St. Paulis Adam Dzwigala (l.) und HSV-Profi Nicolai Remberg beharken sich.

Nur Frust, keine Freude: St. Paulis Adam Dzwigala (l.) und HSV-Profi Nicolai Remberg ist der Verlauf des Derbys anzusehen. Foto: imago/Claus Bergmann

„Für ein Derby war das zu wenig“: St. Pauli und der HSV im Frust vereint

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Groß waren die Erwartungen vor Hamburgs zweitem Fußball-Gipfel der Saison, umso mächtiger dann die Ernüchterung, als er vorbei war. Bei Eiseskälte zeigten sowohl der FC St. Pauli als auch der HSV viel zu wenig, um ihre Fans erwärmen zu können. Das 0:0 war das letztlich logische Resultat in dem Zitter-Derby, in dem die Angst vor einem spielentscheidenden Fehler eine große Rolle zu spielen schien.

Die Bilder, die sich beim Abpfiff einer Partie bieten, sind in der Regel bezeichnend für alles, was zuvor geschah. Als am Freitagabend der letzte Pfiff am Millerntor ertönte, sah man auf beiden Seiten Spieler, die entweder die Hände in die Hüften pressten und fragend ins Leere schauten oder aber enttäuscht in sich zusammensackten. Niemand, wirklich niemand auf dem Feld war mit dieser Nullnummer zufrieden. Sogar der eine oder andere Pfiff war von den geduldigen Fans auf den Rängen zu vernehmen. Für Millerntor-Verhältnisse eine bemerkenswerte Reaktion.

Trainer Blessin war mit dem St. Pauli-Auftritt unzufrieden

Alexander Blessin schien Verständnis zu haben. „Wir waren zu zögerlich, zu langsam“, resümierte St. Paulis Trainer. „Wir waren insgesamt nicht richtig gut drin im Spiel. Für ein Derby war mir das einfach zu wenig.“ Und auch Merlin Polzin haderte mit dem Zähler. „Man spielt ein Derby, um es zu gewinnen“, so der HSV-Coach. „Das hätten wir gern geschafft. Deshalb können wir mit dem Ergebnis auf keinen Fall zufrieden sein.“


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0:0 also. Ein Remis ohne größere Höhepunkte. Aber eben auch ein Punkt, der dem HSV momentan etwas mehr hilft als St. Pauli. Mit fünf Zählern Vorsprung auf den Rivalen waren die Rothosen auf den Kiez gereist, diesen Vorsprung nahmen sie auch mit zurück in den sieben Kilometer entfernten Volkspark. St. Pauli aber verpasste den erhofften Befreiungsschlag.

Das Stadtduell am Millerntor kam nie richtig in Fahrt

Ein Spiel, zäh wie ein langer Winterspaziergang, auf dem man irgendwann feststellt, dass man den Schal und die Handschuhe vergessen hat und noch ewig laufen muss, um wieder nach Hause zu kommen. Dabei hatten 29.183 Fans am natürlich ausverkauften Millerntor lange darauf gehofft, dass die Partie irgendwann noch richtig in Gang kommen würde. Tatsächlich aber lieferten sie mit ihren Choreografien beim Einlaufen der Mannschaften schon die farbenfrohesten und schönsten Bilder des ganzen Abends.

Fábio Vieira (l.), Eric Smith und Co. lieferten sich einige Duelle. WITTERS
Fabio Vieira behauptet sich gegen Eric Smith.
Fábio Vieira (l.), Eric Smith und Co. lieferten sich einige Duelle.

Der Rest war Magerkost. Die wenigen Chancen besaß zunächst der HSV, durch Bakery Jattas Flachschuss (St. Pauli-Keeper Nikola Vasilj parierte/25.) und Fabio Baldé (45.+3). Nach dem Wechsel versuchte es Luka Vuskovic direkt (49.) und vergab fünf Minuten darauf per Kopf die beste Chance seines Teams (54.).

St. Pauli drückte erst in der Schlussphase

Der HSV viel zu zögerlich und ohne Raffinesse, St. Pauli abwartend und teilweise fast wie paralysiert. Das änderte sich erst in der Schlussviertelstunde, als die Gastgeber dann doch etwas drückten und zu Chancen kamen. HSV-Keeper Daniel Heuer Fernandes parierte aber gegen Danel Sinani (79.) und Arkadiusz Pyrka (81.).

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Letztlich zu wenig, das merkte auch Blessin an und sah einen der Gründe in den jüngsten unglücklichen Niederlagen in Wolfsburg (1:2) und Dortmund (2:3). „Natürlich machen solche Niederlagen etwas mit dir“, sagte St. Paulis Trainer. „Dieses Spiel war jetzt kein Rückschritt, aber ich hätte gern mehr erwartet von meiner Mannschaft.“

Der HSV blieb zum zweiten Mal in Folge torlos

Eine Einschätzung, die Nicolai Remberg für die Seinen teilte. „Es fühlt sich gerade nicht wie ein guter Punkt an“, moserte der HSV-Mittelfeldmann und schaute gequält aus der Wäsche. Schon in der Vorwoche (beim 0:0 gegen Gladbach) hatte der HSV nicht getroffen, die zweite Nullnummer in Folge nervte Remberg: „Wir haben aus zwei Spielen kein Tor gemacht, das fühlt sich dann einfach nicht gut an.“ Polzin ergänzte: „Das war kein Derby, das lange in Erinnerung bleiben wird.“

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Hamburgs Stadtduell ist für diese Saison Geschichte, in Summe gehen die Vergleiche nach dem 2:0 im Hinspiel an St. Pauli. Für den Kiezklub nur ein schwacher Trost. Offen, ob sich die beiden Vereine in der kommenden Saison wiedersehen. Die am Millerntor gezeigte Leistung lässt diesbezüglich beidseitig Fragen zu.

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