Bleibt Blessin Trainer bei St. Pauli? Klare Ansage von Sportchef Bornemann
Der FC St. Pauli steht mit dem Rücken zur Wand. Nichts darf mehr schiefgehen. Alles muss passen, damit sich die Braun-Weißen in die Relegation retten. Der Druck wächst. Angst, Kritik und Wut im Umfeld nehmen zu. Nach den Pfiffen gegen Trainer Alexander Blessin bei der jüngsten Heimniederlage steht der Coach unter Beobachtung, ist zwangsläufig größter Hoffnungsträger, aber zugleich zunehmend Reizfigur. Der Verein hält an ihm fest. Warum, erklärt Sportchef Andreas Bornemann in der MOPO.
Acht Spiele ohne Sieg, dabei nur drei Punkte und 4:15 Tore. Keine Mannschaft war in dieser Zeitspanne erfolgloser als die Kiezkicker, die erstmals seit dem 22. Spieltag wieder auf einem Abstiegsplatz stehen. Trotzdem ist noch nicht alles verloren.
Ab jetzt darf sich St. Pauli keine Fehler mehr erlauben
Der Toleranzbereich für Fehler oder Versagen ist allerdings so schmal wie die Gleise im Miniaturwunderland. Zum siebten Mal in dieser Saison rangiert St. Pauli (26 Punkte) auf Tabellenplatz 17 hinter den punktgleichen Wolfsburgern, die das bessere Torverhältnis aufweisen. St. Pauli tritt am 33. Spieltag in Leipzig an, Wolfsburg empfängt Bayern. Auf dem Papier zwei Niederlagen für die Kellerklubs, die am 34. Spieltag aufeinandertreffen, aber Garantien gibt es nicht.
Neu sind die zielgerichteten Misstöne in Richtung Trainer. „Es ist eine sportlich schwierige und angespannte Situation, die sich dann auch mal in Unmutsbekundungen Bahn bricht“, sagt Sportchef Bornemann, der die Pfiffe „in dem Moment gar nicht so deutlich mitbekommen“ habe, sondern erst nach dem Spiel.
Dass der Trainer Zielscheibe für den Frust ist, findet Bornemann nicht gerechtfertigt. „Alex ist durchgängig mit hoher Intensität bei der Sache und tut alles dafür, dass die Mannschaft trotz der immer neuen personellen Rückschläge erfolgreich sein kann.“
Bornemann verteidigt Trainer Blessin gegen die Kritik
So legitim es ist, Aufstellung, Ausrichtung der Mannschaft und auch Einwechslungen kritisch zu hinterfragen, so wenig darf die seit Monaten angespannte Personallage außer Acht gelassen oder marginalisiert werden. Kaum ein anderer Klub in der Liga hat derart viele, langfristige und gravierende Ausfälle hinnehmen müssen. Blessin arbeitet seit Monaten unter widrigen Voraussetzungen auf einer ohnehin herausfordernden Mission. Hinzu kommt, dass viele Leistungsträger derzeit nicht an ihrem Limit spielen.
Die Vereinsführung traut Blessin zu, das Ruder noch mal entscheidend herumzureißen. „Wir sind nach wie vor davon überzeugt, dass uns diese Konstellation die beste Möglichkeit gibt, um die entscheidenden Ergebnisse zu erzielen und gemeinsam unsere Ziele zu erreichen“, betont Bornemann. Intern werden diesem Weg mehr Chancen eingeräumt als die Verpflichtung eines „Feuerwehrmannes“, der mit den gleichen Problemen konfrontiert wäre – wenngleich dadurch die Möglichkeit ungenutzt bleibt, dass neue Impulse für eine Wende sorgen könnten.
St. Pauli-Coach Blessin ist „kein Typ, der hinschmeißt“
Blessin hat sich in dieser Saison als Kämpfer gezeigt. „Ich bin überhaupt nicht der Typ, der irgendetwas hinschmeißt“, hatte der 52-Jährige im MOPO-Interview im April klargestellt. „Ich glaube weiterhin an die Mannschaft und mich.“ Er sagte aber auch: „Wenn der Verein das Gefühl hat, es muss eine Veränderung her, dann bin ich der Letzte, der sich dagegen wehrt.“
Bornemann will keinerlei Zweifel aufkommen lassen. „Wir brauchen einen Trainer, der sich vollkommen auf seine Aufgabe konzentrieren kann und dafür sind Rückendeckung und Vertrauen wichtig.“ Die Mannschaft scheint hinter diesem Weg zu stehen. Ein öffentliches Abrücken von Blessin oder seiner Spielidee ist nicht zu sehen oder in den Statements zu hören. Vielmehr wird der Zusammenhalt beschworen. Auch Bornemann betont: „Das Wichtigste in der aktuellen Situation sind der totale Fokus auf die Aufgabe und die absolute Geschlossenheit.“
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Aber wie sehr beeindrucken oder belasten die Pfiffe den Trainer selbst? „Natürlich registriert er das, was ja nur menschlich ist“, sagt Bornemann, „aber ich habe überhaupt nicht den Eindruck, dass es seine Energie oder den Fokus für die tägliche Arbeit beeinträchtigt, es spornt ihn eher an.“ Er will nicht der Trainer sein, der St. Pauli in die 2. Liga führt, sondern zum Retter werden.