Er hat Bayern zweimal besiegt: Trulsen traut St. Pauli ein neues Wunder zu

Niko Patschinski trifft gegen den FC Bayern
Weltpokalsiegerbesieger: Der 6. Februar 2002, hier Patschinskis Jubel nach dem 2:0, ging in die Geschichte ein. 2:1 hieß es am Ende, die Shirts zum Event wurden zum großen Renner.

Die Anzahl der Duelle ist überschaubar. Nur 22-mal standen sich der FC St. Pauli und der FC Bayern München in Pflichtspielen gegenüber, der letzte Vergleich ist auch schon wieder über 13 Jahre alt (siehe Seiten 24/25). Oft ging es spannend zu, aber nur drei der Partien gewann Braun-Weiß. Beim 2:0 in der Oberliga-Endrunde am 6. Juni 1949 war André Trulsen noch nicht geboren, die anderen beiden Erfolge aber erlebte er als Spieler auf dem Platz. Und daher weiß er am besten: Wunder gibt es immer wieder! In der MOPO verrät Trulsen, warum er dem FC St. Pauli auch am Samstag eine Sensation zutraut.

Die Meinung des 59-Jährigen über die aktuelle Mannschaft ist eine hohe. „Ich habe von vorneherein gesagt, dass sie allemal die Chance haben, die Klasse zu halten“, sagte Trulsen der MOPO. „Es ist eine eingespielte Truppe, sie sind als Mannschaft gefestigt, verteidigen richtig, richtig gut und setzen immer wieder Nadelstiche.“ Zudem gebe es eine klare Hierarchie mit drei, vier Leuten, die vorangehen, „sie sind sehr kommunikativ, haben einen guten Aufbau, klare Muster, die zu erkennen sind“. Natürlich habe Alexander Blessin als neuer Trainer auch so seine Ideen gehabt, „aber was ihn auch ausgezeichnet hat, war, dass er ein paar Umstellungen von seinem Ursprungsplan vorgenommen hat“. Trulsens Urteil: „Sie haben klar die Berechtigung, in der Bundesliga zu spielen.“

Trulsen: St. Pauli hat eine Chance gegen den FC Bayern

Und durchaus die Chance, am Samstag etwas zu holen. „In einer Partie ist immer alles möglich, gerade am Millerntor“, sagt er. Natürlich: „Du brauchst Spielglück, einen guten Torwart, du musst die entscheidenden Zweikämpfe gewinnen. Der Gegner wird mehr Ballbesitz haben, mehr Chancen, aber das Chancenverhältnis kann auch 8:2 heißen und du hast trotzdem 2:0 gewonnen.“ Ein Satz, resultierend aus seinem eigenen Erfahrungsschatz.

Rolf Höfert gibt Gerd Müller bei der Seitenwahl die Hand
Premiere: Das erste Bundesliga-Duell am 13. August 1977 geriet zur Show von Gerd Müller (r.), der alle vier Tore beim 4:2 erzielte.

Es war der 2. März 1991, als Trulsen mit dem Kiezklub 1:0 in München siegte. „Ich weiß noch, dass Ralf Sievers das Tor gemacht hat und dass wir natürlich auch in diesem Spiel krasser Außenseiter waren. Es war das zweite Spiel nach der Winterpause, und wir hatten gerade einen Trainerwechsel vollzogen. Es war die Riesenüberraschung, dass wir da gewonnen haben.“

André Trulsen im Zweikampf mit Brian Laudrup
Sensation: André Trulsen (l., hier gegen Roland Wohlfarth) schockte Jupp Heynckes und seine Bayern mit St. Pauli am 2. März 1991, der Kiezklub siegte durch ein Tor von Ralf „Colt“ Sievers mit 1:0.

Gleiches gilt für das legendäre 2:1 im Weltpokalsiegerbesieger-Spiel am 6. Februar 2002. „Es war eine extrem geile Atmosphäre im Stadion, das war grandios, es hat alles zusammengepasst“, sagt er rückblickend. „Wir haben eine überragende erste Halbzeit hingelegt, waren mindestens ebenbürtig, vielleicht sogar besser, haben zwei Tore gemacht und den Vorsprung dann noch ins Ziel gerettet.“

Trulsen war einer von St. Paulis Weltpokalsiegerbesiegern

Und wie lautet sein Rezept für eine mögliche Wiederholung? Oft heiße es ja nach Spielen gegen Bayern, man habe die ersten 30 Minuten verpennt und zu viel Respekt gezeigt, da sei das Spiel schon gelaufen. „Es muss der erste Ansatz sein, dass die Null so lange wie möglich steht“, sagt er. „Aber du musst auch gleich von Anfang an die Überzeugung haben, dass du punkten kannst, dass was geht.“ Zumal St. Pauli nichts zu verlieren habe. „Was Schöneres gibt es ja eigentlich gar: Du kannst nur gewinnen.“

Oliver Kahn und Valerien Ismael verteidigen gegen Jens Scharping
Halbfinale: Nur ein Sieg fehlte dem Drittligisten noch bis Berlin, doch den verhinderten Oliver Kahn und Co. Die Entscheidung beim 0:3 am 12. April 2006 fiel erst in der Schlussphase.

Das ist den Hamburgern in der laufenden Saison zu Hause noch nicht geglückt. „Schade, dass sie die Heimspiele gegen Mainz, Wolfsburg oder Heidenheim nicht gewinnen konnten, weil das für mich potenzielle Kandidaten für unten sind“, findet Trulsen.

Thomas Meggle, Felix Luz und Fabian Boll feiern Timo Schultz gegen den FC Bayern
Krimi: Am 9. September 2006 traf man sich in Pokalrunde eins wieder. Timo Schultz traf zur Führung, Bayern siegte 2:1 n.V.

Aber der Sieg in Hoffenheim zuletzt sei „extrem wichtig“ gewesen. „Gerade vor dem Bayern-Spiel, wo man ja von einer Niederlage ausgehen muss. Aber sie können sich überall reinschmeißen, alles geben. Und wer weiß, vielleicht ist ja wieder eine Überraschung möglich.“ Es wäre ein weiteres St. Pauli-Wunder.