„Dann werden sie aufgefressen“: Kramer sieht St. Paulis Spielidee kritisch
Auch ein erwiesener Fachmann und Weltmeister kann sich mal gewaltig irren. Nach den ersten drei Spieltagen der laufenden Saison mit zwei Siegen und einem Remis hatte der FC St. Pauli auch Christoph Kramer in seinen Bann gezogen. Der sagte seinerzeit voraus, der Kiezklub werde bis zum Schluss um die internationalen Plätze mitspielen. Hat, so viel kann man jetzt schon sagen, nicht wirklich gestimmt.
„Ich habe da eine ganz furchtbare These aufgestellt“, sagte Kramer rückblickend in der aktuellen Ausgabe des Podcasts „Copa TS“ von Tommi Schmitt. Wobei er nach wie vor Argumente dafür findet, warum es St. Pauli ihm im Spätsommer 2025 so angetan hatte.
Laut Christoph Kramer fehlt beim FC St. Pauli einiges
„Ich finde nach wie vor, dass sie bis in die Mitte der gegnerischen Hälfte oder bis zum gegnerischen Sechzehner einen vernünftigen, ansehnlichen Fußball spielen“, urteilte der 35-Jährige über den FC St. Pauli dieser Tage. „Es passiert dann aber nichts. Sie haben keine gute Boxbesetzung und auch keinen Plan B oder können diesen nicht umsetzen.“

Der sportliche Ansatz gefällt Kramer durchaus, er kann auch eine Spielidee, ein Konzept erkennen. „Sie haben für eine Mannschaft auf Platz 16 einen wirklich gepflegten Spielaufbau“, lobte er. „Aber wenn sie hoch und Mann gegen Mann attackiert werden wie jetzt in Heidenheim (bei der 0:2-Niederlage), haben sie nichts Geiles auf die zweiten Bälle und vorne auch keinen Stürmer, der etwas festmacht. Dann werden sie aufgefressen, und das sieht immer ein bisschen wehrlos aus.“
St. Paulis Fußball „nicht der, den es gerade braucht“
Entsprechend fragt sich der erfahrene Ex-Profi, ob Alexander Blessins Ansätze zur sportlichen Lage passen. „St. Pauli spielt ansehnlich, aber in vielen Spielen in der Bundesliga ist das nicht der beste Plan“, urteilte Kramer und merkte an, dass vieles auch mit dem Kopf zu tun habe. „Wenn du so spielen willst wie St. Pauli, brauchst du eine breite Brust“, sagte er. Die könne ein Abstiegskandidat aber nicht haben, „die kannst du dir auch nicht einreden“.
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Und dann, so Kramer weiter, werde es schwierig. „Dann wirkt es fehleranfällig, nervös, wehrlos. Für die Situation, in der sie stecken, ist es nicht der Fußball, den es gerade braucht.“ Dabei hätte schon ein Sieg am vergangenen Samstag in Heidenheim alles ändern können, nur geklappt hat es eben nicht. „Hätte St. Pauli in Heidenheim gewonnen“, meinte Kramer, „wäre das jetzt ein geisteskranker Abstiegskampf geworden.“
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