Historische Pleite! Blessin trotz Rückendeckung: „Geschäft schlägt irgendwann zu“
Andreas Brehme war es dereinst, der alles mit einfachen Worten auf den Punkt brachte. „Haste Scheiße am Fuß, haste Scheiße am Fuß“, hatte der 1990er-Weltmeister einst gesagt und würde damit die aktuelle Situation beim FC St. Pauli bestens beschreiben. Der Kiezklub war gegen Union Berlin am ausverkauften Millerntor mitnichten die schlechtere Mannschaft, kassierte beim 0:1 (0:1) aber trotzdem die achte Niederlage in Serie und stellte damit einen neuen vereinsinternen Negativrekord auf. Trainer Alexander Blessin erhielt nach dem Spiel erneut Rückendeckung und gab sich kämpferisch – mit einem kleinen Geständnis.
Wie in allen Stadien an diesem Wochenende gab es in den ersten zwölf Minuten einen kompletten Support-Boykott. Das Spiel machte es den 29.546 Anwesenden leicht, wirklich attraktive Szenen gab es hüben wie drüben nicht zu beäugen. Und das blieb in einem Spiel ohne Höhepunkte und auf schwer überschaubarem Niveau noch weit länger so. „Es war kein fußballerischer Leckerbissen, da müssen wir ehrlich sein“, räumte Hauke Wahl ein. Unzufrieden war der Routinier aber keineswegs, denn: „Die Basics haben gestimmt. Wir haben viele Duelle gewonnen. Wir waren giftig auf die zweiten Bälle“.
St. Pauli kassiert kurz vor der Pause das 0:1
Nur einmal nicht so, wie es hätte sein müssen. Und das ist in Situationen wie jene, in der der FC St. Pauli gerade steckt, eben spielentscheidend. Ein langer Einwurf von Christopher Trimmel landete über ein aus Hamburger Warte verlorenes Kopfballduell beim blitzeblanken Rani Khedira an der Strafraumgrenze, der erst noch Mitspieler Andrej Ilic anballerte, aber auch beim Nachschuss immer noch nahezu ungestört war und unhaltbar aus acht Metern vollstreckte (44.). „Einwurf, Ping-Pong und Gegentor“, stöhnte Wahl.
Innenpfosten verhindert Ausgleich des Kiezklubs
Nach der Pause wagte Braun-Weiß offensiv mehr, übernahm die Initiative und kam durch Joel Chima Fujita zum ersten Abschluss (60.), dem Hauke Wahl sogleich den zweiten folgen ließ (63.). Und dann kam die Situation, die unter anderem für Alexander Blessin „sinnbildlich“ war: Nach schönem Pass von Danel Sinani schob Pereira Lage die Kugel an den rechten Innenpfosten, der Abpraller fiel aber eben nicht dem bereitstehenden Connor Metcalfe vor die Füße (74.).
St. Pauli hat zurzeit „die Kacke an den Hacken“
„Die Situation ist selbsterklärend“, befand der geplagte Coach. „Wir hatten einen Pfostenschuss, der geht nach innen und innen raus – 30 Zentimeter. Ich glaube, von der Bewegung her, Connor steht da noch und rutscht dann noch mal aus und kann ihn nicht reinschieben.“ Bei Union hingegen fiel Khedira die Murmel nach dem misslungenen ersten Versuch gleich noch mal vor die Füße. Und dann landete auch Blessin bei Brehme. „Ich hasse diesen Spruch eigentlich, aber wenn du die Kacke an den Hacken hast, dann hast du halt die Kacke an den Hacken.“
Genauso sehen das übrigens auch die Verantwortlichen beim Kiezklub. Nicht erst seit Sonntag, aber dauerhaft auf demselben Niveau. Daran ließ Oke Göttlich keine Zweifel aufkommen. „Alexander Blessin ist unser Trainer, und zwar der Trainer, der auch die ersten drei Spieltage übrigens hervorragenden Fußball hat spielen lassen“, sagte der Präsident. „Er hat eine Mannschaft hier mit uns geformt, mit Andreas Bornemann zusammen. Und ganz ehrlich: Wir sind der FC St. Pauli. Wir können uns hervorragend einschätzen und einordnen. Und Alexander Blessin hat letztes Jahr das zweitbeste Team in Sachen Abwehrreihe hinbekommen. Wir werden in diesem Jahr wieder versuchen, uns zumindest defensiv wieder ins Mittelfeld der Tabelle einzuordnen.“
Erneut Rückendeckung für Coach Alex Blessin
Natürlich wolle man auch mal wieder ein paar Punkte holen. „Wir haben offensiv deutlich mehr Qualität als im letzten Jahr. Jetzt kann man immer sagen, wenn wir keine Tore schießen – klar, das läuft momentan noch nicht. Aber die Qualität ist da. Wir haben gute Jungs, wir haben gute Leute.“ Es gehe jetzt darum, dieses Mannschaftsgefüge wieder zusammenzukriegen, die Köpfe hochzubringen und im Gegenteil zu sagen: Hey, wir wollen genau das jetzt annehmen. Das ist der Weg.“
St. Pauli muss jetzt zu den Bayern
Und Blessin? Der sagte, er nehme sich persönlich „nicht so wichtig“, erklärte dann aber auch: „Ich habe mir bewusst St. Pauli damals ausgesucht in den Gesprächen, weil ich weiß, dass teilweise andere Mechanismen laufen und der Austausch gut ist. Aber letzten Endes weiß ich ja auch, dass das Geschäft irgendwann dann mal zuschlägt und hart ist“, sagte der Übungsleiter und fügte direkt hinzu: „Aber trotzdem: Ich werde sicherlich nicht aufgeben, sondern wir müssen das zusammen schaffen. Das haben wir letztes Jahr gut gemacht und wir müssen da wieder in die Spur finden“.
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Dass das schon im nächsten Spiel klappt, wenn es zum FC Bayern geht, daran glaubt selbst ein Optimist wie Göttlich nicht. „Man kann jetzt schon sagen: Hoch gewinnen werden wir da nicht“, unkte der Boss. Aber den Glauben, dass es in der aktuellen Konstellation wieder raus geht aus dem tiefen Tal, hat man beim FC St. Pauli noch nicht verloren.
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