„Das pure Überleben“: St. Pauli kämpft die TSG nieder – hatte aber Rot-Glück
Vielleicht hätte man es vorher schon mal öfter thematisieren sollen. Vielleicht wäre dem FC St. Pauli dann schon früher in der Saison das geglückt, was ihm am Samstag schier sensationell beim Tabellendritten in Hoffenheim gelang: der erste Sieg außerhalb Hamburgs in der laufenden Bundesliga-Saison. Dank einer leidenschaftlichen und im ersten Durchgang auch fußballerisch überzeugenden Vorstellung gelang vor 27.786 Fans – darunter mehrere Tausend lautstarke Hamburger – ein eminent wichtiger 1:0 (1:0)-Erfolg, verbunden mit dem Sprung auf Tabellenplatz 15. Den wird man nur dann wieder verlieren, wenn der VfL Wolfsburg am Sonntag in Stuttgart gewinnt.
In der Anfangsviertelstunde war von so einem Ergebnis nicht wirklich auszugehen, gleichwohl die mitspielenden Gäste durch Danel Sinani (4.) und Manolis Saliakas (10.) durchaus auch Gelegenheiten hatten. Aber das, was Hoffenheim anbot, wirkte schon sehr harmonisch, zielgerichtet, gefährlich und spielerisch auf einem sehr, sehr anständigen Level. Fisnik Asllani hatte die erste Gelegenheit vergeben (4.), in Minute acht griff in Nikola Vasilj der überragende Mann auf dem Feld erstmals entscheidend ein, als er zunächst gegen Andrej Kramaric und danach auch bei Grischa Prömels Nachschuss zur Stelle war. Prömel fand im Bosnier auch nach 28 Minuten seinen Meister, als er allerdings von Vasilj im Aufbau den Ball serviert bekommen hatte.
Mathias Pereira Lage erzielt das goldene Tor für St. Pauli
„Ich finde, dass wir auch ein bisschen Glück hatten in gewissen Situationen“, befand Hauke Wahl. „Das gehört dazu, und das hatten wir in vielen Wochen der Saison nicht. Und wenn man dann 0:1 in Rückstand gerät, dann ist das Spiel einfach ein anderes.“ Das geschah im Kraichgau eben nicht, und je länger die erste Hälfte andauerte, desto besser kam Braun-Weiß in die Partie – und ging mit der letzten Aktion vorm Pausenpfiff in Führung. James Sands eroberte an der Mittellinie den Ball, steckte diesen weiter zu Joel Chima Fujita, der wiederum Saliakas in Position brachte. Und dessen maßgenaue Flanke schädelte Mathias Pereira Lage humorlos in die Maschen (45.+3).

„Das gibt einem natürlich Rückenwind“, sagte Wahl. „Es hilft, in der Kabine zu sitzen und Dinge zu justieren. Man weiß einfach, dass man plus eins in die zweite Hälfte geht. Und wenn wir eins können, dann verteidigen. Und das nicht nur wir hinten, sondern wir alle als Team. Ich glaube, das haben wir in der zweiten Hälfte gezeigt.“
Kiezklub verteidigte den Vorsprung mit aller Macht
Keine Widerrede! Wobei eine weitere Aussage von Wahl die ganze Nummer noch viel besser auf den Punkt brachte: „Wir wussten genau, dass wir dem Gegner wehtun können. Das haben wir in der ersten Hälfte gemacht. In der zweiten Hälfte war es dann einfach das pure Überleben.“ Mit jeder Faser ihrer Körper machten die Gäste in den zweiten 45 Minuten deutlich, dass sie diesen knappen Vorsprung bis zum Abpfiff zu behalten gedachten – und sie hatten dabei auch Dusel. Denn eigentlich hätte der Gelb-verwarnte Sinani nach 70 Minuten Gelb-Rot sehen müssen nach einem Ellbogen-Einsatz, aber Referee Deniz Aytekin ließ Gnade vor Recht ergehen.

So durften die Kiezkicker also mit voller Personenzahl weiter ackern (Eric Smith: „Wir sind der Underdog und haben irgendwie die drei Punkte geholt“) und taten dies mit Bravour. „Die zweite Hälfte war einfach nur leiden“, pustete Coach Alexander Blessin durch, dem im Moment des Schlusspfiffs anzusehen war, was ihm dieser Sieg bedeutet hat. Vermutlich auch angesichts der Tatsache, dass sein Ex-Klub Hoffenheim, für den er einst kickte, die letzten acht Heimspiele sämtlich hatte gewinnen können.
St. Pauli-Coach Alexander Blessin: „Kampf bis zum Ende“
Jenseits aller Emotionen hatte der 52-Jährige dann aber noch ein relativ sachliches Fazit in petto. „Das sind unsere Basics, die wir abrufen“, bilanzierte er. „Wenn wir die nicht bringen, haben wir in der Liga nichts zu suchen.“ Gepaart mit spielerischer Qualität, „und davon haben wir schon auch ein bisschen, berechtigt uns das dazu, davon zu träumen, weiter in der Liga spielen dürfen“.
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Da sei man jetzt einen kleinen Schritt dem großen Ganzen näher. „Aber es ist klar, dass wir da noch einen weiten Weg zu gehen haben“, sagte Blessin. „Das ist einfach so eng, von daher wird es bis zum Ende ein harter Kampf.“
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