Afolayan, Sinani, Smith & Co.: Die heißesten Vertrags-Fragen bei St. Pauli
Mit einem letzten Kraftakt und einem möglicherweise sehr wertvollen Punktgewinn hat sich der FC St. Pauli in die Feiertage verabschiedet. Während die Spieler in der kurzen Winterpause ihre Akkus für den Restart im neuen Jahr und den entscheidenden zweiten Teil der Mission Klassenerhalt aufladen, machen sich die Verantwortlichen Gedanken über Verbesserungen, Veränderungen und Verstärkungen. Im Wintertransferfenster stehen wichtige Entscheidungen an und auch perspektivisch sind Vertragsfragen zu klären. Die MOPO gibt einen Überblick über die heißesten Personalien.
Der Kiezklub wird seinen Kader im Winter noch einmal verstärken und zugleich Spieler ziehen lassen, das ist jedenfalls angestrebt. Wie umfangreich, wird sich zeigen. Auch mittelfristig stehen wichtige Weichenstellungen ins Haus, denn im Sommer laufen mehrere Verträge aus. Vieles hängt von der Liga-Zugehörigkeit ab, bei einigen Akteuren alles.
Trotz Interesse an Ando: St. Pauli will mit Mets verlängern
Karol Mets: Die knallharte Abwehrkante ist nach der langen Verletzungspause wieder zum erhofften und auch benötigten Stabilisator und Führungsspieler geworden. Der estnische Nationalspieler zeigt bislang keinerlei Eile, seinen auslaufenden Kontrakt zu verlängern, und ist entspannt. Der Linksfuß hat zuletzt den Fokus darauf gerichtet, dauerhaft zu alter Stärke zu finden. Der 32-Jährige könnte im Zuge einer starken Rückrunde mögliche andere Optionen prüfen wollen, fühlt sich beim Kiezklub und in Hamburg allerdings wohl und sein Alter schränkt seinen Markt ein. Wichtig: Mets müsste auch im Falle eines Abstiegs nicht um seinen Stammplatz im Nationalteam bangen.
Das nach MOPO-Informationen konkrete Interesse am Japaner Tomoya Ando (26), ein Rechtsfuß, dokumentiert das grundsätzliche Ziel des Kiezklubs, sich in der Innenverteidigung perspektivisch aufzustellen, aber St. Pauli wird Mets als Kämpfertypen, Vollprofi und Vorbild halten und seinen Vertrag noch einmal verlängern wollen. Entscheidend dürfte die Laufzeit sein.
Sands hat starke Konkurrenz bei Stammklub New York City
James Sands: Der defensive Mittelfeldmann spielt auf Leihbasis, nachdem sein halbjähriger Leih-Vertrag zwischen St. Pauli und dem New York City FC im Sommer verlängert worden war. Bedingung dafür war der Bundesligaverbleib der Kiezkicker. Sands, der bei den Kiezkickern Stammspieler ist und sich für den WM-Kader der USA empfehlen will, steht bei seinem Stammverein noch bis 2028 unter Vertrag. St. Pauli hat keine Kaufoption, wird aber im Falle eines erneuten Klassenerhalts eine gute Option für den 25-Jährigen bleiben. Relevant könnte die Konkurrenzsituation beim NYCFC werden, der mit dem australischen Nationalspieler Aiden O’Neill und Andrés Perea im defensiven Mittelfeld stark und langfristig aufgestellt ist (beide Vertrag bis 2028).
