Fan-Wandel in Wolfsburg: St. Pauli-Legende Hain bemerkt ihn auch an den Kids
Am Montag war er mal wieder in Hamburg. Im falschen Stadion zwar, aber da hatte Mathias Hain keinen Einfluss drauf. Die „Mikro-Gruppe Nord“ seines einstigen Torwarttrainer-Lizenzlehrgangs des DFB traf sich zwecks Weiterbildung im Volkspark, ansonsten hält es der 52-Jährige natürlich weiterhin vor allem mit dem FC St. Pauli. Wobei sein langjähriger Ex-Klub am Samstag Gegner ist von Hains aktuellem Arbeitgeber.
Als Keeper-Scout arbeitet der ehemalige Schlussmann und Torwarttrainer der Braun-Weißen für den VfL Wolfsburg, „und ich fühle mich sehr wohl, habe einen tollen, super interessanten Job“, sagte er im Gespräch mit der MOPO. Er könne viel selbständig arbeiten und habe zudem „eine gute Chemie“ mit dem Wolfsburger Keeper-Coach Pascal Formann. „Ich kenne ihn schon seit Ewigkeiten, er war damals bei uns in Bielefeld Jung-Profi.“
Auch Cheftrainer Ralph Hasenhüttl ist für Hain kein Unbekannter. „Wir haben seinerzeit bei Greuther Fürth zusammengespielt“, erklärte er, wobei seine Einbindung in die Arbeit des Österreichers überschaubar sei: „Es ist jetzt nicht so, dass wir tagtäglich diskutieren.“
Hain freut sich über die Entwicklung beim VfL Wolfsburg
Wäre auch gar nicht nötig, denn es läuft beim VfL. Die Entwicklungskurve der vergangenen Monate zeigt im Grunde dauerhaft nach oben. „Die Mannschaft hat sich gefunden, die Abläufe passen immer besser und sie legt eine Robustheit an den Tag, um auch mit Rückschlägen und Rückständen umgehen zu können“, lautet Hains Analyse. Nach dem 2:1 von Bremen beträgt der Rückstand auf die internationalen Plätze nur noch einen Zähler.
Als Mensch der Region weiß Hain, der in Goslar geboren wurde, in Schladen/Harz lebt, bei Eintracht Braunschweig ausgebildet worden ist und dort auch zum Profi wurde, um die Schwierigkeit der Wölfe, einen Platz in noch mehr Köpfen und Herzen zu finden als bisher geschehen. 129 Fanklubs hat der VfL, fast alle davon in der Stadt oder Umgebung. Während St. Pauli weltweit über 700 Fanklubs zählt, kommt auch Braunschweig immer noch auf doppelt so viele wie der VfL.
„Du hast es schwer“: VfL bringt es auf nur 129 Fanklubs
„Natürlich hast du es schwer, wenn du aus einer anderen Historie kommst, relativ spät in die Bundesliga aufgestiegen bist“, weiß Hain. „Der VfL ist immer dringeblieben, war Meister, Pokalsieger, hat Champions League gespielt. Und trotzdem musst du dich behaupten in einem Einzugsgebiet, wo es zuvor schon lange Eintracht Braunschweig, Hannover 96 und auch Werder Bremen gegeben hat. Das ist nicht einfach.“ Aber auf einem guten Weg.
„Viele Kids bei mir zu Hause in der Vorharz-Region laufen mit einem VfL-Trikot rum“, hat Hain registriert. „Viele Eltern aus meinem Bekanntenkreis haben oder hatten Dauerkarten, fahren auf jeden Fall regelmäßig ins Stadion.“ Es gehe ja schließlich um Bundesliga, „man kann die großen Klubs schauen, die Stars“. Und am Ende aber vor allem auch um innige Bindung. „Was ich wahrgenommen habe in Wolfsburg: Die Leute sind sehr herzlich und stolz auf den Klub, der tief verankert ist in der Stadt.“
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Am Samstag wird Mathias Hain natürlich im Stadion sein. Mit seiner Tochter, die seit seiner Zeit auf dem Kiez glühender St. Pauli-Fan ist. Auch er hat den Bezug zu Braun-Weiß nie verloren, verfolgt zurzeit die emotionale Debatte um „Das Herz von St. Pauli“ mit großem Interesse. Dennoch haben sich die Prioritäten verschoben, zumindest für diesen 8. März 2025. „Von mir aus kann St. Pauli die restlichen Saisonspiele alle gewinnen“, wünscht sich Hain, um sogleich hinzuzufügen: „Aber erst nach diesem Samstag.“