„Gegen zwölf Mann gespielt“: St. Pauli verliert und hadert
Da ist sie Geschichte, die schöne Heimserie, und das zu einem ungünstigen Zeitpunkt. Nach sechs Partien am Millerntor ohne Niederlage hat es den FC St. Pauli erwischt: Der Kiezklub verlor trotz 1:0-Pausenführung mit 1:2 gegen den SC Freiburg. Dass für die Breisgauer ein ehemaliger Braun-Weißer doppelt traf, war ärgerlich. Noch saurer stieß einigen bei den Hausherren aber die Schiedsrichterleistung auf.
Louis Oppie hielt sich diesbezüglich noch vergleichsweise zurück. „Ich bin eigentlich kein Freund davon, irgendwas auf den Schiri zu schieben, weil das liegt nicht nur an dem, wenn man ein Spiel verliert“, sagte der eingewechselte Außenverteidiger. Deswegen könne man nicht nur Florian Badstübner aus Nürnberg die Schuld geben. „Aber ja, wenn man sich ein paar Szenen anguckt, ist es klar, dass man dann sagt: Okay, hätte man vielleicht anders pfeifen können.“ Wobei sich all dies erst im zweiten Durchgang zutrug.
St. Pauli geht durch Danel Sinani in Führung
Im ersten hatten eher die Gäste Probleme mit den Entscheidungen des Referees und suchten auffällig oft den Dialog. St. Pauli konzentrierte sich da noch ausschließlich auf den Fußball – und fuhr gut damit. Von der Europapokal-Euphorie der Freiburger nach dem 5:1 vom Donnerstag gegen Genk war nahezu nichts zu sehen, die Kiezkicker verteidigten konsequent und fanden immer wieder Momente und Auslöser für Nadelstiche. Die Führung durch Danel Sinani, der nach einem Eckball von Eric Smith und einem Kopfball von Tomoya Ando aus Nahdistanz traf (24.), war nicht unverdient. „Ich finde, dass wir eine sehr, sehr gute erste Halbzeit gespielt haben und es immer wieder geschafft haben, hoch zu pressen“, urteilte auch Hauke Wahl.
Ex-Kiezkicker Igor Matanovic trifft doppelt
Doch der Abwehr-Routinier musste dann auch einräumen, dass „Freiburg in der zweiten Halbzeit aufgewacht ist“. Und einen im Sturmzentrum hatte, der bei Braun-Weiß groß geworden ist. „Als kleiner Bub habe ich hier auf der Tribüne gestanden, war auch Balljunge“, sagte Igor Matanovic, der – typischer Fall von ausgerechnet – für seine Farben zum Matchwinner wurde. Mit ein bisschen Dusel beim Ausgleich, als der Kroate eine abgefälschte Flanke von Vincenzo Grifo mit der Hüfte in die Maschen abfälschte (65.). „Das war am Ende des Tages Riesenglück“, räumte Matanovic ein.
Kiezklub-Coach Alex Blessin fehlt „jegliches Verständnis“
Seinem zweiten Streich ging dann das voraus, was vor allem Alexander Blessin enorm aufregte. „Wir haben nicht gegen elf Mann gespielt, sondern gegen zwölf“, schimpfte St. Paulis Trainer. Hintergrund: Vor dem entscheidenden Gegentreffer (78.) gab es auf der rechten Seite der Freiburger Hälfte gleich drei Aktionen gegen Hamburger, die man durchaus hätte pfeifen können. „Vielleicht sind da zwei 50:50-Situationen dabei, aber dass er nicht mindestens das Foul an Jackson Irvine pfeift, dafür fehlt mir jegliches Verständnis.“
St. Pauli verteidigt bei den Gegentoren schlecht
Zur Wahrheit gehört allerdings auch: In der Entstehung versäumten es gleich drei Kiezkicker, den Konter durch ein taktisches Foul im Mittelfeld zu unterbinden. Und dann ließ der bis dahin bärenstarke Torhüter Nikola Vasilj einen eher ungefährlichen Distanzschuss von Cyriaque Irié nach vorn abprallen, was besagter Matanovic per Abstauber zu bestrafen wusste. „Typisches Stürmertor“, meinte der 22-Jährige treffend, während Blessin eingestand: „Wir hätten beide Gegentreffer besser verteidigen können.“
Das könnte Sie auch interessieren: Die Noten zur Pleite gegen Freiburg
Das war es aus sportlicher Sicht, weil von den Hausherren in der verbleibenden Spielzeit nichts wirklich Gefährliches mehr zustande gebracht wurde. Die Beziehung zwischen Blessin und Badstübner aber wurde noch schlechter, weil der Unparteiische dem Coach wegen Reklamierens noch die Gelbe Karte unter die Nase hielt. Und das, so sagte es Blessin zunächst, „mit einem höhnischen Grinsen“. Später relativierte der 52-Jährige diese Worte und erklärte: „Die Aussage war aus der Emotion heraus und jetzt nicht unbedingt so clever.“
St. Pauli will die Akkus wieder aufladen
Und jetzt? Ist Länderspielpause. Vielleicht gar nicht so schlecht, ehe es auf die Zielgerade geht, mit drei Punkten Vorsprung auf den direkten Abstiegsplatz 17 und zwei Zählern Abstand zum definitiv rettenden Ufer. „Viele Jungs sind auf Reisen, die anderen sollen alles mal sacken lassen“, sagte Blessin. Man habe dann noch ein paar Einheiten sowie ein internes Testspiel, „aber vor allem geht es darum, die Akkus wieder aufzuladen, damit wir Ostersonntag bei Union Berlin wieder angreifen können“.
Anmerkungen oder Fehler gefunden? Schreiben Sie uns gern.