„Ich liebe Dich!“ Kämpfer Mets geht stürmisch – Abwehr-Umbruch bei St. Pauli?

Karol Mets lacht nach einem Sieg des FC St. Pauli
Karol Mets hat sich emotional vom FC St. Pauli verabschiedet.

Die Abschiedstour geht weiter. Der FC St. Pauli verliert nach dem Abstieg aus der Bundesliga eine weitere prägende Figur der vergangenen Jahre. Abwehr-Kante Karol Mets ist entgegen seiner Kernkompetenz auf dem Spielfeld voll in die Offensive gegangen und hat von sich aus das Ende seiner Zeit beim Kiezklub verkündet. Ist sein Abschied nur der Anfang von einem Abwehr-Umbruch, der größer ausfällt, als St. Pauli lieb sein kann?

Die schwierige Entscheidung über seine Zukunft hat der estnische Nationalspieler dem Verein kurzerhand abgenommen. Bei der Medienrunde am Montag hatte Sportchef Andreas Bornemann die Zukunft des Innenverteidigers, dessen Vertrag Ende Juni ausläuft, noch als offen bezeichnet und angekündigt, man werde „noch die ein oder andere Nacht drüber schlafen, bevor wir eine finale Entscheidung treffen“.

Karol Mets verabschiedet sich emotional vom FC St. Pauli

Die finale Entscheidung hat nun Mets selbst getroffen oder zumindest von sich aus verkündet – in den sozialen Netzwerken, nicht in einer offiziellen Vereinsmitteilung. Sehr ausführlich und mit emotionalen Worten verabschiedete sich der 33-Jährige nach dreieinhalb Jahren und 91 Einsätzen für die Braun-Weißen. Das hatte bereits Stammtorhüter Nikola Vasilj tags zuvor getan, dessen Vertrag ebenfalls mit dem Abstieg ausläuft.

„Was wir gemeinsam erreicht haben, war bemerkenswert und wird nie vergessen werden“, teilte Mets mit. „Obwohl es nicht so endete, wie wir alle wollten, bin ich sicher, dass der FC St. Pauli nirgendwo hingehen wird. Dies ist nur der Anfang von etwas Größeres, und ich werde weiterhin das Team unterstützen, egal ob von zu Hause aus im Fernsehen oder von den Tribünen.“

„Unglaubliche Gruppe“: Mets dankt Mitspielern und Fans

Der knallharte Verteidiger, den Trainer Alexander Blessin immer wieder als „Warrior“, Krieger, bezeichnet hatte, bedankte sich für das in ihn gesetzte Vertrauen. „Ich kann mit ganzem Herzen sagen, dass ich immer mein Bestes gegeben habe, um dieses Vertrauen auf und neben dem Spielfeld zurückzugeben. Ich könnte gehen, aber ein großer Teil meines Herzens bleibt für immer in Hamburg.“ Einen besonderen Dank richtete der Linksfuß an seine Mitspieler. „Ohne diese unglaubliche Gruppe von Menschen wäre unser Erfolg nie möglich gewesen.“

Auch den Fans des Kiezklubs zollte der Nationalspieler Respekt und Zuneigung. „Ihr habt mehr gegeben, als jeder je wünschen könnte. Egal, wo wir gespielt haben, ihr wart immer da für uns, bedingungslos. Es war ein Privileg und eine Ehre, eure Unterstützung zu erleben.“

Karol Mets hat noch keinen neuen Verein

Wohin es Mets zieht, steht noch nicht fest. „Die Zeit wird zeigen, was als Nächstes kommt, aber eines ist sicher: Ich werde euch alle vermissen“, schrieb der Kämpfertyp. Angesichts seines fortgeschrittenen Alters dürfte der Vertrag, den er bald unterschreibt, auch der letzte seiner Karriere sein. Die letzten Worte seines Abschieds-Posts lassen keinerlei Interpretationsspielraum, was seine Gefühle für den Kiezklub und sein Verhältnis angeht: „Ich liebe dich, ooo FC Sankt Pauli!!!“

Der Abgang von Mets könnte nur der Anfang von einem größeren Abwehr-Umbruch sein, bei dem St. Pauli nicht nur Qualität sondern auch Erfahrung verlieren könnte. Innenverteidiger Hauke Wahl, der anders als Mets auch in der kommenden Saison bei St. Pauli unter Vertrag steht, wird vom VfL Wolfsburg umworben und könnte im Falle eines Klassenerhalts der „Wölfe“ in der Relegation die Chance wahrnehmen wollen, weiter in der Bundesliga zu spielen. Und auch bei Eric Smith (29), der über weite Strecken der abgelaufenen Saison als Abwehrchef agiert hatte, wird erwartet, dass er trotz laufenden Vertrags seine Karriere bei einem europäischen Erstligisten fortsetzen will.

Verlassen auch Hauke Wahl und Eric Smith St. Pauli?

Sicher sind die Abgänge von Wahl und Smith keineswegs, aber sollten beide gehen (wollen), hätte St. Pauli in der Innenverteidigung einen erheblichen Aderlass zu verzeichnen und eine Großbaustelle. Ebenfalls noch unter Vertrag stehen der japanische Durchstarter Tomoya Ando (27), der für Zweitliga-Verhältnisse eine Granate wäre, aber sich möglicherweise nach dem Abstieg bei lukrativen Angeboten umorientieren will, der oft verletzte Österreicher David Nemeth (25), Defensiv-Allrounder Adam Dzwigala (30) und Jannik Robatsch (21). Mindestens einen erfahrenen Leistungsträger mit Führungsqualitäten sollte St. Pauli für den nach einem Abstieg stets schwierigen Neustart in Liga zwei nach Möglichkeit halten.