St. Pauli-Hammer! Finanzchef verlässt den Kiezklub – was dahinter steckt
Diese Nachricht kommt für viele überraschend und mitten im sportlichen Klassenkampf. Der FC St. Pauli gibt einen prominenten Abgang bekannt, allerdings nicht im sportlichen Bereich, sondern in der Führungsetage. Wilken Engelbracht, Kaufmännischer Leiter des Kiezklubs, wird den Verein am Saisonende verlassen. Die Bekanntgabe ist ein Vorbote größerer Veränderungen in der Vereinsführung – und hat auch mit dem Präsidenten zu tun. Was dahinter steckt.
Noch im November hatte Engelbracht die Ehre, auf der Mitgliederversammlung zu verkünden, dass der des FC St. Pauli im zurückliegenden Geschäftsjahr die magische Marke von 100 Millionen Euro Umsatz durchbrochen hat. Daran hatte er als Verantwortlicher für die Bereiche Wirtschaft und Finanzen maßgeblichen Anteil. Er referierte über den Erfolg der Genossenschaft, sprach nach dem offiziellen Teil der Veranstaltung eingehend über den wichtigen Ausbau des Trainingsgeländes sowie des Millerntorstadions. Die beiden zentralen Projekte des Vereins werden bald ohne sein Zutun weitergehen.
Wilken Engelbracht verlässt St. Pauli im Sommer
Engelbracht, der seit November 2023 bei den Braun-Weißen an Bord ist, verlässt St. Pauli auf eigenen „Wunsch“, wolle sich „beruflich neu orientieren“, wie es in einer am Donnerstag veröffentlichten Pressemitteilung heißt. Bereits am Vormittag hatte der Kiezklub in einem „Townhall-Meeting“ die Mitarbeitenden über die Veränderungen informiert.
Präsident Oke Göttlich dankte dem 52-Jährigen für seine geleistete Arbeit. „Wilken Engelbracht hat den Verein auf seinem Weg der wirtschaftlichen Konsolidierung weiter vorangebracht und wichtige Projekte mit vollem Einsatz und Erfolg umgesetzt“, wird Göttlich in der Vereinsmitteilung zitiert. Der Klub wünsche ihm „schon jetzt für die Zukunft alles erdenklich Gute.“
St. Pauli strukturiert die Führungsebene um
Engelbracht selbst äußert sich wie folgt zu seinem angekündigten Abschied: „Der FC St. Pauli ist und bleibt ein außergewöhnlicher Verein, der konsequent seinen Kurs hält. Die vergangenen Jahre waren intensiv und erfolgreich. Aber auch wenn all die gemeinsam erreichten guten Zahlen wichtig sind, was letztendlich wirklich für mich zählt, sind die vielen wunderbaren Menschen, die ich in meiner Zeit am Millerntor kennenlernen durfte. Ich werde Euch ab Saisonende vermissen! Ich danke dem Verein für das große Vertrauen der vergangenen Jahre!“
Im Zuge der Gespräche über Engelbrachts Rückzug strukturiert St. Pauli die Führungsebene um, wird sie „weiterentwickeln und demokratisch legitimierte Gremien im operativen Geschäft stärker verankern“, wie es heißt. Ziel sei es, „den Charakter des FC St. Pauli als mitgliedergeführten Verein künftig noch stärker im operativen Geschäft zu verankern.“
Mehr Spielraum und Verantwortung für das Präsidium
Die bisherigen Aufgaben der Kaufmännischen Geschäftsleitung werden „neu verortet“. Die dafür relevanten Bereiche „berichten zukünftig direkt an das Präsidium“. Ziel seien klarere Zuständigkeiten, kürzere Entscheidungswege und „eine stärkere demokratische Legitimation der Entscheidungen“. Heißt: Das Präsidium führt und gestaltet noch stärker als bisher.
„Wir stärken bewusst die Verantwortung der von den Mitgliedern gewählten Gremien“, sagt Vizepräsidentin Hanna Obersteller. „Das Präsidium nimmt seine satzungsgemäße Verantwortung künftig noch stärker wahr und geht bewusster in den operativen Lead.“ Obersteller ist als hauptberufliche Finanzexpertin und Organisationsentwicklerin die logische Person, die im Präsidium Verantwortungen und Aufgaben aus dem Bereich von Engelbracht übernimmt. Dass sie in der Vereinsmitteilung zitiert wird, darf durchaus als Hinweis interpretiert werden, dass Obersteller künftig auch stärker in den Fokus rücken könnte.
Hannah Obersteller übernimmt mehr Aufgaben
Hintergrund der internen Verschiebungen und Neuordnungen der Kompetenzbereiche ist auch, dass sich Oke Göttlich seit seiner Wiederwahl im November vergangenen Jahres in seiner vierten und satzungsgemäß letzten Amtszeit befindet. Er wird spätestens 2029 aus dem Präsidentenamt ausscheiden. Der Kiezklub will aber schon vorher den Übergang gestalten, hat auch deshalb mit dem Votum der Mitgliedschaft per Satzungsänderung den Weg für eine Doppelspitze freigemacht. Gut möglich, dass es eine solche Doppelspitze schon ab der Halbzeit von Göttlichs letzter Amtszeit geben wird. Obersteller wäre eine logische Kandidatin, Präsidiums-Kollegin Luise Gottberg, die bei den vergangenen beiden Präsidiumswahlen jeweils das beste Ergebnis erzielt hatte, ebenfalls – möglicherweise aber erst für eine Doppelspitze nach Göttlichs endgültigem Abtritt.
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