Es gab Schwierigkeiten: Wie St. Pauli-Zugang Hara sein Millerntor-Debüt erlebt hat
Was Taichi Hara kann, weiß der geneigte Fan des FC St. Pauli nach wie vor nicht, denn bislang hat der japanische Stürmer nur zwei Kurzeinsätze über insgesamt rund 15 Minuten absolviert. Was der Kiezklub und das Millerntor können und sind, weiß der Winter-Zugang dagegen schon ziemlich genau. Nach einem Crash-Kurs der besonderen Art. Dass ihm fast die Worte fehlten, hat aber einen anderen Grund.
Er wirkte ziemlich atemlos, obwohl er nur ein paar Minuten gespielt hatte. Wahrscheinlich waren es die Eindrücke, die auf ihn eingeprasselt waren bei seinem Heim-Debüt und den ausgelassenen Feierlichkeiten nach dem erlösenden 2:1-Coup seiner neuen Mannschaft gegen den klar favorisierten VfB Stuttgart an diesem denkwürdigen Samstagnachmittag, dem ersten Dreier nach zuvor sieben Pflichtspielen ohne Sieg. Und sicherlich war es auch die Aufregung, erstmals an seiner neuen Wirkungsstätte nach einem Spiel Rede und Antwort zu stehen.
Taichi Hara nach Heimdebüt für St. Pauli überglücklich
„Es ist speziell für mich“, sagte Hara in der Mixed Zone des Stadions, offensichtlich überrascht, überhaupt angesprochen worden zu sein, um etwas zu Protokoll zu geben, zu seinem ersten Mal am Millerntor. Vor allem die Atmosphäre hatte es ihm angetan. „Es ist anders als in Japan.“
Das waren dann auch die längsten Sätze, die aus seinem Mund kamen. Der 26-Jährige Zugang vom J-League-Klub Kyoto Sanga spricht nur ein paar Brocken Englisch und musste nach Worten suchen. Es sei „hart“ gewesen, die intensive Partie von der Bank aus zu verfolgen, aber er habe sich vorgestellt, eingewechselt zu werden. Das Tor sei „sehr gut gewesen“, womit Hara den Führungstreffer von Manolis Saliakas gemeint haben dürfte. Und: „Ich habe ein bisschen gespielt.“
Sprachbarriere? Ando zeigt, dass es trotzdem geht
Es soll deutlich mehr werden in den kommenden Wochen. Mit der Spielzeit (und hoffentlich auch mit dem einen oder anderen Tor). Und mit der Sprache. Dass eine erhebliche Sprachbarriere nicht automatisch leistungshemmend sein muss, beweist sein ebenfalls in der Winterpause verpflichteter Landsmann Tomoya Ando eindrucksvoll. Der Innenverteidiger hat sich als Soforthilfe erwiesen und überzeugte gegen Stuttgart nach den Ausfällen von Hauke Wahl und Eric Smith in der Rolle des Abwehrchefs. Von Null auf Stammspieler.
Merke: Es braucht nicht viele und schöne Worte, um den Respekt, die Anerkennung und auch Zuneigung der Mitspieler, Trainer und Fans zu gewinnen, sondern zuvorderst Leistung und sichtbare Leidenschaft. Hara wird das registriert haben. Verständigung und Integration erleichtert ihm neben St. Paulis kickenden Japanern Ando und Joel Chima Fujita auch Zeugwart Kenta Kambara, der als Übersetzer fungiert und auch sonst Ansprechpartner für fast alles ist.
Dass Hara so schnell einschlägt wie Ando, wäre wohl zu viel erwartet. Aber die Hoffnung, dass der 1,91 Meter große Angreifer mehr als ein Ergänzungsspieler für die Breite im Mannschaftsteil Sturm ist und im erbitterten Kampf um den Klassenerhalt entscheidende Akzente setzen kann – sei es mit so dringend benötigten Treffern, mit Assists oder wichtiger Laufarbeit –, ist groß.
Bornemann warnt vor zu hohen Erwartungen an Hara
„Er bring viele Dinge mit, die wir gut gebrauchen können und wir sind überzeugt, dass er einen Mehrwert für uns liefern kann“, sagt Sportchef Andreas Bornemann zur MOPO über den Mittelstürmer, der in der abgelaufenen J-League-Saison in 34 Spielen fünf Tore erzielt und zehn Treffer vorbereitet hat. „Man darf nicht den Fehler machen, Wunderdinge zu erwarten und ihn mit zu hohen Erwartungen zu überfrachten, sondern muss realistisch bleiben.“
Die bisherigen Eindrücke, im Spiel und vor allem im täglichen Training, seien „gut“, sagt Bornemann. „Taichi erfüllt das, was wir uns bei der Verpflichtung von ihm und seinem Profil versprochen haben. Wir sind gespannt, wie schnell er das auch im Wettkampf in einer für ihn neuen Liga zeigen kann.“ Hara sei eine „zusätzliche Option – auch mittelfristig“.
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Nach dem Saison-Aus von Ricky-Jade Jones und aufgrund der noch mehrere Wochen dauernde Verletzungspause von Andréas Hountondji ist es jedoch wichtig, dass Hara auch schon kurzfristig ein Faktor wird. Auch wenn ein Ando-Effekt nicht zu erwarten ist, so ist er auch nicht ausgeschlossen.
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