FC St. Pauli
Falschen Job ausgesucht? St. Paulis neuer Leader Hrgota über seine Rolle in Hamburg
Sportlich ist der Mann über jeden Zweifel erhaben. Trotz fortgeschrittenen Fußballer-Alters soll Branimir Hrgota den FC St. Pauli nach vorn bringen – und scheint auch als Typ bestens dafür geeignet.
Er ist gewiss der bisherige Königstransfer des FC St. Pauli in Bezug auf die kommende Saison. Der Name Branimir Hrgota dürfte jedem, der sich in jüngerer Vergangenheit mit der 2. Liga auseinandergesetzt hat, längst ein Begriff sein. An seinen sportlichen Qualitäten gibt es keinerlei Zweifel, aber was ist der 33-Jährige für ein Typ, inwieweit passt er zu Braun-Weiß? Die Antworten darauf gab es in seiner ersten Medienrunde am Montag im Rahmen des Trainingslagers von Flachau.
Um es vorwegzunehmen: Hrgota reiht sich – so der erste Eindruck – nahtlos ein in die Neuverpflichtungen der vergangenen Jahre, die charakterlich herausragend auf den Kiez passen. Der Schwede, Papa einer kleinen Tochter (4) und eines noch kleineren Jungen (2), ist Familienmensch durch und durch, braucht ein gewisses Wohlgefühl, um irgendwo heimisch zu werden, und hat das längst gefunden. In Deutschland im Allgemeinen, in Hamburg im Speziellen.
Branimir Hrgota wurde „sehr, sehr gut“ beim FC St. Pauli aufgenommen
„Die Jungs haben mich sehr, sehr gut aufgenommen“, sagte er über seine ersten zwei Wochen beim neuen Verein. „Ich finde, man kommt sehr, sehr schnell in die Gruppe rein. Es sind sehr nette Kerls und es macht Spaß, wieder auf dem Fußballplatz zusammen zu sein.“ Dazu muss man wissen, dass Hrgota eine solche Situation in seiner gesamten Karriere erst zum vierten Mal durchlebt hat. Nach seinem Wechsel von Jönköping-Södra IF aus der Heimat zu Borussia Mönchengladbach (2012) noch 2016, als er nach Frankfurt ging, 2019 bei seinem Wechsel nach Fürth und eben jetzt.
Kiezklub-Neuzugang Branimir Hrgota ist ein absoluter Familienmensch
„Wenn man sich irgendwo wohlfühlt, dann möchte man natürlich auch gerne da bleiben“, erklärte Hrgota. Dafür hat er sich eigentlich den falschen Job ausgesucht. „Ja, normalerweise schon“, sagte er lächelnd. „Aber ich bin ja auch ein Typ, der sehr an seine Familie denkt. Klar, da braucht es auch Vereine, die im Vertrauen hinter einem stehen müssen.“ Dazu noch eine Prise Bauchgefühl, und schon wisse er, „was das Beste ist für mich und für meine Familie. Deswegen bin ich auch hier“.
Das macht es einfacher für den Spieler, wenn man weiß, dass die Leute von oben sehr viel Vertrauen in dich haben.
Hervorragende Gespräche habe er gehabt mit Trainer Marcel Rapp und Sportchef Andreas Bornemann. „Die haben sich sehr gefreut, mit mir in Kontakt zu kommen. Das macht es auch einfacher für den Spieler, wenn man weiß, dass die Leute von oben auch sehr viel Vertrauen in dich haben.“ Es sei schon ein wichtiger Punkt für ihn gewesen, „dass die beiden das möchten und nicht nur einer von ihnen“. Zudem habe er viele schöne Dinge über Hamburg gehört, es sei nah dran an Schweden – letztlich habe es viele Argumente gegeben, bei St. Pauli zu unterschreiben.
St. Paulis Branimir Hrgota kennt die 2. Liga aus dem Effeff
Dazu zählt irgendwo auch die Liga, auch wenn er die nach 195 Einsätzen aus dem Effeff kennt. Fußball in Deutschland, sagt Branimir Hrgota, den alle nur „Brane“ rufen, sei einfach schön. „Die Stadien, wie die Leute Fußball lieben, die Vereine – ich fühle mich in Deutschland sehr wohl, meine Familie fühlt sich hier sehr wohl. Das ist schon ein überragendes Land, vor allem für Fußball.“
Dass er auf dem Kiez gleich Verantwortung schultern wird müssen, nimmt er dabei nicht nur gerne in Kauf, er hat sogar merklich Bock drauf. „Ich glaube, Führungsspieler zu werden, ist letztendlich eigentlich nicht so schwer“, befand er. „Du musst einfach der Mannschaft helfen, du musst mit deinen Skills vorangehen. Aber es ist nicht nur, was man auf dem Platz macht, sondern auch daneben. Ich finde, dass es vor allem hier in dieser Mannschaft sehr, sehr einfach ist.“
Mit St. Pauli trifft Hrgota gleich am ersten Spieltag auf Ex-Klub Fürth
Wobei unklar ist und noch länger bleiben wird, wie sich der Kader schlussendlich tatsächlich zusammensetzen wird. Das kennt Hrgota zur Genüge und kann ihn nicht mehr überraschen. „Das Fußballbusiness ist einfach so, wie es ist“, sagte er achselzuckend. „Und ich glaube, daran hat man sich langsam gewöhnt. Es kommen Spieler, es gehen Spieler. Es gehört einfach dazu.“ Unabhängig davon hat er bereits den Eindruck, „sehr gutes Niveau“ in seiner neuen Mannschaft vorzufinden.
Mit der geht es am ersten Spieltag gleich gegen den Ex. Sieben lange Jahre hat er bei der SpVgg Greuther Fürth zugebracht, 242-mal das Kleeblatt-Trikot getragen. Dass schon im ersten Match im neuen Outfit die alte Heimat Gegner ist, „wird speziell“, räumte Hrgota ein. „Die Tage davor werden sicherlich aufregend, aber wenn man dann auf dem Platz steht, denkt man nicht mehr so viel darüber nach.“
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