Danel Sinani: Der luxemburgische Nationalspieler hat in dieser Spielzeit noch nicht die Topform der Vorsaison erreicht und spielte beim jüngsten Aufwärtstrend nur eine Nebenrolle. Dennoch gehört Sinani mit zwei Toren und zwei Assists zu den besten Scorern der Braun-Weißen und ist unbestritten einer der besten Fußballer im Kader. St. Pauli würde den Linksfuß liga-unabhängig gerne halten, aber die Frage ist, welche Pläne der 28-Jährige verfolgt. Beachtung verdient, dass Sinani kürzlich den Berater gewechselt hat und nun von der internationalen Agentur Wasserman vertreten wird. Solch ein Schritt kann, muss aber nicht zwangsläufig, auf Wechselabsichten hindeuten. Es wäre jedenfalls nicht verwunderlich, sollte Sinani nach zwei Jahren Klassenkampf mit Fokus auf der Arbeit gegen den Ball einen Klub als nächste Station favorisieren, dessen Mannschaft eindeutig offensiv ausgerichtet ist.
Keine Kaufoption bei St. Paulis Sturm-Leihgabe Hountondji
Andréas Hountondji: Das Leihgeschäft mit dem englischen Premier-League-Klub FC Burnley endet am Saisonende und ist klar auf eine Spielzeit ausgelegt. Eine Kaufoption für den Stürmer hat St. Pauli nach MOPO-Informationen nicht, weil eine feste Verpflichtung wirtschaftlich auch gar nicht zu stemmen wäre. Der geschätzte Marktwert des beninischen Nationalspielers von fünf Millionen Euro spiegelt vor allem das Preisniveau auf der Insel wider. Die Hamburger haben mit Martijn Kaars bereits für mehr als vier Millionen Euro einen Stürmer verpflichtet, dessen Vertrag im Abstiegsfall auch für die zweite Liga gilt.
Nikola Vasilj: St. Paulis Nummer eins ist nach einer Schwächephase wieder der starke Rückhalt und einer der Garanten, warum die Mannschaft zuletzt wieder stabiler war. Sein Vertrag läuft am Saisonende zwar aus – aber das heißt nach MOPO-Informationen nicht, dass automatisch Schluss ist. Die Bedingung für eine automatische Verlängerung des Kontrakts um ein weiteres Jahr soll die Erstliga-Zugehörigkeit sein. Heißt: Bei Abstieg wäre Vasilj vertragslos und ablösefrei. Zwar wäre der bosnische Nationalkeeper ein Kandidat für eine vorzeitige Verlängerung, allerdings hat St. Pauli mit Ben Voll eine aufstrebende Nummer zwei mit Stammkeeper-Potenzial im Team, insbesondere im Falle eines möglichen Neustarts in Liga zwei. Den Weg in die zweite Liga dürfte Vasilj nicht mitgehen wollen. An Interessenten aus einer europäischen Top-5-Liga dürfte es angesichts seiner Klasse nicht mangeln.
Bei Afolayan deutet alles auf einen St. Pauli-Abschied hin
Oladapo Afolayan: Die aktuelle Situation ist für alle Seiten unbefriedigend und die Frage lautet längst nicht mehr, ob der Flügelstürmer St. Pauli verlässt, sondern wann. Derzeit deutet alles darauf hin, dass sich die Wege schon im Winter trennen, wenn der Engländer zeitnah einen neuen Klub präsentiert. Afolayan, dessen Vertrag im Sommer endet, stand in den vergangenen Wochen gar nicht mehr im Kader, und St. Pauli will sich in der Rückrunde jedes potenzielle Störgeräusch sparen. Sollte Afolayan den Kiezklub im Winter verlassen, würde ein Kaderplatz im Sturm frei. Nicht ausgeschlossen ist, dass der Verein bei einer entsprechenden Gelegenheit und Güteklasse noch mal nachlegt – eine halbjährige Leihe eines Angreifers wäre eine Option.
Erik Ahlstrand: Die Situation des Schweden lässt sich mit einem Wort zusammenfassen: unbefriedigend. Ahlstrand wünscht sich mehr Spielzeit, die er angesichts der Konkurrenz auch in der Rückrunde nicht bekommen kann, weshalb ein Wechsel im Winter Sinn ergeben würde, damit der vielseitig einsetzbare Offensivspieler den nächsten Entwicklungsschritt vollziehen kann. Spiele in St. Paulis U23 bringen ihn nicht entscheidend weiter und sind auch nicht das, was er sich in dieser Phase seiner Karriere vorstellt. Da sein Kontrakt nicht ausläuft, wäre neben einem Verkauf auch ein Leihgeschäft eine Möglichkeit, von der alle Seiten profitieren können.
