„Heidenheim hat wieder was zu verlieren“: Bornemann über St. Paulis Keller-Finale

Andreas Bornemann und Frank Schmidt im Gespräch
Andreas Bornemann (l.) glaubt an ein Happy End für St. Pauli. Heidenheims Trainer Frank Schmidt hatte vor Wochen schon die weiße Fahne gehisst, ist jetzt wieder mittendrin.

Nein, das gab es in dieser Form bisher noch nie in der Bundesliga-Historie. Ob der FC St. Pauli es zwingend für seine Vita gebraucht hätte, am 34. und letzten Spieltag eines von drei punktgleichen Teams am Tabellenende zu sein, von denen zwei direkt absteigen und eines noch in die Relegation darf, sei mal dahingestellt. Aber dass der Kiezklub vor dem direkten Duell mit dem VfL Wolfsburg am Millerntor überhaupt noch Aussichten auf Rettung hat, wird Braun-Weiß Ansporn genug sein.

Schlusslicht ist der Kiezklub seit dem vergangenen Wochenende. Drei Treffer schlechter als der nächste Gegner, in der Differenz gleich mit dem 1. FC Heidenheim, der aber deutlich mehr Tore geschossen hat, was fürs Ranking von Relevanz ist. Überhaupt Heidenheim: Mausetot waren die Mannen von der Brenz noch vor wenigen Wochen, durch das 3:1 von Köln ist Frank Schmidt mit seinen Schützlingen aber wieder drin in der Verlosung.

Ein Sieg gegen den VfL Wolfsburg ist für St. Pauli Pflicht

Was auch bedeutet: Mit der Es-geht-sowieso-nix-mehr-Einstellung der jüngeren Vergangenheit wird der FCH nicht das Heimspiel gegen Mainz 05 bestreiten können. „Heidenheim“, sagt St. Paulis Sportchef Andreas Bornemann der MOPO, „hat jetzt auch wieder was zu verlieren.“ Tatsächlich gehen die Hamburger mit der höchsten Bürde in die letzten regulären 90 Saisonminuten. Ein Sieg gegen den VfL ist Pflicht, und der muss im Zweifelsfall höher ausfallen als ein Heidenheimer Erfolg gegen Mainz im Parallelspiel.

Die WochenMOPO – ab Freitag neu und überall, wo es Zeitungen gibt!

Diese Woche u.a. mit diesen Themen:

  • Nach Olympia-Aus: Was Hamburger jetzt vom Bürgermeister erwarten

  • Block-Sündenbock: Warum der Familienanwalt Costard in den Fokus rückt

  • Public Viewing: In welchen Bars, Biergärten und Kneipen Sie die Fußball-WM gucken können

  • Große Rätselbeilage: Knobelspaß für die ganze Woche

  • 16 Seiten Sport: Aus für Blessin bei St. Pauli & Jattas emotionale HSV-Reise

  • 28 Seiten Plan7: Konzerte und mehr im Schanzenzelt, Gastro-Comeback & Tipps für jeden Tag

„Der Druck“, räumt St. Paulis Torhüter Nikola Vasilj ein, „ist natürlich riesig. Aber am Ende des Tages muss man es als Spieler als das nächste Spiel ansehen, elf gegen elf, und einfach versuchen, alles zu geben.“ Er sei ein positiver Typ und werde immer daran glauben, dass es eine Chance gibt. „Eine große sogar. Und solange eine Chance besteht, gibt es für mich nur positive Gedanken.“ Mit derartigen Sätzen wird der 30-Jährige bei seinem Vorgesetzten offene Türen einrennen. „Das Finale gegen Wolfsburg war nicht unser Wunsch-Szenario“, erklärt Bornemann, „aber wir müssen das als Chance begreifen.“

Sportchef Bornemann: „Würden wenige Abgänge haben“

Als Chance, eine Saison positiv zu beenden, die traumhaft begann, dann einen tiefen Absturz nach sich zog, dann ein kräftiges Aufbäumen und schließlich erneut eine Ballung an allen denkbaren Rückschlägen parat hatte. Auf St. Pauli ist die Aufarbeitung längst in vollem Gang, wobei die Gegenwart natürlich eine gewichtige Rolle spielt, aber auch andere Fragen gestellt und beantwortet werden. „Die wichtigen Fragen sind: Wer sind wir? Wo kommen wir her? Was darf man erwarten? Und was hat funktioniert, was nicht?“, führt Bornemann aus und beschwört erneut die Ruhe, die die Vereinsführung durchgehend in der kompletten Saison ausgestrahlt hatte. Ungeachtet jedweder versuchter Einflussnahme von außen.

Das könnte Sie auch interessieren: Setzt das Energie für das Endspiel frei? Tolle Nachricht für St. Paulis Smith

„Entscheidend ist, wie die Dinge im Kern des Vereins eingeordnet werden“, stellt Bornemann fest und wagt einen kurzen Blick in die Zukunft: „Wir gehen natürlich erst dann in die konkrete Planung, wenn wir Gewissheit haben. Rein von der Vertragssituation her würden wir nur sehr wenige Abgänge haben.“

Nein, das gab es in dieser Form bisher noch nie in der Bundesliga-Historie. Ob der FC St. Pauli es zwingend für seine Vita gebraucht hätte, am 34. und letzten Spieltag eines von drei punktgleichen Teams am Tabellenende zu sein, von denen zwei direkt absteigen und eines noch in die Relegation darf, sei mal dahingestellt. Aber dass der Kiezklub vor dem direkten Duell mit dem VfL Wolfsburg am Millerntor überhaupt noch Aussichten auf Rettung hat, wird Braun-Weiß Ansporn genug sein.