Fan-Zoff: Darum hat St. Pauli beim Hopp-Klub ein Heimspiel
8000 Fans am Freitagabend in Dortmund, 5000 am Dienstagabend in Leipzig – der FC St. Pauli darf sich über eine reisefreudige Anhängerschaft freuen. „Dass uns immer eine kleine Wand unterstützt, ist super cool und gibt uns ein gutes Gefühl“, würdigte Trainer Alexander Blessin die Auswärtsfahrer. Das Spiel bei der TSG Hoffenheim am Samstag könnte sogar zu einem Heimspiel in der Fremde werden, da der von Software-Milliardär Dietmar Hopp nach oben beförderte Klub derzeit Probleme mit seiner eigenen Anhängerschaft hat.
Ab in den Süden! Die 3000 Karten, die der FC St. Pauli als reguläres Auswärtskontingent zur Verfügung gestellt bekam, waren im Nu weg. Da der Kiezklub sich bundesweiter Beliebtheit erfreut und die TSG Hoffenheim deutliche Schwierigkeiten hat, seine 30.150 Personen fassende PreZero Arena zu füllen, dürften sich auch etliche St. Pauli-Fans mit einem Ticket eingedeckt haben, das eigentlich für Heimfans vorgesehen war.
St. Pauli-Fans reisen sechs Stunden nach Hoffenheim
Das DFB-Pokal-Spiel der Hoffenheimer gegen Nürnberg (2:1) am Mittwoch wollten nur 18.000 Zuschauer sehen, darunter gut 5000 Auswärtsfans, die für wesentlich mehr Stimmung sorgten als die TSG-Sympathisanten. St. Pauli könnte die Arena in Sinsheim ähnlich kapern wie Schalke 04, das im Frühjahr 2023 sogar satte 15.000 Fans in den Südwesten mitbrachte.
Um 7.23 Uhr startet am Hamburger Hauptbahnhof der Zug gen Süden, in dem drei Abteile für St. Pauli-Fans reserviert sind. Eine Sechs-Stunden-Reise mit Umstiegen in Frankfurt und Heidelberg. Die Gruppenfahrer dürften spätestens in der Arena auf viele braun-weiße Nicht-Hamburger treffen, etwa vom Fanklub „Südzecken“, der im September sein 25-jähriges Bestehen feierte. Vorher steigen sie am Bahnhof „Sinsheim Museum/Arena“ aus, was durchaus zusammenpasst. Denn in der PreZero Arena ist es derzeit oft ungefähr so laut wie in einem Museum.
Dietmar Hopp zieht bei Hoffenheim immer noch die Fäden
Die Trennung vom langjährigen Manager Alexander Rosen im Sommer hat vor allem die Hoffenheimer Ultras auf die Barrikaden gebracht. Sie vermuten, dass Mäzen Dietmar Hopp immer noch im Hintergrund die Fäden zieht, obwohl er seine Stimmenmehrheit abgegeben hat und die TSG in den Schoß der 50+1-Vereine zurückgekehrt ist. Die Ultra-Gruppe „Crescendo Hohenlohe 07“ erklärte, aus Protest „auf unbestimmte Zeit auf Support, Choreos und sämtliche optische Unterstützung zu verzichten“. Dass der Verein den Hardcore-Fans verbot, ihre Spieltags-Utensilien im Stadion zu lagern, trug nicht zur Versöhnung bei.
Der neue Vereinspräsident Jörg Albrecht konnte die Wogen bislang nicht glätten. Vor vier Wochen wurde der CDU-Politiker mit gerade 69 Prozent der Stimmen gegen einen Fan-Vertreter ins Amt gewählt. Die Region Hoffenheim ist überschaubar – bis zwei Tage vor seiner Wahl war Albrecht noch Oberbürgermeister von Sinsheim, der 36.000-Einwohner-Stadt, von der Hoffenheim ein Teil ist.
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Kein allzu lauter, derzeit. „Die PreZero Arena ist keine Bibliothek“, stellte TSG-Torwart und Kapitän Oliver Baumann unlängst fest. Es war als Aufforderung an die eigenen Fans gemeint, den Stimmungs-Boykott zu beenden und die Mannschaft wieder zu unterstützen. Museum, Bibliothek, Arena – am Samstag dürften jedenfalls St. Pauli-Fans den Ton angeben.