Experte Bartels: „Relegation wäre für St. Pauli ein großer Erfolg“

Senne Lynen von Werder Bremen im Zweikampf mit St. Pauli-Profi Jackson Irvine
Jackson Irvine (r.) und St. Pauli können Werder (hier Senne ​​​​​​​Lynen) mit einem Sieg überholen.

Zwei Vereine, miteinander in Sympathie verbunden und auch in der Tabelle Nachbarn – in einer brandgefährlichen Region. Am Sonntag empfängt der FC St. Pauli den SV Werder Bremen zu einem wegweisenden Duell im Klassenkampf. Vorletzter gegen Drittletzter. Für beide Mannschaften und Vereine steht verdammt viel auf dem Spiel. Die Kiezkicker wollen die große Chance nutzen, den direkten Keller-Konkurrenten mit einem Sieg zu überholen, Werder wiederum will nach zwölf Spielen ohne Sieg endlich den freien Fall stoppen und einen Befreiungsschlag unter dem neuen Trainer landen. Der Ausgang der Partie kann von enormer Dynamik und Tragweite sein. Sagt auch Fin Bartels, der für beide Vereine spielte, Abstiegskampf inklusive – und mit der MOPO über das heiße Nordduell und die Chancen seiner Ex-Klubs spricht, erstklassig zu bleiben.

Er hat sich schon mal mehr gefreut auf eine Partie der Braun-Weißen gegen die Grün-Weißen. Der Blick auf das Bundesliga-Tableau erklärt alles. „Ich hätte mir dieses Duell weiter oben in der Tabelle gewünscht“, bekennt der 39-jährige Ex-Profi. „Das ist ein extrem wichtiges und wegweisendes Spiel für beide Vereine. Ich werde das nicht ganz so entspannt gucken.“

Fin Bartels spielte für St. Pauli und Werder Bremen

Kann St. Pauli (17 Punkte) zwei Wochen nach dem 2:1-Coup gegen Stuttgart erneut einen Heimsieg landen? Können die Bremer (19 Punkte) ihre dramatische Durststrecke von zwölf sieglosen Spielen durchbrechen? „Das ist ein Spiel, in dem beide Mannschaften eine echte Wende schaffen können und eigentlich auch müssen“, weiß Bartels, der von 2010 bis 2014 für St. Pauli und von 2014 bis 2020 für Bremen spielte und das Geschehen bei beiden Vereinen mit großem Interesse und viel Sympathie verfolgt. „Da geht es nicht nur um die Punkte, sondern um den Trend, die Gefühlslage, den Glauben, die Stimmung im ganzen Verein und Umfeld. Wer gewinnt, hat Aufwind. Wer verliert, hat ein ernsthaftes Problem. Ein Remis hilft auch keinem so richtig weiter.“

Fin Bartels bei der Eröffnung der Kieler Woche
Fin Bartels (39) hat im Norden für Kiel, Rostock, St. Pauli und Werder Bremen gespielt. 2023 beendete er seine Profi-Karriere.

Druck haben beide Klubs, ebenso eine Riesen-Chance. „St. Pauli könnte mit dem zweiten Heimsieg in Serie eine Mini-Euphorie entfachen und Werder überholen“, sagt Bartels. Eine Niederlage wiederum und dann fünf Punkte Rückstand auf Bremen wären seiner Meinung nach „mehr als ein Dämpfer“. Und Werder? „In Bremen ist die Situation prekärer, denn die stecken noch in der langen Sieglos-Serie und haben schon den Trainer gewechselt“, sagt der Kieler, der Abstiegskampf kennt und aus Erfahrung spricht. Daniel Thioune ist nach der Beurlaubung von Horst Steffen am Ruder, bislang ohne Erfolg. „Sollte Werder auch das dritte Spiel unter dem neuen Trainer verlieren, dann macht das was mit einer Mannschaft – das ist dann schwer für die Köpfe. Ein Sieg wäre wiederum ein Befreiungsschlag, der neue Kräfte freisetzen kann.“

Für Bartels ist der Absturz der Bremer eine negative Überraschung. „Dass Werder im Keller steckt, damit war nicht zu rechnen. Bei St. Pauli war eigentlich von Anfang an klar, dass es wieder nur um den Klassenerhalt geht und um nichts anderes.“ Einen Vorteil der Hamburger im Klassenkampf sieht Bartels deshalb aber nicht: „Werder hat meiner Meinung nach die besseren Grundvoraussetzungen, mindestens das rettende Ufer zu erreichen.“ Der Kader sei stärker.

St. Pauli und Werder Bremen schießen zu wenig Tore

Der Grund dafür, dass Braun-Weiß und Grün-Weiß im Keller kauern, sei der gleiche. „Beide Mannschaften haben gemeinsam, dass sie zu wenig Tore schießen. Das ist das größte Problem“, sagt Bartels. Eines, das sich in seinen Augen bei den Kiezkickern durch die Rückbesinnung auf den Defensiv-Ansatz noch verstärkt hat. „Ich finde, dass St. Pauli in der Phase der vielen Niederlagen teilweise besseren Fußball gespielt hat als in den letzten Wochen, im Derby zum Beispiel“, erinnert er. „Da habe ich mich gefragt: Wie wollen sie auf diese Weise Spiele gewinnen?“

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Die Lage bei beiden Klubs sei gefährlich, aber noch nicht dramatisch, findet Bartels: „Es sind noch viele Spieltage zu spielen und Punkte im Topf. Bis Platz neun ist eigentlich noch keiner sicher. Heidenheim wird aus meiner Sicht ganz unten bleiben, Wolfsburg könnte es noch erwischen.“ Seine Prognose für St. Pauli und Werder: „Noch bin ich optimistisch, dass einer von beiden Klubs direkt die Klasse hält und der andere es über die Relegation packt.“ Bartels bekräftigt: „Für St. Pauli wäre nach dem bisherigen Saisonverlauf die Relegation ein großer Erfolg.“

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Konjunktiv. Es ist erst der 23. Spieltag, aber einer, der womöglich Weichen stellt, wie auch Bartels ahnt: „Dieses Spiel kann viel auslösen und verändern.“ Im Guten wie im Schlechten.