„Brauchen einen stabilen Torwart“: Klare Ansage an St. Pauli-Keeper Vasilj
Die feste Größe wackelt. St. Paulis Nummer eins war lange Zeit auch die Nummer sicher der Kiezkicker, doch zuletzt hat sich auch Nikola Vasilj von der braun-weißen Krise anstecken lassen und sich ungewohnte Patzer geleistet, die im Verlauf der sportlichen Talfahrt mit sieben Niederlagen in Serie zum Teil fatale Auswirkungen hatten. An Vasiljs Können und seiner Klasse gibt es keine Zweifel, aber von Topform kann derzeit keine Rede sein. St. Pauli braucht Stabilität im Tor, gerade jetzt. Kann sich Vasilj wieder fangen? Muss er um seinen Status als Stammkeeper bangen? Sein Trainer muss eine schwierige Entscheidung treffen.
Die Leistungen von Vasilj waren in der Vergangenheit schon oft Thema, aber diesmal ist alles anders. Es geht nicht um Glanzparaden, gehaltene Elfmeter oder seinen Rang unter den besten Schlussmännern in der Bundesliga, sondern um Fehler. Zu viele. Zu oft. Harte Zeiten. „Es ist natürlich keine einfache Situation für ihn“, sagt Sportchef Andreas Bornemann zur MOPO. Alles andere als einfach ist auch die Situation für St. Pauli, denn die Fehler in drei Spielen nacheinander waren folgenschwer.
St. Pauli-Torhüter Vasilj leistet sich derzeit zu viele Fehler
Vasiljs Schwächephase ist symptomatisch für die aktuelle St. Pauli-Krise, in der zu viele Leistungsträger nicht auf ihrem Topniveau agieren und nahezu jeder individuelle Fehler umgehend brutal bestraft wird. Es liegt in der Natur der Torwartposition, dass Patzer des letzten Mannes die schwersten Konsequenzen haben.
Untypisch für den 29-Jährigen, der in seiner Premierensaison in der Bundesliga nicht nur statistisch zu den besten Torhütern der Liga zählte, ist die Häufung. In der Vergangenheit hatte sich der Nationalkeeper Bosnien-Herzegowinas nach Spielen, in denen er gepatzt hatte, umgehend mit starken Leistungen zurückgemeldet. Jetzt ist es eine regelrechte Fehler-Serie.
Angefangen mit dem Fehlgriff bei der 0:2-Niederlage in Frankfurt. Nachdem im siegreichen DFB-Pokalspiel gegen Hoffenheim St. Paulis Nummer zwei Ben Voll zum gefeierten Helden avanciert war, hatte Vasilj im folgenden Ligaspiel gegen Gladbach mit einem fatalen Fehlpass das Führungstor der Gäste eingeleitet. Und beim 1:2 in Freiburg agierte er unsicher, klärte vor dem ersten Gegentor einen Eckball nicht energisch genug. Zwar zeigte Vasilj auch in diesen Spielen viele gute, teilweise sogar überragende Paraden, aber unter dem Strich waren es in erster Linie die drei Fehler, die jeweils ein 0:1 zur Folge hatten.
Noch bekommt Vasilj bei St. Pauli volle Rückendeckung
Es ist nur logisch, dass bei der Analyse der braun-weißen Krise alle Bereiche und Mannschaftsteile unter die Lupe genommen und hinterfragt werden. Ist Vasilj Leidtragender der mangelnden defensiven Stabilität im Team, nicht mehr oder weniger als ein Teil davon, oder gar Treiber?
Bislang hat Trainer Alexander Blessin seiner Nummer eins volle Rückendeckung gegeben, Vasilj auch öffentlich mehrfach das Vertrauen ausgesprochen. Zu Recht. Aber auch für den besten Kiezkicker der vergangenen Saison gilt das Leistungsprinzip der Gegenwart. Fakt ist, dass die Vertrauensschwüre bislang keinen positiven Effekt auf die Leistung hatten und das Torwart-Thema in den Fokus rückt.
Nicht ausgeschlossen, dass eine Vorentscheidung darüber, wer beim nächsten Heimspiel gegen Union Berlin im Tor steht, schon an diesem Samstag im Stadion Bilino Polje in Zenica fällt oder drei Tage später im Wiener Ernst-Happel-Stadion, wenn die Nationalmannschaft von Bosnien-Herzegowina in der WM-Qualifikation zunächst gegen Rumänien und dann in Österreich antritt. Für sein Team geht es um das WM-Ticket, für Vasilj selbst um noch mehr. Die sportliche Leitung des FC St. Pauli dürfte besonders genau hinschauen, wie sich der 1,93-Meter-Mann präsentiert.
Bornemann hofft, dass Vasilj „zu seiner Form zurückfindet“
„Wir hoffen, dass Niko über die Länderspiele zu seiner Sicherheit und Form zurückfindet“, betont Sportchef Andreas Bornemann. Das Best-Case-Szenario wäre eine schnelle Trendwende bei Vasilj, überzeugende und vor allem fehlerfreie Auftritte – vorausgesetzt, Bosniens Nationaltrainer Sergej Barbarez setzt weiter auf seine Nummer eins und nimmt Vasiljs Fehler im Verein nicht zum Anlass für einen Wechsel zwischen den Pfosten.
Ein Tausch im Tor des FC St. Pauli ist längst nicht mehr undenkbar, was auch daran liegt, dass mit Voll eine starke Nummer zwei bereitsteht, die ihre Qualität nachgewiesen hat. Ein Keeper-Wechsel würde allerdings Wellen schlagen und könnte für noch mehr Unruhe sorgen. Andererseits kann sich der Klub keine weiteren groben Torwartfehler leisten. Beim nächsten wäre klar: Blessin hat zu spät gehandelt. Die T-Frage wird eine heiße und knifflige Kiste.
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„Natürlich brauchen wir einen stabilen Torwart, der uns – wie in der vergangenen Saison – auch mal das eine oder andere Spiel gewinnt“, stellt Bornemann klar. Ganz unabhängig von den Namen Vasilj und Voll.