Luise Gottberg bei der Mitgliederversammlung des FC St. Pauli

Ist in Sachen Fanthemen bestens informiert: St. Paulis Vizepräsidentin Luise Gottberg Foto: WITTERS

Fan-Proteste auch am Millerntor: St. Pauli-Bosse finden deutliche Worte

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Lange köchelte das Süppchen unterm Deckel vor sich hin, doch spätestens seit diesem Wochenende ist es in aller Munde. Die drohenden Verschärfungen bei der Vorgehensweise gegen Fußballfans haben überall im Land Proteste hervorgerufen – und die Anhänger sind nicht alleine. Zahlreiche Klubs haben mittlerweile Stellung bezogen, für die MOPO hat nun auch der FC St. Pauli vorm Duell gegen Union Berlin passende Worte gefunden.

In Leipzig hatten am vergangenen Wochenende mehrere Tausend Menschen unter dem Motto „Der Fußball ist sicher! Schluss mit Populismus – Ja zur Fankultur!“ gegen das von Fanseite befürchtete Vorhaben der Innenministerkonferenz (IMK) demonstriert, künftig rund um die Stadien härter vorzugehen. Laut Polizeiangaben waren etwa 8000 Anhänger von 38 Klubs dabei. Vom Dachverband der Fanhilfen hieß es, es seien mehr als 20.000 Fans von über 50 Vereinen gewesen.

St. Pauli-Boss Göttlich kritisiert mangelnde Fanbeteiligung

An diesem Spieltag hat sich der Protest in die Stadien verlegt. Überall schwiegen oder schweigen die Kurven in den ersten zwölf Spielminuten, das wird am Millerntor nicht anders sein, wenn es gegen die Eisernen geht. Doch auch die Klubs sind gefragt. „Vereine: Es geht nur gemeinsam! Wir Fans haben letztes Wochenende über Rivalitäten, Farben und Ansichten hinweg eine starke Einheit gebildet und unsere Haltung zum Ausdruck gebracht. Nun seid ihr an der Reihe!“, heißt es in einem Aufruf. Fans befürchten eine Personalisierung von Eintrittskarten, Stadionverbote auf Verdacht und die Einführung KI-gestützter Gesichtserkennung. Die Innenminister der Länder tagen vom 3. bis 5. Dezember in Bremen.

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Dass die drohenden Maßnahmen aufs Arbeitspapier kamen, ohne auch nur einmal Fanvertreter:innen dazu gehört zu haben, ist etwas, was unter anderem Kiezklub-Boss Oke Göttlich stark kritisiert. „Wir müssen über bessere Beteiligungsformate für Fans und deren Vertretungen in den Verbänden sprechen“, sagte er. Vonseiten des DFB und der DFL haben die Fans inzwischen Rückendeckung erhalten. Bei einer Sondersitzung der Kommission Fans und Fankulturen in der vergangenen Wochen hätten DFB-Präsident Bernd Neuendorf, DFL-Geschäftsführer Marc Lenz und die weiteren Kommissionsmitglieder geäußert, dass kollektiv wirkende behördliche Maßnahmen weder mit Blick auf eine Verbesserung der Stadionsicherheit zielführend noch für die vielen Millionen von Fußballfans vermittelbar seien, die von diesen Maßnahmen betroffen wären. „Dies meint ausdrücklich Maßnahmen wie die Reduzierung beziehungsweise Streichung von Kartenkontingenten für Gästefans oder die Verpflichtung zur Personalisierung und die damit verbundene Identifizierung beim Einlass.“

Fan-Proteste: Kiezklub-Vize Luise Gottberg positioniert sich eindeutig

St. Paulis Vizepräsidenten Luise Gottberg, mit derlei Themen bestens vertraut, machte aus ihrem Herzen auch keine Mördergrube. „Rechtsstaatlichkeit gilt auch für Fußballfans“, mahnte sie an. Faire Verfahren seien ein elementarer Bestandteil davon. „Die im Raum stehende Verschärfung der Stadionverbotsrichtlinien tragen nicht zu einer Verbesserung bei.“ Die Abkehr von der Soll-Vorschrift hin zur gebundenen Entscheidung über die Verhängung von Stadionverboten bei Einleitung eines Ermittlungsverfahrens seitens der Strafverfolgungsbehörden bleibe „kritikwürdig. Die Möglichkeiten für Betroffene, sich im Falle ungerechtfertigter Beschuldigungen zu wehren, werden hierdurch ohne Not erheblich eingeschränkt“.

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