Beim HSV wurde er verkannt: Stuttgart-Star freut sich auf „Derby“ gegen St. Pauli

Ermedin Demirovic bejubelt sein Tor zum 1:1 in Bremen
Ein Ex-HSVer jubelt in Bremen: Ermedin Demirovic traf Ende November bei Werder doppelt, sicherte Stuttgart einen Punkt (2:2).

Ein gebürtiger Hamburger geht seinen Weg. Ermedin Demirovic hat als Kind das HSV-Trikot getragen, doch sein Talent wurde nicht erkannt. Über RB Leipzig sowie Auslandsstationen erfüllte sich für den Stürmer 2020 in Freiburg der Bundesliga-Traum. Vor dieser Saison hat St. Paulis Gegner VfB Stuttgart für seine Dienste 21 Millionen Euro an Augsburg überwiesen. Die MOPO hat mit dem 26-jährigen Bosnier (sieben Saisontore) gesprochen.

MOPO: Sie werden am Samstag Ihr erstes Bundesliga-Spiel gegen eine Hamburger Mannschaft bestreiten – gegen St. Pauli. Ist das für Sie ein kleines Privat-Derby?

Ermedin Demirovic: Eine gewisse Derby-Stimmung entsteht durch Familie und Freunde, von denen einige HSV-Fans sind. Ich habe schon spaßeshalber gesagt: Ich spiele am Samstag für zwei Vereine (lacht).

Stuttgart hält unter Hoeneß an seinem Plan fest

Fühlen Sie sich denn mittlerweile schon als Schwabe?

Ich fühle mich sehr wohl hier. Meine Familie auch, wenn sie zu Besuch kommt. Aber ich bin in Hamburg geboren, das bleibt für immer.

Der VfB hat bis vor anderthalb Jahren gegen den Abstieg gespielt und ist jetzt ein Champions-League-Klub. Woher kommt der Wandel?

Ich glaube eine gewisse individuelle Qualität war immer schon vorhanden. Aber jetzt hat Sebastian Hoeneß hier etwas entfacht, bei der Mannschaft, bei den Fans … Wir haben einen Plan und halten an ihm fest, das macht uns stark.

Welche Ziele haben Sie in dieser Saison?

Die Dreifachbelastung ist intensiv, aber wenn wir so weitermachen, können wir eine gute Saison spielen. Im DFB-Pokal stehen wir im Viertelfinale, in der Champions League haben wir die Chance, uns für die Playoffs zu qualifizieren – und in der Bundesliga sind wir auf Schlagdistanz zu den vorderen Plätzen.

St. Pauli für Stuttgart ein „schwerer Gegner“

Wie schätzen Sie St. Pauli ein?

Als schweren Gegner. St. Pauli spielt guten Fußball, das haben sie auch schon im Zweitliga-Aufstiegsjahr bewiesen. Mit etwas mehr Glück und Durchschlagskraft stünden sie vermutlich besser da.

Nikola Vasilj und Ermedin Demirovic bedanken sich bei den bosnischen Fans für deren Unterstützung
Mit St. Paulis Torwart Nikola Vasilj (l.) spielt Demirovic in Bosniens Nationalteam. Gegen Deutschland gab’s ein 0:7.

Sie begegnen dann auch Ihrem Nationalmannschafts-Kollegen Nikola Vasilj, der Sie vom Toreschießen abhalten will.

Das ist schon etwas Besonderes, zumal er der Torwart ist und ich der Stürmer. Es kann sein, dass wir am Samstag oft aufeinander treffen – dann hoffentlich mit dem besseren Ende für mich. Wir haben zwar bei der Nationalmannschaft miteinander trainiert, aber ich glaube, wir kennen noch nicht alle Tricks voneinander …

Danach werden Sie wieder gemeinsam für Bosnien spielen. Ist die WM 2026 ein Ziel?

Die Qualifikation für ein Turnier wird immer das Ziel sein. Es ist ein Kindheitstraum, an einem großen Turnier teilzunehmen. Bei der Auslosung hätte es uns schlimmer treffen können, aber mit Österreich und Rumänien haben wir zwei starke Gegner. Trotzdem: Mit der Gruppe können wir zufrieden sein.

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Zurück nach Hamburg: Der HSV hat nicht an Sie geglaubt, als Sie 16 Jahre alt waren, Sie mussten Ihr Glück in der Ferne suchen. Gibt es da keinen Groll?

Was damals war, ist lange her. Ich bin in der Nähe des Volksparkstadions aufgewachsen, habe jedes Tor dort gehört und in der Jugend zehn Jahre für den Verein gespielt. Ich würde mich brutal freuen, auch mal in der Bundesliga gegen den HSV zu spielen.

Ermedin Demirovic lehnt an einem Geländer am Spielfeldrand
Ermedin Demirovic (l.) im April in Hamburg bei einem Spiel seines Bruders Semir (HEBC)

Anfang Mai wird es erstmal zum Rückspiel am Millerntor kommen. Falls es nach dem Abpfiff nicht gleich zurück nach Stuttgart geht – welchen Ort in Hamburg würden Sie gerne besuchen?

Das kommt darauf an, wie das Spiel verlaufen ist. Wenn man erfolgreich war, lässt es sich in Hamburg gut feiern. Aber erstmal würde ich wohl nach Hause zu meinen Eltern gehen. Ein geeigneter Platz für die Nachspielzeit wird sich dann schon finden.