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Ex-St. Paulianer: Sobotziks starkes Statement gegen Rechts

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Thomas Sobotzik

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imago images / Christian Schroedter

Er wurde vom Moderator mit „Herzlichen Dank fürs Gespräch, Thomas Sobotzki“ verabschiedet, das Publikum im Studio nahm seine Aussagen während des Interviews so emotional zur Kenntnis, wie eine Ansammlung von Schaufensterpuppen. Dabei war der Auftritt von Thomas Sobotzik im NDR Sportclub beispielhaft, die Botschaften, die der Ex-Profi des FC St. Pauli zu transportieren versuchte, waren unmissverständlich und großartig.

Im vergangenen Monat war der 44-Jährige bekanntlich als Geschäftsführer des Chemnitzer FC zurückgetreten, weil er von der rechten Fanszene beleidigt und bedroht worden war. „Das waren Dinge, die nicht zum Sport gehören, die keiner erleben will, wenn man diesen Sport liebt“, sagte er. „Es ist einfach befremdlich, wenn man sich mit solchen Themen befassen muss.“ Ob er Angst gehabt habe, wurde er gefragt. „Zumindest meiner Frau war nicht wohl zumute“, gestand er, „und sie ist jetzt auch froh, dass ich zu Hause bin.“

In Chemnitz ging es nicht mehr um Fußball

Bei den Ereignissen in Chemnitz sei es nicht mehr um Fußball gegangen. „Wenn Sie mit einem insolventen Verein maximal erfolgreich sind und dann im Aufstiegsspiel, wo an sich eine Euphorie im Stadion herrschen, wo sich die Leute in den Armen liegen sollten, Sie aber beschimpft, bedroht und mit vollen Bierbechern beworfen werden, dann fragen Sie sich: Was soll passieren, wenn es mal nicht so läuft.“

Sobotzik differenzierte dabei durchaus, scherte nicht alle Anhänger über einen Kamm: „Ich muss ganz klar betonen, dass die absolute Mehrheit der Chemnitzer Fans tolle Fans sind“, erklärte er. „Um die tut es mir am meisten leid. Da nimmt eine Minderheit, 100 Leute maximal, die anderen in Geiselhaft und verursacht maximalen Schaden. Für den Verein, aber auch für die Stadt und die ganze Region.“

Das Problem als solches sei aber kein Fußball-spezifisches. „Wenn wir über Fankurven sprechen, dann ist es der Querschnitt der Gesellschaft“, sagte Sobotzik und ergänzte: „Man versucht, das Problem auf die ostdeutschen Vereine zu reduzieren. Das finde ich nicht fair und auch nicht richtig, denn das Thema ist viel komplexer.“

Klare Botschaft zum Ende des NDR-Auftritts

Es sei auch kein Zufall, dass man diese Sorgen jetzt häufiger in den unteren Ligen antreffe, dort, wo das Geld knapp ist. „Es wurde gesagt, Chemnitz solle sich ein Beispiel an Borussia Dortmund nehmen, die haben das Problem jetzt ganz gut im Griff. Aber Borussia Dortmund verfügt über eine Verwaltung von 500 Mitarbeitern, beim Chemnitzer FC hatten wir zuletzt sieben hauptamtliche Mitarbeiter. Das ist die Schwachstelle der Vereine.“  

Zum Ende eines wirklich beeindruckenden und null polemischen Auftritts appellierte Thomas Sobotzik an die ganze Fußball-Familie: „Rechtsradikalismus ist keine Meinungsäußerung. Das widerspricht ganz klar unserem Grundgesetz. Und alle, die wir in diesem Sport tätig sind, haben die verdammte Pflicht, für die richtigen Werte zu kämpfen.“