„Da kann man nur staunen“: Wolfsburg-Star explodierte unter St. Pauli-Trainer
Die Ablösesumme für seine Dienste ist fast so hoch wie der Marktwert des halben St. Pauli-Kaders und seine ersten Auftritte im Trikot des VfL Wolfsburg zeigen: Mohamed Amoura scheint jeden Cent der gut 17 Millionen Euro wert zu sein. Das Verrückte: Der VfL Wolfsburg hat die Kohle noch gar nicht bezahlt, der Neue liefert aber schon mächtig ab. Der Stürmer ist einer der Shootingstars der noch jungen Bundesligasaison. Blitzschnell, brandgefährlich. Man frage nach bei St. Pauli-Trainer Alexander Blessin. Der kennt den neuen Turbo-Wolf besser als der VfL-Coach – und warnt.
Keiner von beiden hätte vor ein paar Monaten gedacht, dass sie sich so schnell wiedersehen, besser gesagt: aufeinandertreffen, als Rivalen – am 8. Spieltag der Bundesliga, auf St. Pauli, am Millerntor. Es ist ein Wiedersehen, geprägt von Vorfreude. Denn Blessin und Amoura haben eine gemeinsame Erfolgsgeschichte und einander einiges zu verdanken.
Amoura profitierte von Blessin – und Blessin von Amoura
In der vergangenen Saison trumpften der Trainer und der Stürmer beim belgischen Erstligisten Royale Union Saint-Gilloise auf, wurden mit dem Brüsseler Vorortklub Pokalsieger und Vizemeister. Amoura erzielte in 45 Pflichtspielen 22 Tore und bereitete sieben vor, Blessin wurde zum „Trainer des Jahres“ in Belgien gekürt. Unter seiner Regie gelang Amoura der Durchbruch – und der Sprung in die Bundesliga.
„Bei Mohamed waren wir sofort sicher, dass er eine wichtige Verstärkung werden könnte“, erzählt Blessin, seit dieser Saison Trainer des Kiezklubs, gegenüber der MOPO. Im August 2023 hatte Union den Algerier für vier Millionen Euro vom Schweizer Erstligisten FC Lugano geholt.
Spannend: Der Transfer basierte auf einer speziellen Software, die Union nutzt, um geeignete Spieler zu identifizieren, die international unter dem Radar fliegen. Auf diese Weise brachte Blessins Ex-Klub auch schon Deniz Undav und Victor Boniface groß raus.
Amoura stellte in Wolfsburg einen Vereinsrekord auf
Blessin bekam mit Amoura zunächst einen Rohdiamanten. „Er musste taktisch etwas disziplinierter agieren und noch ein paar Dinge lernen“, berichtet der 51-Jährige von den Anfängen. „Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, solchen Spielern einen gewissen Freiraum auf dem Platz zu gewähren.“ Das gezielte Coaching sowie die Freiheiten nutzte Amoura für eine rasante Entwicklung, Entfaltung – und Leistungsexplosion.
Der 24-Jährige ist ein echter Wirbelwind, als solchen bezeichnet ihn auch Wolfsburgs Coach Ralph Hasenhüttel. Nachdem er die ersten beiden Saisonspiele verletzt verpasst hatte, legte der 1,70-Meter-Mann einen sensationellen Start hin, sammelte in seinen ersten vier Partien im neuen Trikot sechs Scorerpunkte (ein Tor, fünf Assists) – Vereinsrekord.
Herausragend ist auch Amouras Tempo. 35,1 km/h ist er in dieser Saison schon gelaufen. Nach eigenen Angaben sind bei ihm in Belgien aber sogar schon 37,5 km/h gemessen worden. Ein Flitzer. Nur schwer zu stoppen, wenn er erst einmal in Fahrt ist.
Kuriose Vertragssituation bei Amoura in Wolfsburg
„Über seine Geschwindigkeit kann man nur staunen“, sagt Blessin. „Er dürfte jetzt einer der schnellsten Spieler der Bundesliga sein. Wir sind auf jeden Fall gewarnt.“
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Kurios ist die Vertragssituation der Offensiv-Rakete. Wolfsburg hatte bei der Verpflichtung keine genaueren Angaben gemacht, Union hatte dagegen mitgeteilt, dass Amoura zunächst für ein Jahr ausgeliehen ist. Wolfsburg hat eine Kaufoption (Vertrag bis 2029). Berichten zufolge hat der VfL zunächst eine Leihgebühr in Höhe von drei Millionen Euro gezahlt, bei der geplanten Festverpflichtung werden weitere 14 Millionen fällig – plus mögliche Boni. Ein dickes Paket. Aus Sicht des FC St. Pauli ganz andere Sphären – aber zumindest sportlich bewegen sich Blessin und Amoura weiterhin in der selben Liga. Nur in einem anderen Land.