Ex-St. Pauli-Talentsucher: „Das Scouting hat sich verändert – nicht nur zum Vorteil“
Etwas mehr als eine Dekade ist es jetzt her, dass Lars Mrosko die eigene Messlatte sehr hoch gelegt hat. „Mroskos Talente“, das er zusammen mit Autor Ronald Reng geschrieben hatte, schlug nach Veröffentlichung im August 2015 derbe ein bei fußballbegeisterten Menschen. Rund zehn Jahre später legt er nun sein zweites Buch nach: „Scouting – Jagdfieber im Profifußball“ (Eigenverlag, 17,90 Euro) ist seit dem 1. April auf dem Markt, nicht ganz zufällig wenige Monate vor der WM.
„Ich sage es mal so: Wer das Buch liest, wird pünktlich zur WM auf bestimmte Dinge achten, auf die er vorher vielleicht nicht geachtet hat. Er wird Fußball aus einem intensiveren Blickwinkel schauen“, sagt der 48-Jährige der MOPO. Über den Inhalt muss man dabei nicht großartig rätseln, der Titel verrät zumindest schon, um welchen wichtigen Aspekt der Branche sich das Buch in erster Linie dreht. Was nicht verwunderlich ist, kommt Mrosko doch aus dieser Szene, war dabei unter anderem für den FC St. Pauli, den VfL Wolfsburg und Union Berlin tätig.
Ex-St. Pauli-Scout Lars Mrosko präsentiert neues Buch über Fußball-Scouting
„Das Scouting hat sich verändert“, erklärt der gebürtige Berliner, der mit seiner Familie in Berlin-Neukölln lebt, „aber nicht nur zum Vorteil, wie ich finde.“ Dem Fußball mangele es inzwischen an Charakter, an Mentalität: „Mir fehlt es immer häufiger an diesen echten Typen auf dem Platz.“ Dass die auszusterben drohen, liegt Mroskos Ansicht nach an vielen Veränderungen der vergangenen Jahre.
„Man macht es sich heutzutage ein bisschen einfach“, findet der einstige Entdecker von Edin Dzeko und Tim Kleindienst. „Die Analysten, die sich oftmals Scouts nennen, bekommen durch all die Daten und Analysetools ein Alibi, indem sie sagen: ‚Wir haben alles geprüft, den Spieler durch alle Raster laufen lassen, algorithmisch analysiert, mehr können wir nicht tun.‘“ Aber genau das stimme nicht.
NLZ als „Wohlfühloasen“: Mrosko kritisiert moderne Nachwuchsarbeit
Das Entscheidende, so Mrosko, fehle. „Mentalität und Charakter können durch keine Datensätze gemessen werden“, untermauert er. „In den Nachwuchsleistungszentren wurden teilweise Wohlfühloasen erschaffen, die die Jungs nicht auf das knallharte Geschäft Profi-Fußball vorbereiten.“ Das Buch geht der Sache tief und facettenreich auf den Grund. „Es geht auch um Fehler, die durch Eltern gemacht werden, da diese oft unbewusst im Umgang mit ihren fußballbegeisterten Kindern viel zu früh Druck aufbauen und ihnen dadurch oftmals die Liebe zum Spiel nehmen.“
Das könnte Sie auch interessieren: Merkwürdiges Spiel mit Ex-St. Pauli-Liebling Medic – Angebote aus Deutschland
Diesmal arbeitete Mrosko übrigens in viel Eigenregie, auch wenn in Alexander Grübling ein weiterer Autor dabei war. „Aber“, erklärt Mrosko, „ich habe vieles selbst geschrieben, weil ich einfach im Thema bin.“ Und zwar heimlich, still und leise. „Meiner Frau habe ich eines Morgens am Frühstückstisch erzählt, dass mein zweites Buch fertig ist. Ich glaube, es ist ganz gut gelungen.“