„Ein Vulkan!“ Emotionen pur bei St. Pauli – Sieg mit Signalwirkung?
Es bedurfte keiner Worte, um die Intensität der Emotionen beim FC St. Pauli zu erkennen. Jackson Irvine sank nach dem Abpfiff des 2:1-Erfolgs gegen Heidenheim mit Schlusspfiff rücklings auf den Boden, die Arme jubelnd ausgestreckt. Andere Spieler fielen sich in die Arme, und auch der Coach ließ seinen Gefühlen freien Lauf. Der Dreier war für den Moment existenziell wichtig, aber was ist er für die Zukunft wert?
Der erste Weg nach dem Kreis mit der St. Pauli-Mannschaft führte Alexander Blessin geradewegs in Richtung Haupttribüne. Dort fiel er unter dem Beifall der Umstehenden seiner anwesenden Familie in die Arme. „Es ist immer wichtig, der Familie dankbar zu sein“, erklärte er später. Natürlich sei eine Last von ihm abgefallen, „das ist ja menschlich“, wobei er bei den beiden Toren von Martijn Kaars keinerlei Regung gezeigt hatte. „Doch, in mir drin schon“, konterte er. „Da wurden Purzelbäume geschlagen und alles Mögliche.“ Äußerlich mag er als stiller Genießer gewirkt haben, „aber innerlich war das schon ein Vulkan“.
St. Pauli ist wieder dick im Geschäft
St. Paulis Kurve zeigt deutlich nach oben, gerade noch rechtzeitig, um nicht den Anschluss zu verlieren. Heidenheim hat man jetzt hinter sich gelassen, und bis ans rettende Ufer, das beim FC Augsburg beginnt, sind es lediglich zwei Zähler. Eine Situation, die man dankend hinnimmt auf dem Kiez nach der „scheiß Niederlagenserie“ (Hauke Wahl und Alexander Blessin), die am vergangenen Wochenende in Köln geendet war. „Jetzt hat man gesehen, wofür dieser Punkt gut war“, sagte Blessin mit Verweis auf den Last-Minute-Ausgleich durch Ricky-Jade Jones. „Aber es war jetzt auch wichtig, dass sich die Mannschaft mal mit einem Sieg belohnt hat.“

Zumal ob der Art und Weise. Der aufopferungsvolle Kampf in Unterzahl in Hälfte zwei, aber eben auch der fußballerische Ansatz aus der ersten Halbzeit machten Hoffnung darauf, dass der Weg noch weitergehen kann. Das sollte die Mannschaft nicht nur tragen, „es muss“, forderte der St. Pauli-Coach: „Auf einmal läuft der Ball und auf einmal sitzen bestimmte Muster wieder, mit gegenläufigen Bewegungen, mit tiefen Pässen, mit Flanken, die dann scharf reinkommen. Das ist dann auf einmal wieder da.“ Manchmal könne man das nicht erklären, das sei dann ein kleiner Prozess.
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„Man hat gesehen, dass wir auch was mit dem Ball können“, meinte Blessin, um direkt danach den mahnenden Zeigefinger zu heben. Man dürfe jetzt nicht wieder den Fehler machen, zu viel spielen zu wollen, „sondern die Basis, die ist gelegt. Und davon werden wir uns nicht entfernen“. Vielmehr, befand Jackson Irvine, müsse man auch das noch optimieren. „Wir müssen einfach versuchen, alles über 90 Minuten durchzuhalten“, urteilte der Kapitän. „Wir haben in mehreren Spielen gezeigt, dass wir gut arbeiten, aber wir müssen noch etwas konstanter im Laufe des Spiels werden. Das ist wahrscheinlich unser nächster Schritt. Auch wenn man in dieser Liga wahrscheinlich ohnehin keine Spiele dominieren kann.“
Nächstes wichtiges Spiel am Sonntag in Mainz
Eine Gelegenheit zur Verbesserung haben die Braun-Weißen noch vor der kurzen Winterpause. Am nächsten Sonntag bei Schlusslicht Mainz 05, das an diesem Sonntag überraschend beim FC Bayern punkten konnte (2:2), mit vier Zählern Rückstand auf den Kiezklub und Heidenheim zum Siegen verdammt, am Donnerstag zuvor aber noch in der Conference League gefordert (zu Hause gegen Samsunspor). „Wir wissen, dass wieder ein wichtiges Spiel wartet“, meinte Hauke Wahl, der fest entschlossen ist, die Runde positiv abzuschließen. „Das haben wir vor“, betonte er. „Wir haben nach Gladbach gesagt, dass wir jetzt eine Situation haben mit drei Spielen, in denen wir entscheiden, ob wir unterm Weihnachtsbaum sitzen und alles ist scheiße oder alles ist einigermaßen okay.“
Kapitän Jackson Irvine mit interessantem Vergleich
Mit drei ungeschlagenen Partien am Stück werden die Hamburger die Aufgabe angehen und haben dabei die kuriose Möglichkeit, nach sieben Punkten in den ersten drei Begegnungen und neun Pleiten danach auch die letzten drei Spiele mit sieben Zählern zu bestreiten. Jackson Irvine glaubt fest daran, dass das gelingen kann. „Es fühlt sich an, als wären wir uns alle einig“, sagte er, und so sei es manchmal im Fußball, „dass man sich umsieht und spürt, dass alle füreinander da sind, und das brauchen wir gerade. Das hatten wir auch letztes Jahr und jetzt spüren wir es von Woche zu Woche mehr und mehr wieder“.
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