„Haben inhaltlich häufig gestritten“: Warum Schultz und Favé noch befreundet sind
Der eine kämpft mit dem HSV um den Verbleib in der Bundesliga, der andere um den Aufstieg in die Zweite Liga. Loic Favé, Co-Trainer des HSV, und Timo Schultz, Trainer des VfL Osnabrück, verbindet nicht nur eine gemeinsame Zeit beim FC St. Pauli und beim FC Basel, sondern auch eine enge Freundschaft. Eine, in der es auch zu Reibereien kommen kann.
Ende Juli 2020 gab der FC St. Pauli bekannt, dass sich der zuvor aus dem Nachwuchs zu den Profis beförderte Schultz, Favé in den Trainerstab des Kiezklubs holen wird. Gemeinsam mit dem späteren Schultz-Nachfolger und jetzigen Cheftrainer von Premier-League-Klub Brighton & Hove Albion, Fabian Hürzeler, arbeiteten beide zweieinhalb Jahre für Braun-Weiß.
Die Reise begann aber viel früher. Schultz und Favé lernten sich im Jugendfußball kennen. Während der heute 48-jährige Ex-Profi St. Pauli-Talente formte, baute Favé die Nachwuchsabteilung des Eimsbütteler TV um und reifte als Trainer des erfolgreichen ETV-Jahrgangs 2000, dessen braun-weißes Pendant Schultz auf St. Pauli-Seite schließlich beim Kiezklub trainierte.

Schultz entdeckte Favé beim Eimsbütteler TV
Zwischen beiden machte es Klick. „Wir haben schnell eine Verbindung entwickelt und uns ausgetauscht“, erinnert sich Schultz im Gespräch mit der MOPO. Über zwei Jahre hinweg trafen sich beide wöchentlich. „Wir waren damals schon beide nicht fest in der eigenen Meinung, sondern neugierig. Wenn du dich nur mit denselben Leuten umgibst, hörst du auch immer dieselben Sachen“, sagt Schultz.

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Favé und er hätten beide „viel voneinander gelernt und profitiert“. Und das obwohl Favé Mitte 20 war, nie selbst auf einem hohen Level gespielt hat und Schultz Mitte 40 mit reichlich Profi-Erfahrung. „Er betrachtet den Fußball aus einer anderen Perspektive“, sagt Schultz, dem die Trainersicht Favés gefiel, während sein 16 Jahre jüngeres Gegenüber Schultz‘ Erfahrungen als Profi schätzte, die er in die Tätigkeit als Trainer einfließen ließ. „Er hatte immer schon andere Ideen, Ansätze, die ich auch mal nicht verstanden habe“, so Schultz.
Gemeinsame Zeit in Basel schweißte beide zusammen
Die Verbindung war so stark, dass schnell klar wurde, dass Schultz mit Favé arbeiten wollen würde, wenn es für ihn im Profigeschäft losgeht. So kam es auch. Und gemeinsam mit Hürzeler lief es beim FC St. Pauli zwei Jahre lang richtig gut. „Die beiden saßen häufig abends bis in die Nacht zusammen“, erinnert sich Schultz.
Nach dem Aus beim Kiezklub nahm Schultz Favé mit zum FC Basel, wo „alles schiefgelaufen ist, was schieflaufen kann“. Die kurze Zeit in der Schweiz von Anfang Juli bis Ende September 2023 schweißte beide noch mehr zusammen. Im „Schnelldurchgang“ durchlief das Trainer-Duo sämtliche Phasen einer Krise. „Ihm kann ich zu hundert Prozent vertrauen.“

Favé zog es danach in den Nachwuchs des HSV, wo er später auch Co-Trainer wurde, Schultz stieg mit dem 1. FC Köln nach einer schwierigen Rückrunde aus der Bundesliga ab. Nun läuft es in Osnabrück endlich mal wieder gut, die Trainer-Laufbahn erhält an der Bremer Brücke neuen Schwung. Mit dem VfL ist er zur Winterpause Teil der großen, eng beieinanderliegenden Spitzengruppe.
„Manchmal gefällt mir sein Feedback nicht“
Auch wenn sich sportlich die Wege der beiden trennten, sind sie persönlich enger denn je. Beide tauschen sich regelmäßig über Fußball aus. „Manchmal gefällt mir sein Feedback nicht“, sagt Schultz mit einem Lachen, aber die Beziehung der beiden Fußballlehrer ist strapazierfähig. „Wir haben inhaltlich häufig gestritten.“ Aber jedes Mal habe das zu einem guten Ergebnis geführt.
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Favé traut Schultz in der Zukunft „alles zu“, aber gerade arbeite er „auf einem hohen Niveau, auf dem er viel bewegen kann“. Schließlich ist er nicht nur Co-Trainer der HSV-Profis, sondern auch Leiter Sport des NLZ der Rothosen. Eine Rolle, die zu ihm passe, wie Schultz findet. Auch wenn aufgrund des sehr dichten Terminkalenders von Favé mal ein gemeinsames Mittagessen kurzfristig abgesagt wird. Schultz wird seinem Trainer-Freund entsprechendes Feedback gegeben haben.
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