FC St. Pauli
Extrem kuriose Slapstick-Tore im St. Pauli-Test: Hara im Glück, Mathisen im Pech
Hara feiert kurioses Premieren-Tor. Auch Kaars trifft. Hat Rapp schon seine Startelf für den Zweitliga-Auftakt gegen Fürth?
Der FC St. Pauli hat seinen letzten Test vor dem Zweitliga-Start bestanden. Gegen den spanischen Erstliga-Aufsteiger Deportivo A Coruña gab es am Millerntor nach 120 Minuten ein 2:2, das schon nach 90 Minuten auf der Anzeigetafel stand. St. Paulis neuer Coach Marcel Rapp sorgte für eine Überraschung.
Und zwar schon vor dem Anpfiff: Rapp beorderte den bislang unglücklichen Winter-Zugang Taichi Hara in die Startelf. Der japanische Stürmer kam in der Bundesliga-Rückrunde kaum zum Zuge und bildete nun mit Martijn Kaars eine Doppelspitze. Endlich eine Chance für den 27-Jährigen – und er nutzte sie! St. Pauli bestimmte in der Anfangsphase das Spiel, doch mehr als eine frühe Freistoß-Gelegenheit durch Arkadiusz Pyrka (2.) sprang dabei nicht heraus. Deportivo-Keeper Luis Román faustete seinen Schuss zur Ecke.
Haras Köpfchen bringt St. Pauli die Führung
Román stand eine Viertelstunde später erneut im Mittelpunkt, als er einen Ball ohne Not an den Kopf von Hara (17.) spielte, von dem die Kugel zurück ins Tor prallte. Unverhoffter Jubel bei den 17.139 Zuschauer:innen (die Nordseite und Teile der Haupttribüne waren frei geblieben), die zum Millerntor-Saisonauftakt eine stattliche Kulisse bildeten. Und erst recht bei Hara, der nach vier Bundesliga-Einsätzen mit nur 23 Minuten Spielzeit auf kuriose Weise sein Premieren-Tor für Braun-Weiß feierte.
Mit St. Paulis Führung wurde A Coruña aktiver, wobei St. Paulis Abwehr die galizischen Offensivkräfte um den ehemaligen Bundesliga-Torschützenkönig Pierre-Emerick Aubameyang weitgehend im Griff hatte. Verteidiger David Nemeth trug die Kapitänsbinde. Vorjahreskapitän Jackson Irvine, nach seiner WM-Teilnahme mit Australien noch mit Trainingsrückstand, wurde auf dem Spielberichtsbogen nicht einmal unter den fehlenden Spielern aufgeführt. Coach Rapp möchte sich Anfang nächster Woche entscheiden, wer die Binde durch die Zweitliga-Stadien tragen soll.
Fujita und Hrgota wirbeln zusammen
St. Paulis Wechsel-Kandidat Joel Fujita (26.) hatte eine weitere Gelegenheit, als er seinen Fuß in einen Schuss von Mathias Rasmussen hielt – Román war aber diesmal zur Stelle und parierte. Das Zusammenspiel Fujitas mit Offensiv-Zugang Barnimir Hrgota sorgte für einige Höhepunkte in den ersten 45 Minuten, nach denen St. Pauli mit 1:0 führte – nur, weil Kaars (45.) nach einer Ecke von Hrgota am langen Pfosten das 2:0 verpasste.
Nach der Pause stand wieder Hara (48.) im Mittelpunkt, der nach einem Strafraum-Zweikampf mit Bright Ede einen Elfmeter forderte, weil er am Trikot gezogen wurde. Der Hamburger Schiedsrichter Jarno Wienfeld ließ allerdings weiterspielen. Einen Videobeweis gab es ebensowenig wie verordnete Trinkpausen, eine willkommene Abwechslung zur XXL-Weltmeisterschaft.
Nemeth verpasst, Ede gleicht aus
Kurz darauf setzte Kapitän Nemeth (51.) nach Flanke von Pyrka einen Kopfball knapp neben den linken Pfosten. Der agile Pyrka bediente auch Kaars (53.), der den Ball übers Tor schoss – eine Woche vor dem Zweitliga-Spiel gegen Fürth jagte die vermeintliche Stammformation nach dem zweiten Treffer.
Erstliga-Aufsteiger A Coruña hat noch eine Woche mehr Vorbereitungszeit, beschloss aber nach einer knappen Stunde, auch offensiv am Spiel teilzunehmen. Und dabei deckte Deportivo schnell einige Schwächen in der braun-weißen Hintermannschaft auf. Luismi Cruz und Diego Villares (59.) scheiterten noch, aber nach einer Ecke von Cruz köpfte Ede (60.) zum 1:1 ein. Rasmussen (62.) verhinderte mit einem gewonnenen Zweikampf gegen Aubameyang Schlimmeres.
Kaars wie einst in Magdeburg
Danach nahmen die Gäste gleich acht Wechsel vor, während Rapp in der 69. Minute den Torschützen Hara durch Ricky-Jade Jones ersetzte. Gegen den noch unsortierten Gegner sorgten wieder einmal Fujita und Hrgota für Wirbel. Nach deren Vorarbeit nahm Kaars (72.) kurz vor dem Strafraum genau Maß und schoss den Ball zum 2:1 in den rechten Giebel. Ein Traumtor, das dem Niederländer Mut machen dürfte, dass er an seine Zweitliga-Goalgetter-Zeiten aus Magdeburg auch im braun-weißen Dress anknüpfen kann.
Zum Sieg nach 90 Minuten reichte dies nicht, weil ein abgefälschter Schuss von Zakaria Eddahchouri (84.) unerreichbar für Ben Voll ins Netz trudelte. Marcus Mathisen war der Pechvogel, der seinem Torhüter keine Chance ließ. Unentschieden nach 90 Minuten – der passende Spielstand für eine halbe Stunde Verlängerung, die beide Teams schon im Vorfeld vereinbart hatten, um die Testspiel-Gelegenheit auszuschöpfen.
Zu Beginn der Verlängerung tauschte Rapp gleich acht Spieler aus, sodass nach drei vorherigen Wechseln kein Kicker aus der Startelf mehr auf dem Platz stand. Im Grunde spielten nun die B-Formationen beider Mannschaften gegeneinander – entsprechend zäh verlief das Geschehen, gemessen an der beschwingten regulären Spielzeit. Fast ohne größere Einschussmöglichkeiten lief die Uhr herunter. Jones (117.) besaß noch die beste, fand aber in Deportivos Ersatzkeeper Germán Parreño seinen Meister.
2:2 gegen einen Erstligisten aus dem Land des Weltmeisters. Das klingt dem Ergebnis nach gut – und auch danach, dass Rapp seine Lieblingsformation fast schon gefunden hat. Bleibt die Frage, ob Premieren-Torschütze Hara auch gegen Fürth eine Startelf-Chance bekommt.
FC St. Pauli: Voll (91. Spari)– Ando (91. Robatsch), Mathisen (91. Ritzka), Nemeth (89. Dzwigala) – Pyrka (91. Westphal), Rasmussen (91. Schmitz), Fujita (91. St. John, 119. Schmidt), Oppie (91. Ahlstrand) – Hrgota (91. Sabah) – Kaars (85. Banks), Hara (69. Jones)
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