Oke Göttlich gestikuliert

St. Paulis-Präsident Oke Göttlich unterstrich seine Meinung zu einem möglichen WM-Boykott. Foto: WITTERS

Debatte um WM-Boykott: St. Pauli-Boss Göttlich legt nach – Spitze gegen DFB-Chef

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Dass er hier und da mal aneckt, gehört zu seiner Persönlichkeitsstruktur. Oke Göttlich hat seinen eigenen Kopf, und da ist es für ihn nicht weiter von Belang, ob er mit seiner Denke den Beifall aller abholt oder dann doch erst einmal eine Delle. Mit seiner im MOPO-Interview geäußerten Meinung zu einem möglichen WM-Boykott hatte es sich der Präsident des FC St. Pauli vor allem mit vielen Fußball-Funktionären dieses Landes verdorben, die das dann auch deutlich formulierten. An seiner Sichtweise geändert hat das indes gar nichts.

Im Radio-Interview bei NDR 90,3 stellte Göttlich seine Position mit Blick auf die USA ein weiteres Mal im Detail dar. „Mir ging es damals darum, dass man sich einfach mal die Frage stellen muss: Was ist der Sport? Der Sport steht für Integration, für Spaß, für Diversität. Und dafür, dass wir uns für die Menschenrechte einsetzen.“ Das sehe er derzeit nicht, weshalb man sich Fragen stellen müsse: „Fahren wir dahin? Wie fahren wir dahin? Wenn wir hinfahren: Was ist die Aussage? Das ist etwas, worauf man sich vorbereiten muss.“

St. Paulis Oke Göttlich klammert die Spieler explizit aus

Wobei Göttlich diese Last nicht auf die sportlichen Hauptdarsteller abwälzen will. „Ich würde nie von Spielern verlangen, was sie zu tun oder zu lassen haben“, betonte Boss des FC St. Pauli: „Aber als Verein haben wir eine Meinung und eine Haltung. Und das wünsche ich mir auch von einem Verband wie dem DFB.“ Göttlich ist dort bekanntlich Vizepräsident und bekam nach seinen Äußerungen in der MOPO, die auf der ganzen Welt wahrgenommen worden waren, vor allem aus dem DFB massiv Gegenwind.

Das hatte ihn, gab Göttlich bei NDR 90,3 zu, bass erstaunt. „Ich dachte: Das ist der größte Sportverband der Welt, der hat sich doch wohl kommunikativ Gedanken gemacht.“ Hatte er offenbar nicht, stattdessen gab es von DFB-Chef Bernd Neuendorf einen einigermaßen herablassenden Text mit den Worten: „Der Kollege ist noch nicht so lange dabei, aber in der Regel ist es bei uns so, dass wir diese Themen zunächst einmal in den Gremien besprechen und uns dann dazu eine Meinung bilden.“

Kiezklub-Boss Oke Göttlich kontert DFB-Kritik

Dem entgegnete Göttlich nun: „Ich glaube, Herr Neuendorf ist kürzer im Amt, als ich es in einem Funktionärsamt im deutschen Fußball bin.“ Und er stellte abermals klar heraus, dass er nicht für einen Boykott plädiere, sondern Denkanstöße geben wolle. Das ist dem 50-Jährigen ohne Frage längst geglückt, für viele Menschen da draußen ist sein Credo („Wenn man in ein Land fährt, das Krieg führt, wo Menschen auf der Straße erschossen werden, dann muss man sich zumindest Gedanken machen: Was ist unsere Verbandslinie, wenn wir da hinfahren? Das ist etwas, das ich anstoßen wollte“) vollends nachvollziehbar.

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Beim DFB hingegen wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit niemand laut Beifall klatschen dafür, dass Oke Göttlich partout nicht klein beigeben will.

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