Kader, Trainer, Kohle: Was ein St. Pauli-Abstieg bedeuten würde

Eric Smith ist enttäuscht nach einer Niederlage des FC St. Pauli vor dem drohenden Abstieg
Eric Smith hätte gewiss die Möglichkeit, bei einem anderen Verein erstklassig zu spielen.

Drei Spieltage vor Schluss hat die Saison 2025/26 noch drei unterschiedliche Ausgänge parat für den FC St. Pauli. Die optimale Variante wäre natürlich der direkte Klassenerhalt. Dafür müssten die Kiezkicker noch mindestens zwei Spiele gewinnen und auf Patzer der Konkurrenz hoffen. Möglichkeit zwei ist eine um zehn Tage verlängerte Spielzeit mit zwei Relegationspartien gegen den Zweitliga-Dritten. Aber was würde es eigentlich bedeuten, wenn mit Option drei und dem Abstieg der Worst Case einträte?

Sie werden sich mit all dem intern auseinandersetzen auf dem Kiez, logisch. Genauso logisch wie die Tatsache, dass das Bild, das nach außen gezeigt wird, ein von Optimismus geprägtes ist. „Wir gehen in die letzten drei Spiele mit voller Konzentration und Geschlossenheit“, sagt Präsident Oke Göttlich zur MOPO. „Für uns ist entscheidend: Wir sind im Rennen. Dass wir diese Chance in einer der stärksten Ligen der Welt und in einem unausgewogenen Wettbewerb bis zum Saisonende haben, ist für einen Verein wie den FC St. Pauli eine Chance und ist im Rahmen unserer Erwartungen.“

St. Pauli soll dauerhaft zu den Top-25-Klubs gehören

Man verfolge eine Strategie mit dem Ziel, den FC St. Pauli dauerhaft unter den Top-25-Klubs in Deutschland zu etablieren. „Diese Strategie gilt unabhängig von einzelnen Ergebnissen oder Tabellenständen“, unterstreicht Göttlich. „Sie ist die Grundlage unseres Handelns – sportlich wie wirtschaftlich.“ Gerade jetzt zeige sich, warum man diesen Ansatz gewählt habe: „Wir setzen nicht auf kurzfristige Effekte oder riskante Wetten, sondern auf Stabilität, Entwicklung und Zusammenhalt und nehmen uns ein Beispiel an Klubs wie dem SC Freiburg und anderen, die Rückschläge in Energie und langfristigen Erfolg umgewandelt haben.“

Hauke Wahl von St. Pauli im Zweikampf mit Alexander Bernhardsson von Holstein Kiel
In der 2. Liga würden Hauke Wahl & Co. wohl unter anderem wieder auf Holstein Kiel treffen.

Dennoch hätte ein Abstieg in die 2. Liga natürlich unmittelbare Folgen. Klar ist, dass die Deals mit Sponsoren und Partnern im Abstiegsfalls angepasst würden, sprich: reduziert. Gleiches gilt auch für die Spielergehälter. Das übliche Prozedere bei einem Wechsel der Spielklasse, wenngleich oft vergessen wird, dass sich im Abstiegsfall neben den Einnahmen eben auch die Ausgaben verringern.

Der Vertrag mit Ausrüster Puma etwa läuft nach MOPO-Informationen bis 2030. St. Paulis neuer Geschäftsleiter Vermarktung & Vertrieb, Patrick Mushatsi-Kareba, berichtete jüngst, dass der Verein mit Puma „über eine Vertiefung der Partnerschaft“ spreche, ligaunabhängig. Auf die Frage, wie viele Einnahmen ein Abstieg den Verein in den von ihm verantworteten Bereichen kosten würde, schätzte Mushatsi-Kareba die Einbußen auf „ein Drittel“.

Abstieg würde TV-Geld um mehrere Millionen Euro senken

Was den eminent wichtigen Aspekt der TV-Gelder betrifft, geht man beim Kiezklub davon aus, als Erstligist wie in der laufenden Saison bei etwa 32 Millionen Euro landen zu können. Eine Klasse tiefer würden die Einnahmen wohl eher bei 18 bis 20 Millionen Euro liegen.

