Direkt nach Abstieg: St. Pauli-Torwart Vasilj kündigt Abschied an – und schimpft

Nikola Vasilj weinend beim Abschied
Nikola Vasilj verabschiedete sich unter Tränen von den Fans des FC St. Pauli.

Er ist ein Kerl wie ein Baum. An diesem Samstagnachmittag aber gab es zahlreiche Momente, in denen Nikola Vasilj ins Wanken geraten war. Das traf zunächst auf das Spiel gegen den VfL Wolfsburg zu, vor allem aber auf die Momente danach. Für den 30-Jährigen war es der letzte Auftritt für den Kiezklub nach 167 Einsätzen, das ließ er unter großen Emotionen durchblicken.

„Das war mein letztes Spiel“, sagte ein merklich aufgewühlter Vasilj zunächst bei Sky. „Das denke ich gerade, ja. Es war mein letztes Spiel für St. Pauli. Es ist hart für mich, das überhaupt zu sagen. Aber im Fußball, wenn die Zeit kommt, dann muss du weiterziehen. Der Klub und ich müssen weiterziehen. Das war mein letztes Spiel.“ Bei Klassenerhalt hätte sein Vertrag weiterhin Gültigkeit gehabt, nach dem Abstieg kann er St. Pauli ablösefrei verlassen.

Nikola Vasilj wird den FC St. Pauli verlassen

Kurz darauf, in der Mixed Zone des Stadions, bestätigte er das. „Das war’s“, gestand Vasilj und kämpfte dabei durchgehend mit den Tränen. „Es waren fünf wundervolle Jahre, und ich werde mich für immer all die schönen Momente hier erinnern.“ Dann brach ihm die Stimme weg, ehe er ergänzte: „Ich wollte nicht, dass es so zu Ende geht. Der Zusammenhalt hier, die Fans – dieser Verein ist etwas so Spezielles, er wird mit Sicherheit in die 1. Liga zurückkehren.“

Neuer Klub von Kiezkeeper Nikola Vasilj noch offen

Wie es mit ihm weitergehen wird, weiß Vasilj, der im Juni erstmals Vater werden wird, natürlich noch nicht. „Ich muss erst einmal Ruhe finden. Dann ist die Weltmeisterschaft. Und jetzt gerade ist es sowieso schwer, über irgendwas anderes zu sprechen als das, was hier gerade passiert.“

Nikola Vasilj rettet mehrfach für St. Pauli, patzt aber auch

In den 98 Minuten zuvor hatte Vasilj zu den prägenden Figuren gezählt. Mal wieder. Diverse Male hatte der Schlussmann mit großartigen Paraden Gegentreffer verhindert, er sah aber auch – um der Wahrheit die Ehre zu geben – bei den Toren zum 0:1 und 1:2 nicht gut aus. Beiden Treffern waren Eckbälle voraus gegangen, an die der von mehreren Wolfsburgern und Kollegen umringte Vasilj nicht herangekommen war. Beim zweiten Mal nach einem vorausgegangenen Foulspiel?

Kiezklub-Keeper Nikola Vasilj beklagt „klares Foul“

„Für mich ist es ein klares Foul“, sagte der scheidende St. Paulianer. „Jeder Torwart weiß, wie hart es ist. Sie bringen einen aus der Balance und dann muss man mit einer Hand reagieren. Was soll man da tun? Unfassbar, dass diese Entscheidung das Spiel entschieden hat.“ Und auch nach Betrachtung der TV-Bilder blieb er bei seiner Wahrnehmung. „Unglaublich“, schimpfte Vasilj. „Ich habe diese Saison vieles erlebt und so viele Entscheidungen gesehen. Für mich ist es ein klares Foul.“

Schiedsrichter Daniel Siebert sah das übrigens anders. „Ich hatte den Fokus voll auf Vasilj als Torwart. Er macht für mich eine unglückliche Figur. Wenn ich das als Offensivfoul wegpfeife oder abpfeife das Tor, dann muss ich irgendwo einen Impact haben, dass ich sage: Nur aufgrund dieses Körperkontakts hat er sich den Ball selber ins Tor gefaustet. Und das habe ich ehrlicherweise nicht gesehen“, erklärte der Unparteiische. Zum Monitor ging er nur, um sich doppelt zu versichern, um Kritikern „kein Futter“ zu geben, wie er sagte.

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Unterm Strich aber, das wusste auch Vaslij, ist St. Pauli nicht wegen dieser Entscheidung und nicht am 34. Spieltag abgestiegen. Aber das war alles Makulatur für den Mann, der große Fußstapfen hinterlassen hat am Millerntor. Sportlich sowieso, aber auch als Mensch mit großem Herzen und viel Empathie fürs große Ganze drumherum.