Unbefriedigende Situation für Ahlstrand und Stevens
Fin Stevens: Die Lage beim Waliser ist ähnlich wie die von Ahlstrand, nur noch unbefriedigender. Auf der rechten Defensivseite hat er mit Arkadiusz Pyrka und Manolis Saliakas zwei Spieler vor sich, an denen er nicht vorbeikommt, weshalb seine Einsatzchancen bei null liegen, wenn beide fit sind. Da er, anders als Ahlstrand, kein EU-Ausländer ist, kann Stevens nicht in der U23 eingesetzt werden und nötige Spielpraxis bekommen. Eine Sackgasse, die einen zeitnahen Abschied zur besten Lösung macht. Findet Stevens einen Klub, der zu einer marktgerechten Ablösezahlung bereit ist, dann dürfte der Abschied schnell über die Bühne gehen. Im Sommer sollen die Queens Park Rangers und Birmingham City interessiert gewesen sein, aber offensichtlich nicht interessiert genug. Auch Preston North End und Hull City sollen sich mit Stevens beschäftigt haben.
Eric Smith: In Mainz fehlte der Abwehrchef aufgrund seiner Rot-Sperre und es gibt Spekulationen, dass der Schwede beim vorangegangenen 2:1-Sieg gegen Heidenheim sein letztes Spiel für St. Pauli gemacht haben könnte. Warum eigentlich? Das fragt sich nicht nur Trainer Alexander Blessin, der trotz eines „ständigen Austauschs“ mit Smith nichts von kolportierten Abwanderungsgedanken des Schweden mitbekommen hat, wie der Coach vor einigen Tagen versicherte. Dass sich andere Vereine mit Smith beschäftigen, ist bei einem Spieler seines Formats keine Überraschung, sondern vielmehr normal und Teil des Geschäfts. Unter anderem soll der VfL Wolfsburg Interesse haben. Konkrete Anfragen für Smith und einen Winter-Transfer hat es noch nicht gegeben.
Bei Smith geht die Tendenz aktuell zum St. Pauli-Verleib
Der 28-Jährige selbst zeigt sich genervt davon, dass ihm latente Wechselabsichten unterstellt werden. „Ich weiß nicht, woher das kommt, dass ich gesagt hätte, ich wolle den Verein verlassen. Ich denke, ich war immer sehr deutlich. Ich mag es hier. Meine Familie mag es hier“, hatte Smith Ende November im MOPO-Interview klargestellt. „Wir führen seit vier Jahren in jedem Transferfenster die gleichen Gespräche. Es gibt Interesse, aber so ist Fußball. In den letzten drei Jahren habe ich es geschafft, recht gut zu spielen, und dann ist es ganz normal, dass Interesse besteht. Aber wie gesagt, ich habe einen Vertrag beim FC St. Pauli, und solange ich den habe, werde ich hier mein Bestes geben.“
Das klingt ziemlich unmissverständlich. Kapitän Jackson Irvine, der mit Smith befreundet ist, sagte nach dem Mainz-Spiel, als er auf die Spekulationen angesprochen wurde, dass er nicht den Eindruck habe, dass der Defensivstratege auf dem Absprung sei: „Er bekennt sich zu uns“, sagte der eng mit Smith befreundete Australier. Andererseits kann es im Profi-Fußball schnell gehen und „unverkäuflich“ gibt es nicht – zumal St. Pauli mit Hauke Wahl einen Spieler im Kader hat, der die Position im Abwehrzentrum hervorragend ausfüllen kann. Stand jetzt: Smith bleibt.