Nikola Vasilj ist enttäuscht nach einer Niederlage des FC St. Pauli
Nikola Vasilj bleibt beim FC St. Pauli – wenn man die Liga hält. Bei Abstieg läuft sein Vertrag aus.

Das hätte Auswirkungen. Vor allem aufs Personal. Wobei es Gegenstand von Spekulationen bleiben wird, wie das im Einzelnen aussehen könnte. Fakt ist: Nur die Verträge von Karol Mets, Danel Sinani und (nur bei Abstieg) Nikola Vasilj laufen aus. Sämtliche anderen Profis hätten ein auch fürs Unterhaus gültiges Arbeitspapier, das trifft selbst auf die Winter-Zugänge Tomoya Ando, Taichi Hara, Mathias Rasmussen und Emil Gazdov zu.

Dass Akteure wie Joel Chima Fujita oder Arkadiusz Pyrka keinen Rückschritt in ihrer noch jungen, aber vielversprechenden Laufbahn hinnehmen würden, ist anzunehmen. Auch Eric Smith würde sich vermutlich verändern wollen und können, derweil es ansonsten kaum Akteure gibt, die sich durch ihre Leistungen und ihr Auftreten für höchste Aufgaben empfohlen hätten. Ausgenommen Hauke Wahl, an dem gerade ausgerechnet der VfL Wolfsburg in bester Störfeuer-Manier pro forma rumbaggert, und Jackson Irvine, die aber beide mit 32 beziehungsweise 33 Jahren im Herbst ihrer Laufbahn unterwegs sind.

St. Pauli-Coach Blessin könnte auch bei Abstieg bleiben

Und natürlich hinge vieles an der Trainer-Position. Alexander Blessin ist weiterhin an den FC St. Pauli gebunden, auch bei einem Abstieg. Die zwei Jahre bei Braun-Weiß haben den 52-Jährigen viel Energie gekostet, zudem genießt er in der Branche einen guten Ruf und wurde nicht umsonst schon bei einigen Erstligisten gehandelt. Trotzdem wäre der Gang in die 2. Liga natürlich nicht gleichbedeutend mit Blessins Abgang, zumal er mit Sportchef Andreas Bornemann und Oke Göttlich ein enges Verhältnis pflegt. Das Trio ließ kein Blatt Papier zwischen sich in all der Zeit.

St. Pauli-Trainer Alexander Blessin geht mit Andreas Bornemann und Niklas Lanwehr über den Platz
Ob es das Duett Sportchef Andreas Bornemann (r.) und Trainer Alex Blessin (M.) noch geben würde, ist offen.

Aber wie bereits angedeutet: Es ist alles Schnee von morgen, das betont auch der Präsident. „Es geht jetzt nicht um das, was war oder was kommende Saison vielleicht sein wird, sondern um das, was unmittelbar vor uns liegt“, erklärt Göttlich gegenüber der MOPO. „Drei Spiele, in denen wir alles investieren werden. Wir sind überzeugt, dass wir konkurrenzfähig sind, wenn wir unsere Prinzipien auf den Platz bringen: defensive Stabilität und mannschaftliche Geschlossenheit.“

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Geschlossenheit sei dabei der entscheidende Faktor. „Mannschaft, Staff, Verein und Fans: Wir sind gemeinsam in die Bundesliga aufgestiegen, stehen zusammen und gehen diesen Weg gemeinsam weiter. Nur so haben wir eine Chance“, betont Göttlich. Der Klassenkampf in der Bundesliga sei kein Sonntagsspaziergang an der Alster, „der Wind bläst oft frontal ins Gesicht. Aber wir wollen unbedingt in der Liga bleiben. Den Klassenerhalt müssen wir uns gemeinsam erarbeiten. Schritt für Schritt sowie mit klarem Kopf, mit Überzeugung und mit dem Vertrauen in unseren Weg“.