FC St. Pauli
Hartes Ziel „Top 25“: So schwer war es für Rapps Vorgänger beim FC St. Pauli
Bleibt der neue Trainer der Kiezklub-Tendenz treut? Wie St. Pauli nach Abstiegen wieder in die Spur findet.
Ein neuer Trainer mit alten Zielen: Marcel Rapp soll den FC St. Pauli nach dem Bundesliga-Abstieg in den „Top 25“ des deutschen Fußballs etablieren - ein vom Verein vor knapp fünf Jahren in der Corona-Zeit ausgerufenes Ziel. Doch wie gut fanden sich Rapps Vorgänger nach einem St. Pauli-Abstieg in der Zweiten Liga zurecht?
Seit seiner Ausrufung wurde das Ziel immer erreicht: 2022 und 2023 jeweils durch fünfte Plätze in der Zweiten Liga, was insgesamt Rang 23 bedeutete. 2024 durch den Aufstieg und in den beiden vergangenen Spielzeiten in der Ersten Liga sowieso. In der kommenden Zweitliga-Saison müsste ein Platz unter den ersten Sieben erreicht werden. Klingt gegenüber dem Ziel direkter Wiederaufstieg bescheiden - doch auch dies hat weniger als die Hälfte aller Mannschaften des FC St. Pauli nach einem Bundesliga-Abstieg erreicht.
St. Paulis erster Anlauf endete mit Lizenzentzug
1978/79 spielten die Braun-Weißen nach ihrem ersten Bundesliga-Abstecher wieder im Unterhaus, das damals noch zweigeteilt war. In der Zweiten Liga Nord fuhr St. Pauli unter dem neuen Trainer Sepp Piontek auf Platz sechs ein, was insgesamt den geteilten 29.-30. Platz zusammen mit dem Süd-Sechsten Offenbacher Kickers bedeutete. Weitaus schwerer wog allerdings, dass am Millerntor absolut kein Geld mehr vorhanden war, der Verein keine Lizenz mehr für den Profifußball erhielt und fortan in der Amateuroberliga Nord antreten musste. Top 25 ja: 0, Top 25 nein: 1.
Als St. Pauli 1991/92 nach drei Erstliga-Jahren abgestiegen war, war die Zweite Liga wieder zweigeteilt - um den Zustrom von Vereinen aus der ehemaligen DDR aufzufangen. Der Verein setzte auf Kontinuität, Horst Wohlers blieb (zunächst) Trainer. Diesmal langte es in der Nord-Staffel zu einem vierten Platz, den im Süden der Chemnitzer FC einnahm. Weil die Bundesliga damals übergangsweise mit 20 Vereinen spielte, war dies insgesamt nur der 27.-28. Platz. Immerhin bereitete die Lizenz damals weniger Sorgen. Top 25 ja: 0, Top 25 nein: 2.
Krautzun erreicht als erster die Top 25
1997/98 war St. Pauli erstmals in eine eingleisige Zweite Liga abgestiegen und fand sich dort unter dem neuen Coach Eckhard Krautzun besser zurecht, wenngleich zum Wiederaufstieg gegenüber dem 1. FC Nürnberg am Ende drei Punkte fehlten. Mit dem erreichten vierten Platz war der Kiezklub insgesamt die Nummer 22 im deutschen Fußball. Top 25 ja: 1, Top 25 nein: 2.
Davon konnte 2002/03 nicht im entferntesten die Rede sein. Nach einer chancenlosen Erstliga-Saison lief St. Pauli auch eine Etage darunter lange hoffnungslos hinterher. Trainer Dietmar Demuth, der trotz des Abstiegs geblieben war, wurde nach wenigen Wochen entlassen. Eine passable Rückrunde half auch nicht mehr. Als Siebzehnter stürzte der Verein in die Drittklassigkeit ab und verbrachte den Sommer mit diversen „Retter“-Aktionen, um überhaupt noch eine Regionalliga-Lizenz zu erhalten. Top 25 ja: 1, Top 25 nein: 3.
Als Derbysieger in der Zweiten Liga
Als Derbysieger bestritten die Braun-Weißen die Zweitliga-Saison 2011/12 - das 1:0 im Volksparkstadion Monate zuvor hatte nicht zum Bundesliga-Klassenerhalt gelangt. Der vierte Platz im ersten Zweitliga-Jahr unter dem neuen Coach André Schubert weckte Hoffnungen, doch auf einen Wiederaufstieg mussten die Fans schließlich bummelige 13 Jahre warten. Top 25 ja: 2, Top 25 nein: 3.
Aller Neuanfang ist schwer: Nach einem Abstieg sofort in der Spitzengruppe der Zweiten Liga mitzuspielen, hat sich für den FC St. Pauli zumeist als illusorisch erwiesen - ein Wiederaufstieg gar gelang frühestens in der vierten Zweitliga-Saison. Marcel Rapp leitet als neuer Coach nun den sechsten Anlauf des Kiezklubs. Geduld könnte dabei eine Tugend sein.
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