Blessin weiß genau: Für das „Highlight“ in München muss St. Pauli „leiden“
Vorfreude? Befreites Aufspielen und nichts zu verlieren? Oder doch Schiss vor einer Klatsche? Trainer Alexander Blessin wünscht einen mutigen FC St. Pauli am Samstag (15.30 Uhr, Liveticker auf MOPO.de) beim Rekordmeister FC Bayern München und will, dass seine Mannschaft trotz der enormen sportlichen Hürde auch Freude empfindet, auf der großen Bühne eines der besten Teams auf dem Kontinent zu fordern. Aber wie viel Spaß ist gut – und ab wo wird es gefährlich? Highlight und Albtraum liegen dicht beieinander.
Nichts zu verlieren. Das wird häufiger gesagt und geschrieben, aber selten trifft es derart zu, wie in diesem Fall. Alles andere als ein Sieg des FC Bayern im ungleichen Duell in der Allianz Arena wäre eine regelrechte Sensation. Schließlich haben die Gastgeber zehn ihrer elf Ligaspiele gewonnen und eines unentschieden gespielt – und die Gäste aus Hamburg zuletzt achtmal in Serie verloren.
Blessin: St. Pauli gegen Bayern „krasser Außenseiter“
„Wir sind krasser Außenseiter und haben nichts zu verlieren“, sagt auch Trainer Alexander Blessin, der bis auf den Langzeitverletzten David Nemeth auf alle Profis zurückgreifen kann, vor der anstehenden Partie. Daran ändert auch das 1:3 der Bayern bei Arsenal London in der Champions League, die erste Pflichtspiel-Niederlage der Saison, nichts. Vielleicht sind Harry Kane & Co. dadurch sogar extra motiviert.

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Blessin hat seine Spieler unter der Woche nochmal daran erinnert, welch besondere Gelegenheit sich am Samstag bietet und gefragt, „wer als Kind mal geträumt hat, bei Bayern zu spielen“, einem Weltverein. Der Coach möchte, dass seine Profis die Partie als Chance begreifen, als Highlight. „Man hat nicht jedes Wochenende die Gelegenheit, sich mit den besten zu messen“ und der FCB sei „mit die beste Mannschaft in Europa.“
Kiezkicker werden in der Allianz Arena „leiden“
Schön wird es auf dem Rasen dennoch nicht. „Wir müssen leiden“, weiß Blessin. An die Grenzen gehen, alles raushauen und auf dem Platz lassen gegen das Star-Ensemble mit der brutal gefährlichen Offensive – und am Ende höchstwahrscheinlich selbst bei einer Leistung nah am eigenen Optimum als Verlierer die Heimreise antreten. „Wir müssen auch Glück und einen guten Tag haben, Bayern einen schlechten. Da muss alles passen.“

Es könnte auch hässlich werden. Dem SC Freiburg hat Bayern zuletzt sechs Tore eingeschenkt. Der HSV kam in München mit 0:5 unter die Räder – und das auch nur, weil die Gastgeber nach dem 4:0 und gerade einmal einer halben Stunde Spielzeit einen Gang runterschalteten.
Eine richtig hohe Niederlage wäre bitter, weil sie weiteres Selbstvertrauen rauben würde, das die „Boys in Brown“ im folgenden DFB-Pokal-Achtelfinale bei Borussia Mönchengladbach am Dienstag und noch viel mehr im Liga-Spiel bei Aufsteiger Köln vier Tage später unbedingt braucht, um mit einem Erfolgserlebnis die Wende zu schaffen.
Es gilt, eine heftige Klatsche zu verhindern
„Es wäre falsch, von Angst zu reden“, betont Blessin, der sich deshalb keine Gedanken über eine mögliche Packung machen möchte und auch seine Spieler davon abhalten will. Er fordert positive Emotionen. „Genießen wird schwierig, das ist auch das falsche Wort, aber wir müssen ein Stück weit Spaß auf den Platz transportieren.“
Schon eine Niederlage, die im Rahmen bleibt, könnte ein respektables Ergebnis sein, auf das sich aufbauen lässt, selbst wenn es dann die neunte Niederlage in Serie ist. Auf die Frage, was aus seiner Sicht ein Erfolg seiner Mannschaft in München wäre, überlegt Blessin kurz, um die richtigen Worte zu wählen. Es komme darauf an, „wie viele Großchancen wir zulassen und wie viele Chancen wir uns selbst herausspielen. Ob es uns gelingt, das Spiel möglichst lange offenzuhalten, sodass man vielleicht sagen kann, wir haben die Bayern ärgern können.“
Gelingt St. Pauli ein Auftritt bei Bayern wie im März?
In der vergangenen Saison hatte St. Pauli als Aufsteiger in der Allianz Arena einen couragierten Auftritt hingelegt, zwar 2:3 verloren, sich aber Respekt verdient und durchaus Selbstvertrauen aus der Partie gezogen. Gelingt das auch jetzt wieder? „Die Situation und Konstellation ist eine andere“, sagt Blessin. Beim Duell im März war sein Team mit einem Sieg gegen Hoffenheim und zuvor einem Remis in Wolfsburg im Rücken angereist. Die aktuelle Niederlagen-Serie ist dagegen Ballast, der nur schwer abzuschütteln ist. Vielleicht macht die „Mission Impossible“ in München genau das möglich.
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