„Da ist mir das Herz aufgegangen“: Was Blessin nach dem Sieg so emotional machte
Er hatte es geahnt irgendwie, nicht nur gehofft. Die zahlreichen Ausfälle – es waren acht an der Zahl – hatten etwas gemacht mit der restlichen Mannschaft des FC St. Pauli, der Begriff „Wagenburgmentalität“ fiel im Anschluss an das 2:1 gegen Stuttgart mehrfach, auch Alexander Blessin stimmte in den Chor mit ein – und gab im Zuge dessen emotionale Einblicke in sein Seelenheil.
„Ich habe das Gefühl schon vorher gehabt“, sagte der Trainer. „Wir haben die letzten zwei Tage schon darüber geredet, dass wir nicht lamentieren dürfen, sondern wir müssen es einfach so annehmen.“ Man hat von der ersten Minute an gesehen, „dass wir noch mal enger zusammengerückt sind. Der Funke ist dann auch gleich auf die Fans übergegangen.“ Überhaupt die Fans. „Wenn man von Heimspielen redet, dann muss das ein Faustpfand sein“, forderte der 52-Jährige. „Diese Atmosphäre müssen wir für uns nutzen. Da haben wir letztes Jahr und auch in diesem einfach zu wenig draus gemacht.“ Jede gelungene Grätsche sei gegen Stuttgart beklatscht worden, „da ist mir das Herz aufgegangen“.
St. Pauli-Trainer Blessin genervt von „negativer Haltung“
Der mit so viel Leid und Leidenschaft erkämpfte Sieg tue gut, egal gegen wen. „Den Schwung müssen wir mitnehmen“, sagte Blessin und untermauerte abermals, dass er den Glauben an seine Jungs nie verloren habe. „Ich hatte es bewusst vor dem Spiel noch mal erwähnt: Für mich ist das Glas immer halbvoll“, betonte er. „Ich sehe die guten Sachen und wie die Jungs arbeiten. Trotzdem kriegst du eine gewisse negative Haltung auch mit. Das nervt mich, weil St. Pauli natürlich zusammen mit den Fans für etwas anderes steht.“
Wen oder was er im Speziellen meinte, definierte Blessin nicht im Detail, führte aber aus: „Natürlich sind wir eigenverantwortlich und müssen das in erster Linie auf den Platz bringen, aber es gab schon ein paar Miesepeter, die wir nicht gebrauchen konnten“, erklärte er. „Es geht nur, dass wir alle zusammen da rauskommen.“ Das sei für jeden Einzelnen im Verein wichtig, und darum stellte er auch die rhetorische Frage: „Was denkt ihr eigentlich in dem Moment, wo wir herkommen und wie wir was erreichen können?“
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Dass er trotz all der Durststrecken und Schwierigkeiten als einer von zwei Kellerkind-Trainern neben Heidenheims Frank Schmidt noch im Amt ist, derweil die gesamte Konkurrenz schon den Übungsleiter getauscht hat, sei „wahrscheinlich schon etwas Besonderes“, sagte er und gab preis: „Ich habe eine Phase gehabt, wo ich gesagt hab: Wenn der Verein selbst das Gefühl hat, dass man eine Veränderung braucht, dann bin ich der Letzte.“ Aber der interne Austausch sei weiterhin gegeben, „das Vertrauen, und das versucht man dann in jeder Hinsicht zurückzuzahlen. Ich hoffe, dass es sich auszahlt“.
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