Emotionaler Irvine will bei St. Pauli bleiben und appelliert an die Bosse
Nein, er mochte nicht mehr sprechen. Zu sehr hatte Jackson Irvine all das angefasst, was da gerade passiert war, als dass er in der Mixed Zone noch viele Fragen hätte beantworten wollen. Mit hochrotem Kopf und verweinten Augen war der Kapitän des FC St. Pauli an den wartenden Reportern vorbei in die Kabine gestürmt, und es gab wohl niemanden, der dafür kein Verständnis aufbringen konnte. Zuvor allerdings hatte der 33-Jährige bereits am TV-Mikrofon Rede und Antwort gestanden – mit interessantem Inhalt.
„Ich bin seit fünf Jahren hier, und in dieser Zeit haben wir mit dem Kern der Mannschaft etwas ganz Besonderes aufgebaut“, begann der Australier und fuhr fort. „Zusammen waren wir die Grundlage für alles, was irgendwie passiert ist. Ich bin gerade so verzweifelt und habe Herzschmerz für alles, was passiert ist, dass diese Reise so geendet ist.“ Wobei: Zu Ende scheint die Reise durchaus noch nicht, jedenfalls nicht für den Kapitän.
Jackson Irvine will bei St. Pauli bleiben
„Ich habe noch ein Jahr Vertrag und ich bleibe hier“, stellte Irvine deutlich heraus. „Das ist mein Zuhause und für mich etwas ganz besonderes. Es müsste schon Dramatisches passieren, dass ich nicht hier bleibe.“ Und er geht natürlich davon aus, dass er nicht alleine übrig bleiben wird aus dem aktuellen Kader. „Für diejenigen, die bleiben: Wir können uns selbst aufrichten und wir werden versuchen, wieder auf dieses Level zu kommen, für das wir so hart gearbeitet haben, um darauf spielen zu dürfen“, lautete der Appell des Routiniers an die Kollegen.
Kiezklub-Kapitän Irvine entschuldigt sich bei den Fans
Dass es auch Protagonisten geben wird, die gehen werden (wie zum Beispiel Nikola Vasilj), ist Irvine natürliche ebenso klar. „Der Fakt, dass es das letzte Mal war, dass wir ein paar der Jungs, die so viel für diesen Klub gegeben haben, gesehen haben, ist sehr traurig“, gestand er, ehe er auf einen Punkt zu sprechen kam, den er am meisten schätzt am Kiezklub: „So eine Reaktion von den Fans nach diesem Abstieg und unseren Leistungen über einen Großteil der Saison zu erhalten, ist einfach unglaublich. Ich kann es gar nicht genug loben. Sie waren für uns jede Chance, jeder Angriff, jedes bisschen an Motivation, das wir brauchten, und wir konnten heute nicht liefern. Ich entschuldige mich bei ihnen, dass es jetzt so geendet ist.“
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Überhaupt hat für ihn niemand anders die Verantwortung für den Abstieg als eben die Mannschaft mit allen Personen drumherum. Entsprechend hart ging er ins Gericht. „Im Fußball bekommst du vielleicht nach 90 Minuten nicht immer das, was du verdienst, aber nach 34 Spielen bekommst du es“, stellte er nüchtern fest. 26 Punkte seien nicht genug, um in der Liga zu bleiben. „Wir hatten gute Spiele und Leistungen, aber nicht genug Kontinuität. In den großen Spielen waren wir nicht in der Lage, abzuliefern, als es darauf ankam.“
Jackson Irvine appelliert an alle beim FC St. Pauli
Als Spieler müsse man dafür Verantwortung übernehmen „und ich hoffe, das jeder andere im Klub das auch tut und auf deren eigene Rollen schaut, in dem, wo wir jetzt stehen“. Er fange bei sich selbst an, „ich und die Leader-Gruppe haben nicht genug dafür getan. Wir verstehen, dass wir nicht genug getan haben. Ich hoffe, jeder andere schaut auch so auf sich“. Welche Menschen sich dabei angesprochen fühlen sollte, spezifizierte Irvine nicht.
Auch Irvine beklagt St. Paulis Chancenverwertung
Dafür übte er nochmals reichlich Selbstanklage. „Ich glaube, es ist ein Foul und eine harte Entscheidung“, urteilte er zwar über die Szene vorm 1:2, als Vasilj bedrängt worden war. „Aber die 90 Minuten heute haben heute nicht unsere Saison entschieden. Unsere Chancen vor dem Tor haben die Saison entschieden. Die müssen wir machen und in Führung gehen.“ So wie auch gegen Wolfsburg, als Andréas Hountondji kurz vor der Pause einmal mehr eine mindestens Hunderprozentige hatte liegen lassen.
Jackson Irvine: „Gräbst dir dein eigenes Grab“
„Das ist die Geschichte dieser Saison“, sagte Irvine achselzuckend. „Wir waren nicht in den Momenten da, in denen es drauf ankam. Und dann gräbst du dir dein eigenes Grab. Ich kann nur sagen, dass es mir für die Fans und jeden, der alles für uns gegeben hat, leid tut. Unsere Familien, die mit all dem Stress und der Erschöpfung in den harten Momenten umgehen mussten, und uns bis zum Ende unterstützt haben. Es ist hart.“
Kiez-Kapitän Jackson Irvine mit deutlicher Kritik
Punkt. Alles andere interessierte ihn am Samstag nicht. „Fucking hell“, sagte er, als er zur WM mit Australien als Hoffnungsschimmer befragt wurde. „Das ist nichtmal in meinem Kopf, was in den nächsten Wochen passieren wird. Heute ist da nur der Klub und als Gemeinschaft einen Weg zu finden, wieder dahin zurückzukommen, was wir die letzten Jahre aufgebaut haben. Denn diese Saison haben wir nicht genug davon gesehen, was wir aufgebaut haben. In jedem Aspekt dieser Spielzeit.“