Behält St. Pauli seine U23 auch in der Oberliga? Entscheidung gefallen!

Oleg Skakun und Marwin Schmitz bejubeln ein Tor für die U23 des FC St. Pauli
Top-Talent Marwin Schmitz (r.) ist mit 19 Jahren bereits Stammspieler der U23. ​​​​​​​Bei den Profis schnuppert er regelmäßig rein.

Spaß ist was anderes. Als Tabellenletzter zu überwintern, zehrt an jedem Fußballer-Ego, und das ist rund um die U23 des FC St. Pauli nicht anders. Braun-Weiß hat die Rote Laterne der Regionalliga Nord inne, der Sturz in die Oberliga droht – und dann? Der Re-Start wurde durch die Absage der für dieses Wochenende angesetzten Partie bei Phönix Lübeck zwar um eine Woche verschoben, doch eine Saisonhälfte ist immer noch zu gehen. Der Sportliche Leiter Carsten Rothenbach gibt sich zuversichtlich und sprach mit der MOPO auch über die generelle Zukunft des Kiezklub-Unterbaus.

„Es ist immer wichtig, dass man Perspektive vermittelt, wenn die Rückrunde ansteht und man einen nicht so guten Tabellenplatz belegt“, sagt der ehemalige St. Pauli-Profi der MOPO. Es sei zweifellos eine schwierige Situation, aber man werde nicht die Arbeit einstellen, weil man um den Klassenerhalt kämpfen müsse. „Wir verschwenden keinen Gedanken daran, die Mannschaft abzuschaffen“, fügt Rothenbach für den Fall eines möglichen Abstiegs an. „Im Gegenteil, sie ist enorm wichtig für unsere Talente, um diesen Zwischenschritt hinzubekommen. Egal in welcher Liga wir spielen, die Mannschaft wird weiterhin existieren.“

U23 würde auch unterhalb der Regionalliga existieren

Wenn es die Oberliga wäre, wäre dies ein Umstand, mit dem man umgehen müsse, aber das hätte man nicht exklusiv. „Werder hat es vor zweieinhalb Jahren erwischt, Frankfurt letztes Jahr“, zählt der 45-Jährige auf. Bremen ist zurück in der Viertklassigkeit, die Eintracht arbeitet daran. „Natürlich ist die Liga-Stärke wichtig, aber noch wichtiger ist, wie man mit den Spielern arbeitet“, sagt Rothenbach. „Im Kern geht es darum, ihnen eine vernünftige Ausbildung zu geben.“

Und sie im Idealfall ins Profiteam zu integrieren. Das klappt auch bei St. Pauli regelmäßig, den Durchbruch im eigenen Verein aber hat schon länger keiner mehr geschafft. „Wir haben schon eine Durchlässigkeit, angefangen beim Training“, erläutert Rothenbach den Umstand, dass regelmäßig Spieler aus der U19 und der U23 unter Alexander Blessin an der Kollaustraße zugange sind. „Ob es dann am Ende jemand in Richtung Millerntor schafft, lässt sich nicht planen. Aber wir haben Spieler, die das mittelfristig schaffen können.“

Marwin Schmitz (19) zum Beispiel, eigentlich noch dem U19-Kader zugehörig, für die U23 schon von gewisser Bedeutung und regelmäßig bei den Profis dabei. Und es gab in den vergangenen Jahren einige Beispiele von Akteuren, die zwar nicht in Hamburg den Sprung geschafft haben, aber über Umwege bei anderen Klubs: Max Marie (Braunschweig), Tjark Scheller (Paderborn), Franz Roggow (Hannover) oder Niklas Jessen (Duisburg). „Man darf sich das auch nicht zu einfach vorstellen“, erklärt Rothenbach. Von der U19 in die Bundesliga, „das sind riesige Schritte. Selbst der aus der U19 in die Regionalliga wird immer größer“. Da müsse man fair bleiben gegenüber den Jungs, für die seien dann Zwischenschritte in der 2. oder 3. Liga wichtig.

St. Pauli U23 holte mit Nikky Goguadze einen Stürmer

Schnee von morgen, jetzt geht es erst einmal darum, die Viertklassigkeit auf dem Kiez zu erhalten. Dafür hat man noch einmal aufgerüstet, wenngleich dezent. „Wir haben Spieler gesucht, die sich hundertprozentig mit unserer Situation identifizieren können“, lässt Rothenbach wissen. „In erster Linie haben wir uns darüber Gedanken gemacht, wo wir uns verbessern müssen. Und das war laut unserer Analyse in der gegnerischen Box. Wir hatten zu wenige und zu ungefährliche Abschlüsse, darum stand Nikky Goguadze bei uns ganz oben auf der Liste.“ Und der kam jetzt vom VfL Osnabrück, nachdem er in den Jahren zuvor bei den Kickers Emden, dem TSV Havelse und dem Bremer SV „nachgewiesen hat, dass er seine Tore macht“. Zweiter Neuer ist Kenan Aydin (1. FC Magdeburg II).

St. Pauli-Neuzugang Nikky Goguadze bei seiner Vorstellung
St. Paulis U23-Leiter Carsten Rothenbach (l.) begrüßt den neuen Stürmer Nikky Goguadze (27).

Karsten Neitzel und sein Trainerteam haben in der Winter-Vorbereitung „an vielen Themen gearbeitet, um als Mannschaft stabiler zu stehen“, berichtet Rothenbach. „Wir hatten viele Verletzte, eine hohe Fluktuation. Da haben wir jetzt Schwerpunkte gesetzt und glauben, dass es das richtige Mittel ist, um die nötigen Punkte zu holen.“ Da es immer auch Zeit brauche, Spieler aus den U-Teams an das Niveau der Regionalliga heranzuführen, sei die aktuelle Situation für den Verein und die Verantwortlichen auch keine ganz unbekannte.

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Und das, gleichwohl rund um die U23 wahnsinnig viel passiert sei. „Wir haben vor ein paar Jahren einen Prozess angestoßen und einiges professionalisiert rund um die Mannschaft. Gerade, was das Trainerteam und den Staff angeht. Wir haben eine sehr enge Anbindung an die Profis, die ist uns wichtig und wird es auch bleiben.“ Das käme Rothenbach etwas zu kurz, wenn man nur auf die Tabelle schaue, sagt er, auch wenn das im Fußball halt so sei: „Es geht nicht nur darum, die Spieler auf den Profi-Bereich vorzubereiten, sondern auch die Mitarbeitenden. Ob das Physiotherapeuten, Athletik-Trainer oder Trainer sind, auch das hat sich in den letzten Jahren ausgezahlt.“ Jüngstes Beispiel: Mit Marius Abraham wurde mal wieder ein Physiotherapeut an die Profis herangeführt.