen Serie auch Hoffnungsschimmer. Die Leistungskurve zeigt nach oben. Insbesondere in Sachen defensiver Stabilität ist die Mannschaft wieder auf einem guten Kurs. Darüber dürfen die drei Gegentore in München, von denen zwei erst in der Nachspielzeit gefallen waren, nicht hinwegtäuschen. Auch Sky-Experte Didi Hamann hatte die Defensivarbeit des Underdogs von der Elbe hervorgehoben: „Sie haben herausragend gut verteidigt, das geht kaum besser.“

Sky-Experte Didi Hamann lobt St. Paulis Defensivarbeit

Die Rückgewinnung zur defensiven Stabilität, deren Level allerdings noch nicht das der Vorsaison erreicht hat, hat sehr viel mit der Besetzung des Mittelfelds zu tun. Beim Gastspiel in München war St. Pauli wie schon im vorangegangenen Heimspiel gegen Union Berlin (0:1) mit James Sands, Jackson Irvine und Joel Chima Fujita im zentralen Mittelfeld aufgelaufen – eine defensivere Variante als jene mit einer Doppelsechs und Danel Sinani in der offensiven Zehner-Rolle hinter den Stürmern. Kapitän Irvine hatte gegen Union erstmals nach seiner monatelangen Verletzungspause wieder in der Startelf gestanden.

„Man hat gesehen, dass wir stabiler waren“, hatte Abwehrchef Eric Smith nach dem Berlin-Spiel über die Rückkehr von Irvine in die Startformation und in die Mittelfeldzentrale gesagt. Irvine sei „mit seiner Erfahrung und seinem Spielverständnis sehr gut darin, diesen Raum dichtzumachen.“

Andreas Hountondji wird für sein Tor für St. Pauli in München gefeiert. WITTERS
Andreas Hountondji wird für sein Tor für St. Pauli in München gefeiert
Andreas Hountondji wird für sein Tor für St. Pauli in München gefeiert.

Sands betonte nach der Partie in München auf die Frage, ob die aktuelle Mittelfeldbesetzung auch das richtige Modell für die kommenden Spiele sei: „Ja, ich denke schon. Ich bin nicht der Trainer“, meinte der US-Amerikaner zwar, „aber jeder kann sehen, was Jackson dem Team bringt, seine Führung, seine Qualität. Und ich glaube, bei Joel können die Leute das auch sehen. Wenn wir drei zusammenspielen, gibt es ihm mehr Möglichkeiten, sich nach vorne zu bewegen. Es hängt von dem Spiel ab, aber ich denke, dass es definitiv Vorteile gibt, wenn wir drei spielen.“

St. Pauli-Mittelfeld mit Sands, Irvine und Fujita

Sands agierte gegen Bayern als Sechser, Irvine und Fujita davor auf den Halbpositionen, was vor allem für den Japaner neu ist. „Es war nicht einfach für Joel, aber er hat die Rolle sehr, sehr gut ausgefüllt“, befand Blessin. „Jacko gibt uns die nötige Stabilität. Und auch Jimmy kommt wieder besser nach einer Phase, wo er vielleicht nicht so richtig drin war, wieder besser rein. Da brauchen wir alle.“

Auch in Zukunft in dieser Formation? Obwohl die Maßnahme Früchte trägt, wenngleich (noch) nicht in Form von Punkten, will sich der Coach nicht festlegen. „Ob das immer so weitergeht mit den Dreien, oder ob man auch mal einem von ihnen eine Pause gibt, das müssen wir gucken.“


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Gerade die englische Woche mit dem Pokal-Achtelfinale bei Borussia Mönchengladbach am Dienstagabend (18 Uhr) und dem folgenden immens wichtigen Auswärtsspiel in der Liga in Köln am Samstag (15.30 Uhr) könnte es Wechsel geben in der ersten Elf, um für Regeneration zu sorgen. „Da müssen wir mal gucken, welche Veränderungen wir vornehmen und wieviel Frische wir reinbringen.“

Blessin: „Jacko gibt uns die nötige Stabilität“

Irvine war gegen Bayern in viele Zweikämpfe verwickelt gewesen, hatte ausgeteilt, aber auch hart einstecken müssen und war in der 68. Minute ausgepowert und leicht angeschlagen ausgewechselt worden. Gut möglich, dass der Australier eine Pause bekommt, um in Köln wieder mit höchstmöglicher Frische in die Partie gehen zu können.

Klar ist aber auch, dass die sehr defensive Ausrichtung in einem Spiel gegen Bayern München mit zu erwartendem geringen Ballbesitz (es waren dann 20:80 Prozent) das richtige Mittel ist, um sich der Offensiv-Wucht des Spitzenreiters entgegenzustemmen. In anderen Spielen wird und muss St. Pauli mehr Ballbesitz haben und auch mehr mit der Pille anfangen, dominanter und kreativer und auch mal spielbestimmend sein.

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Das ist auch mit dem aktuellen Dreier-Mittelfeld möglich, denn Irvine kann sich durchaus offensiver orientieren, aber was spielerische Elemente und offensive Taktgeber-Fähigkeiten angeht, wäre Sinani der geeignetere Kandidat. Doch vorerst dürfte bei St. Pauli das Motto „Safety First“ gelten und das erste Ziel sein, dass hinten die Null steht.

Pyrka bewirbt sich für Stammplatz

Auf der rechten defensiven Außenbahn, auf der es immer wieder Wechsel zwischen Neuzugang Arkadiusz Pyrka und dem etablierten Manolis Saliakas gegeben hatte, dürfte Pyrka nach seinem sehr starken Auftritt gegen die Bayern jetzt die Nase vorn haben. Es war eine Bewerbung für den Stammplatz auf der rechten Schiene – zumindest bis zur Winterpause und stabile Leistungen in den kommenden Spielen vorausgesetzt.

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