Martijn Kaars beim Torjubel gegen Leipzig

Martijn Kaars steht auch nach seinem verwandelten Elfer die Entschlossenheit ins Gesicht geschrieben. Foto: WITTERS

„Gibt Mut und Zuversicht“: St. Pauli atmet nach Last-Minute-Punkt ganz tief durch

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Es sah so aus, als würde es vor 29.147 Fans am Millerntor den nächsten Niederschlag geben. Den nächsten, der in seiner Art und Weise so typisch gewesen wäre für einen Tabellenvorletzten, wie es der FC St. Pauli nun einmal ist. Aber dann geschah etwas, das es lange nicht gegeben hatte, etwas, das einen Schub geben kann für die nahe Zukunft: Der Kiezklub holte mit etwas Glück, aber ebenso verdient durch einen Treffer in der Nachspielzeit ein 1:1 (0:0) gegen Königsklassen-Kandidat RB Leipzig. „Insgesamt gerecht und verdient“, räumte auch Gäste-Coach Ole Werner ein.

„Natürlich hätten wir eigentlich drei Punkte gebraucht, aber der eine tut jetzt gut, den nehmen wir gerne mit“, befand Alexander Blessin, der eine sehr vernünftige Vorstellung seiner Schützlinge gesehen hatte. „Ich bin sehr zufrieden“, sagte er. „Wir haben das ganze Spiel über defensiv sehr sicher gestanden, haben eine gute Struktur gegen den Ball gehabt, immer wieder Nadelstiche gesetzt, gute Ballgewinne gehabt und daraus gar nicht einmal so schlechte Chancen kreiert. Wir können schon in Führung gehen, auch wenn die meisten Spielanteile klar auf RB-Seite waren.“

Ricky-Jade Jones vergibt zweimal die St. Pauli-Führung

Tatsächlich hätten die Hausherren sogar in Führung gehen müssen in einem ersten Durchgang, den die Braun-Weißen äußerst mutig bestritten. Ricky-Jade Jones hatte gleich zwei mega Gelegenheiten (18., 21.), ließ aber beide ziemlich kläglich liegen. „Da fehlt ihm ein bisschen Kaltschnäuzigkeit“, urteilte Blessin. „Der weiß gar nicht, wie schnell er ist. Aber für mich ist wichtig, dass er die Chancen überhaupt hat.“ Auf der anderen Seite hatte St. Pauli Glück beim Pfostenschuss von Xaver Schlager (8.) und bei der Großchance von Rômulo, der Sekunden vorm Pausenpfiff aus wenigen Metern verzog (45.+2).

Leipzig schockt St. Pauli nach einem Eckball

„Im Vergleich zum Derby waren wir wieder gefährlich“, lobte Schlussmann Nikola Vasilj. „Es war wirklich ärgerlich, dass wir nicht getroffen haben – und dann bestrafen sie uns nach einem Eckball mit einem abgefälschten Schuss.“ Es war die 66. Minute, als das bis dahin nach Wiederbeginn harmlose Leipzig zu einem Eckball kam, den Manolis Saliakas per Kopf zu klären versuchte, den Ball allerdings zentral vors Tor schädelte. Dort wartete Yan Diamonde, dessen 18-Meter-Schuss von Eric Smith noch so abgelenkt wurde, dass Vasilj chancenlos war.

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„Das war wirklich unglücklich, wie schon so oft“, analysierte Vasilj. „Und wie oft haben wir darüber gesprochen, dass wir dann auch mal zurückkommen müssen, auch mal ein spätes Tor machen müssen.“ An diesem frostigen Dienstagabend sollte es endlich mal wieder gelingen, und auch das – wie beim RB-Treffer – quasi aus dem Nichts. Zwar wehrten sich die Hamburger nach Kräften gegen die drohende Pleite, aber Möglichkeiten gab es bis auf einen Kopfball von Martijn Kaars (89.) gar keine. Ebenjener Kaars aber war es dann, der gegen den ausrutschenden David Raum einen berechtigten Strafstoß herausholte und schließlich zum umjubelten Ausgleich verwandelte (90.+3).

Nikola Vasilj sieht „Lohn für harte Arbeit“

„Das war der Lohn für harte Arbeit“, urteilte Vasilj, und niemand mochte ihm widersprechen. Am Ende hatte St. Pauli nicht nur eine der offensivstärksten Mannschaften der Liga bei einem xGoals-Wert von 1,1 gehalten, sondern selbst dank des Elfmeters noch den besseren gehabt (1,54). „Es war zwar mehr drin für uns, viel mehr. Aber es war ein Punkt für den Kopf, nicht für die Tabelle, und den nehmen wir mit in der Hoffnung, dass er uns Mut und Zuversicht gibt für das nächste Spiel in drei Tagen.“

Jackson Irvine: „Realität starrt uns ins Gesicht, aber wir wissen, was zu tun ist“

Ähnlich lautete die Zusammenfassung den eingewechselten Kapitäns Jackson Irvine. „Wir müssen jedes bisschen Ermunterung nehmen, das wir kriegen können“, meinte der Australier. „Wir haben nun wieder drei Spiele, die innerhalb kurzer Zeit kommen. Nach einem Rückstand zurückzukommen gegen ein Champions-League-Team, das müssen wir mitnehmen.“ Klar, unterm Strich brauche man mehr Punkte. „Die Realität starrt uns ins Gesicht“, sagte Irvine. „Aber wir wissen, was zu tun ist.“

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